Books › Die Geigen und Lautenmacher, 1922 › scan 242
Scan 242
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
6 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 238. See the scan on archive.org.
1TRIEST
3Fast ganz italienisch ist die Oberschicht der Bevölkerung von Triest. Die Stadt wetteiferte immer schon mit Venedig, und ihre glückliche Lage am nördlichen Ende des Adriatischen Meeres kam ihr dabei sehr zustatten. Seit der letzte Doge den Herzogsmantel abgelegt hatte, machte Triest doppelte Anstrengungen, die Herrschaft über die Adria zu erlangen, und das Aufblühen der Stadt und ihres Kunstlebens äußert sich in gewisser Beziehung auch dadurch, daß von da an Geigenmacher in Triest fortdauernd Beschäftigung fanden. Vorher hat sich wohl ab und zu einer der vielen wandernden Pfuscher in Triest vorübergehend aufgehalten und durch marktschreierische Versprechungen die Leute verlockt, ihm Geigen mit wirklichen oder eingebildeten Schäden anzuvertrauen; der erste Geigenmacher aber, der sich hier um 1800 dauernd niederließ, war Giovanni Dollenz, der seiner eigenen Erzählung nach bei Storioni gelernt hatte. Seine Arbeit spricht im allgemeinen nicht dagegen, und sie ist sicher nicht schlechter als die vieler seiner italienischen Zeitgenossen. Er erwarb sich die Gunst der Musikfreunde, und als bald nach seiner Niederlassung wieder ein reisender Geigenmacher, Giovanni Valenzano, nach Triest kam, fand dieser keinen Zulauf mehr und mußte bald sein Bündel schnüren. Auch Vincenzo Corani, der bei Dollenz als Geselle beschäftigt war und sich später selbständig machte, konnte seinen Meister nicht verdrängen, und die Gunst seiner Kundschaft wurde um die Mitte des Jahrhunderts auf den Sohn Giuseppe Dollenz, der die väterliche Werkstatt erbte, übertragen. Das kam diesem sehr zustatten, denn unmittelbar nach dem Tode des Vaters tauchte Giuseppe Rossi in Triest auf. Rossi war an sich nicht ungeschickt, aber man brachte ihm doch nur kleine Flickarbeiten ins Haus. Auch Enrico Magrini wurde dem jungen Dollenz nicht sehr gefährlich, da seine Geigen nur von mittelmäßiger Ausführung waren, wenn er sich auch darauf berief, bei einem Guadagnini gelernt zu haben. Aber die Konkurrenz hatte ihr Gutes, denn G. Dollenz machte erhöhte Anstrengungen, und so sind die Arbeiten aus seinen reiferen Jahren entschieden besser als die früher entstandenen. Seinem Vater kam er trotzdem nicht gleich, aber er war ein begeisterter Prophet der alten Cremoneser und wußte diese Begeisterung auch bei seinen Freunden zu erwecken. Einer von diesen, Giovanni Blasich, versuchte sich dann selbst als Geigenmacher, und noch 1881 erhielt ein Ludwig Blasich für zwei Geigen und ein Violoncello, die er als Dilettantenarbeit ausgestellt hatte, eine Medaille zugekannt. Auch der angesehene Geiger und Musiklehrer Eugenio Weiß hat als Liebhaber recht gut klingende Instrumente zustande gebracht, und diese Dilettanten verrieten zweifellos mehr Talent als Augusto Tivoli, der in den siebziger Jahren in Triest seßhaft werden wollte. Aber Tivoli war noch immer wesentlich geschickter als der nach ihm kommende Giuseppe Bremitz, der nur noch böhmische Schachteln in Geigen von sehr zweifelhaftem Wert umgestalten konnte. Ein geschickterer Meister kam erst wieder mit Mario Mally, und es ist zu hoffen, daß die Triestiner auch in Zukunft darauf halten werden, daß der Geigenbau bei ihnen auf künstlerischer Höhe bleibt.
5Nahe bei Triest und in der Nähe von Pirano, dem Geburtsorte Tartinis, liegt das malerische Städtchen Isola, wo ein geistlicher Zeitgenosse des großen Geigers, Antonio Morona, sich in stillen Stunden damit unterhielt, allerlei Streichinstrumente zu bauen. Er konnte mehr als mancher Berufsgeigenmacher, aber so gut waren seine Werke doch nicht, daß man einsehen könnte, warum gerade sein Name so oft herhalten mußte, wenn es sich darum handelte, ein namenloses
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.