Books › Die Geigen und Lautenmacher, 1922 › scan 243
Scan 243
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
14 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 239. See the scan on archive.org.
1Instrument zu taufen. Im übrigen Istrien und auch in Dalmatien wurden höchstens von Landleuten die in jenen Landstrichen beliebten einfachen Rupfinstrumente gemacht, deren Verfertiger niemand mehr zu nennen weiß. In Krain und Kroatien liegen die Verhältnisse ganz ähnlich; nur in Agram haben jetzt einige Tamburitzamacher Werkstätten eingerichtet, wie Andreja Car, Terezija Kovačić und besonders Tomay & Tkalčić, und das Volksinstrument auch in mancher Hinsicht verbessert. Ähnliches leistete Nikola Nbojčić in Kostajnica.
3UNGARN
5Einen höheren Rang als in den südslawischen Ländern nahm der Geigenbau in Ungarn ein, und das ist eigentlich nur natürlich, denn nirgends in der Welt spielt die Geige in der Nationalmusik eine so große Rolle als in Ungarn. Der Ungar gilt daher auch als der geborene Geiger, und niemand kann es besser verstehen als er, in den Klang der Saiten seine ganze Seele, seine tiefinnerliche Wehmut und seine aufjauchzende Fröhlichkeit zu legen. Schwerlich kann auch der Geiger eine Zuhörerschaft finden, die sein Fühlen und Denken besser mitempfindet als in Ungarn, und keine Volksmusik kann dem Geiger besser liegen als gerade die ungarische. Es liegt etwas Berauschendes in ihr, und
7»In den Rausch wird jedes Herz gezogen,
8Jeder Tropfen Weines scheint zu klingen,
9Jedes schöne Auge laut zu singen…«
11sagt Lenau. Wo die Geige eine so bedeutsame Rolle spielt, dart man voraussetzen, daß es da nicht nur Künstler gibt und gegeben hat, die das köstliche Instrument zu spielen wissen, sondern auch solche, die es zu bauen verstehen. Es ist sicher, daß die Violine, sobald sie einmal da war, ihren Einzug auch sofort in Ungarn hielt. In der Blütezeit des italienischen Geigenbaues werden die meisten Geigen in Ungarn größtenteils aus Italien geholt worden sein. In den Instrumentenverzeichnissen der Hauskapellen einiger Magnaten werden nur italienische Geigen und Violoncelli erwähnt. Es mögen auch einzelne Geigenmacher aus Italien nach Ungarn gekommen sein; italienische Künstler haben ja seit dem frühen Mittelalter in Ungarn gearbeitet; Ungarn hat wohl auch manchen Sohn an Italien abgegeben, der dort seinen Namen italianisiert hat, so daß nur durch einen Zufall seine Heimat festzustellen ist. Ich denke dabei unter anderem an den großen venezianischen Maler Carpaccio oder, wie er sich lateinisch schrieb, »Carpatius«. Ist seine Familie nicht vielleicht aus den Karpathen nach Venedig eingewandert? 1) Lauten sind in Ungarn, wie überall, schon im 16. Jahrhundert gemacht worden — die Familie Neusiedler soll aus Ungarn stammen —, doch scheinen hier, wie anderwärts, die ältesten Lautenmacher ihre Namen in ihren Werken nicht angebracht zu haben. So fehlt mir auch für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts noch jeder Name, es sei denn, daß eine vierchörige kleine Laute im ungarischen Nationalmuseum, die die Bezeichnung »Joan(nes) Ant. Ruchlinski« trägt, ungarische Arbeit wäre. Um 1670 lebte in Eperjes ein ausgezeichneter Baritonspieler, der Stadttrumpeter Adam Beßler, von dem Daniel Speer in seinem in Ulm (1687) erschienenen »Unterricht in der musikalischen Kunst« ausdrücklich erwähnt, daß er ein »berühmter Geigenmacher« gewesen sei und die Viola Bariton selbst gemacht habe. Leider aber ist von ihm bis jetzt keine Arbeit zum Vorschein gekommen.
131) Sein Geburtshaus wird zwar in Capo d'Istria gezeigt, aber man zeigte in Köln ja auch das Haus, in dem Rubens geboren sein sollte — und doch zerstörte die Forschung längst die alte Überlieferung.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.