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Scan 288
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
8 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 284. See the scan on archive.org.
1Rautmanns jüngerer Sohn, Hermann Rautmann, übernahm im Jahre 1877 die Geigenmacherwerkstatt des früheren Flötisten Ferdinand Haase in Magdeburg, der damals nach Ballenstedt zog, nachdem er seine Instrumentenhandlung schon zehn Jahre früher an den Stabstrompeter Bernhard Dünkel verkauft hatte. Da H. Rautmann ein tüchtiger Fachmann ist, vergrößerte sich unter seiner Leitung das alte Geschäft zusehends, trotzdem im Jahre 1879 auch Gustav Günther nach Magdeburg kam, der allerdings schon drei Jahre später nach Mainz übersiedelte. Die Konkurrenz von E. Steffens brauchte er nicht zu fürchten. Die Dünkelsche Instrumentenhandlung kaufte Gustav Fassmann im Jahre 1888 und vererbte sie schon nach fünf Jahren seinem Bruder Ludwig Ernst Fassmann, der sich mehr den Blechinstrumenten widmete, was auch Friedrich Wilhelm Schulz vorzugsweise tat, während der frühere Musiker August Roediger, der früher in Aschersleben wohnte, sich als Geigenreparateur schon manches Lob verdient hat. Von H. Stuiber konnte ich nie eine Geige zu Gesicht bekommen. Dagegen habe ich eine recht gute Violine von Adolph Zöphel in der Hand gehabt, der früher bei Fassmann war und seit 1899 sein eigenes Geschäft hat. Ob Otto Teubner die Geigen, die er verkauft, auch selbst macht, konnte ich nicht erfahren. In Magdeburg dürfte Paul Graban gelernt haben, bevor er sich in Gardelegen niederließ, wo er in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts guten Zuspruch fand.
3In Magdeburg soll vor 1830 auch Otto Bachmann gearbeitet haben, der dann in Halberstadt eine Werkstatt aufmachte und über ein gediegenes Können und Wissen verfügte, das er unter anderem in einem 1835 erschienenen Handbuch des Geigenbaus niederlegte. Alle die hier kurz erwähnten Magdeburger gehören schon dem 19. Jahrhundert an, im 18. Jahrhundert scheint sich hier kein Geigenmacher aufgehalten zu haben, und man muß schon bis in die Zeit der Zerstörung Magdeburgs zurückgehen, um auf Heinrich Grimm zu stoßen, der, ein Zeitgenosse Ottos von Guericke, des Erfinders der Luftpumpe, außer Lauten auch Monochorde gemacht hat.
5Nicht viel älteren Datums als in Magdeburg ist der Geigenbau in Dessau. Nur in Bernburg soll schon um 1686 ein Violenbauer namens Heinrich Karl gelebt haben. Es war aber durchaus nichts Sicheres über ihn zu erfahren. In Dessau selbst ist H. Liebetreu der älteste Geigenmacher. Er lebte um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, war aber nur als Gitarrenmacher etwas wert. Gegen 1830 wollte sich Ludwig Bausch in Dessau festsetzen, er hatte aber kein Glück damit. Was ihm, dem echten Künstler, nicht gelang, erreichte der schon bei den Magdeburgern genannte Ferd. Haase ein halbes Jahrhundert später, ohne von der Kunst etwas zu verstehen, ganz leicht. Er wurde Hofinstrumentenmacher, richtete sich in Dessau ein und schabte lustig seine Vogtländer Schachteln aus, bis sie durchsichtig waren. Auf ihn folgte August Müller, aber erst mit Hermann Röselmüller und Fritz Hufenreuter kamen richtige Geigenmacher nach Dessau, die ihr Fach von Grund auf verstehen und daher auch leicht die verdiente Anerkennung gefunden haben.
7Ein Schüler des alten L. Bausch war Georg Günther, der in Radegast zu arbeiten anfing, im Jahre 1865 aber nach Halle zog, wo er hoffen durfte, lebhafteren Zuspruch zu finden, denn hier befindet sich seit 1693 eine berühmte Universität; die Stadt und ihr Handel waren im Aufblühen begriffen, und mehrere Geigenmacher haben hier ein gutes Auskommen gehabt. Ob der schon im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts lebende Michael Bucher in Halle oder in Hall gelebt hat, wage ich nicht zu entscheiden; in der gleichen Lage bin ich bei Weickert, der
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