Books › Die Geigen und Lautenmacher, 1922 › scan 296
Scan 296
Die Geigen und Lautenmacher, 1922
12 lines. Read by computer on 23 September 2026. Printed page 292. See the scan on archive.org.
1Daß in Berlin außer dem Geigenbau auch der Handel mit alten Meistergeigen blüht und daß hier neben wertvollen Privatsammlungen, unter denen die des Landschaftsmalers Fritz Wildhagen wohl die erste Stelle einnimmt, in der Staatlichen Sammlung alter Musikinstrumente ein wahres Geigenmuseum vorhanden ist, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden.
3Wir müssen uns nun dem Nordwesten Deutschlands zuwenden und einige kleinere Ortschaften, an denen wir vorbeikommen, unbeachtet lassen, wenn in diesen auch ab und zu Musiker als Geigenmacher aushalfen, wie z. B. Krieb in Dannenberg; denn irgendwelchen Wert hat das, was sie allenfalls zustande gebracht haben, nie gehabt. Aus diesem Grunde wollen wir uns geradenwegs nach Hamburg begeben und uns zunächst hier genau umsehen.
5HAMBURG, BREMEN
7Man ist so sehr gewöhnt, Hamburg als die bedeutendste deutsche Handelsstadt zu betrachten, daß man oft ganz übersieht, was hier auf künstlerischem Gebiete alles geleistet worden ist. Die Hamburger Malerei und Plastik in das rechte Licht zu stellen, hat sich Lichtwark mit Erfolg bemüht; der Kenner der Musikgeschichte weiß, wie die Hamburger bestrebt waren, die besten Musiker an ihre Stadt zu fesseln, wie sie neben der Fürsorge für die beste Kirchenmusik auch im Collegium musicum einen Mittelpunkt für die Pflege weltlicher Tonkunst geschaffen, und daß sie im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts sogar eine deutsche Oper ins Leben gerufen haben, die durch volle 60 Jahre bestand. In Hamburg waren also die Lebensbedingungen für Musikinstrumentenmacher sehr günstig, denn abgesehen davon, daß sie von den ansässigen Musikern in ausreichender Weise beschäftigt werden konnten, kam ihnen der Welthandelsverkehr hier noch besonders zugute.
9Die Entwicklung des Geigen- und Lautenbaus hielt mit dem Aufblühen des Musiklebens gleichen Schritt, und als die Glanzzeit vorüber war, verschwanden auch die Meister ersten Ranges wieder. Wann die ersten Lauten und Geigen in Hamburg gebaut wurden, darüber gibt die archivalische Forschung noch keinen Aufschluß. Wir kommen daher nicht weiter zurück als bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, doch finden wir merkwürdigerweise in der Hamburger Hochzeitsordnung von 1609 bereits eine »kleine Geige« besonders genannt, was darauf schließen läßt, daß hier die Violine verhältnismäßig frühzeitig Eingang gefunden hat. Leider fehlen über eine ganze Anzahl von Meistern, von denen sichere Arbeiten bekannt sind, alle Aufzeichnungen. Auch über Philipp Mohr, den Gerber in seinem Lexikon einen »berühmten Violenbauer« nennt, ließ sich nichts Näheres feststellen, er soll 1650 noch gelebt haben.
11Ein Jahrzehnt später erwarb der Lautenmacher Johann Kop, der als Hamburger Bürgerssohn bezeichnet wird, das Bürgerrecht. War er ein Schüler Mohrs? Oder war sein Vater schon Lautenmacher? Das sind Fragen, die nur durch einen zufälligen Fund beantwortet werden können.
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.