Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 347

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

17 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 325. See the scan on archive.org.

1Kerlino, Giovanni. — Brescia. 1450 (?). 1495.
3Seine Lebenszeit und seine Heimath zu bestimmen ist nicht möglich, nur so viel darf man als sicher betrachten, dass er kein Italiener war. Laborde verlegte seine Heimath in die Bretagne, Ruhlmann tritt mit Nachdruck für seine deutsche Abstammung ein, und de Piccolellis hält ihn, freilich ein wenig zweifelnd, für einen Tyroler. Da vom 15.—18. Jahrhundert eine ganze Anzahl flandrischer Musiker Namens Kerle in Italien nachweisbar ist, möchte ich ihn am ehesten für einen eingewanderten Flamänder halten. Urkundlich steht über ihn nur fest, dass die Markgräfin Isabella von Mantua im Juni 1495 einige Violen von ihm machen liess und gegen Ende des genannten Jahres den Lautenspieler Angelo Testagrossa beauftragte, nach Brescia zu reisen, um die bestellten Violen zu prüfen. (Vgl. Bertolotti, S. 17, und Davari, S. 16.) Was man sonst von ihm erzählt, beruht auf den Mittheilungen von Fétis, der in seinem Buche über Stradivari (S. 49) erwähnt, dass es nach Laborde um 1450 einen bretagnischen Geigenmacher Kerlino gegeben habe. Fétis sah ein schon von Laborde erwähntes Instrument von Kerlino 25 Jahre später im Besitze des Geigenmachers Koliker und beschreibt es folgendermaassen: „Es war keine gewöhnliche Violine, sondern eine dazu umgearbeitete Viola. Sie war höher gewölbt und hatte höhere Zargen als die Violen aus späterer Zeit. An Stelle des Ebenholzsaitenhalters befand sich ein Haken von Elfenbein mit vier Löchern. Das Instrument trug auf der Rückseite die Inschrift „Joan. Kerlino 1449.“ — Das ganze Instrument war zweifellos ein Machwerk Kolikers, an dem vielleicht einige Theile alt waren. Auch die Inschrift wird wohl unecht gewesen sein, wenn es auch zu weit gegangen ist, wenn man, wie James M. Fleming, den Namen Kerlino für eine aus einer Umdrehung des Namens Koliker (= Ker-li-ko) entstandene Erfindung des Pariser Geigenmachers hält, da der urkundliche Nachweis der Existenz Kerlino’s ja bereits erbracht ist.
5Kern, Hermann August. — Markneukirchen. Geboren 12. April 1873.
7Nachdem er in seiner Vaterstadt das Geigenmachen erlernt hatte, zog er fort und hat seitdem in verschiedenen Werkstätten gearbeitet.
9Kern (Khern), Thomas. — Wien. 1580.
10Er wurde als Lautenmacher im März 1580 Wiener Bürger.
12Kerr. W., war bis 1899 in Newcastle-on-Tyne ansässig.
14Kerschensteiner, Xaver. — Regensburg. Geb. in Parsberg (Ob.-Pf., Bayern) 7. Mai 1839.
16Schüler von Peter Schulz, bei dem er im Alter von 16 Jahren in die Lehre trat, nachdem er vorher durch vier Jahre die Lateinschule und dann das Studien- und Musikseminar St. Emeran in Regensburg besucht hatte. Vier Jahre lernte er bei Schulz und ging dann in die Fremde und arbeitete in München bei Tiefenbrunner und Echinger, in Linz bei Stratzinger, in Wien bei Bittner und in Würzburg bei Mündl. Im Jahre 1865 nach Regensburg zurückgekehrt, trat er als Theilhaber in das Geschäft seines ehemaligen Lehrmeisters ein. Ein begeisterter Jünger seiner Kunst, suchte er sich stets zu vervollkommnen, und so konnte es nicht ausbleiben, dass er bald auf schöne Erfolge blicken konnte. Schönes Holz, treffliche Arbeit und feuriger Lack zeichnen seine Instrumente aus, die schon jetzt hoch bewerthet und auch in England gern gekauft werden. Er verwendet einen ätherischen Oellack, zu dem er das Recept einem alten Lackierbuch von 1744 entnahm. Was einem deutschen Geigenmacher an Aus-

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