Scan 499
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1Patočka, Benjamin. — Jičin (Böhmen). Geb. am 31. Aug. 1864 zu Pasek a./Iser.
2Seit 1879 Schüler von Josef Metelka in Pasek, dann Gehilfe bei Vitáček, später bei Bina in Prag, bereiste Böhmen und Deutschland, übernahm am 18. Oct. 1888 das Geschäft seines Lehrmeisters Metelka und siedelte am 13. März 1894 nach Jičin über. Er macht vorzugsweise neue Instrumente (Geigen, Cellos und Contrabässe) nach Stradivari und Guarneri und verwendet einen selbstbereiteten weichen Spirituslack. Seine Arbeiten fanden vielfache Anerkennung; er besitzt eine goldene, eine silberne, zwei broncene Medaillen und verschiedene Diplome.
4Patzelt, Ferdinand. — Budapest. 1820. † 1859.
5Nach einer Familienüberlieferung soll er aus Bayern nach Ungarn eingewandert sein. Um 1820 war er bereits in Pesth ansässig und wurde als tüchtiger Meister geschätzt. Auf Leiterwagen wurden ihm von weit und breit die der Wiederherstellung bedürftigen Geigen gebracht, und seine neuen Geigen, die als sehr gute Nachahmungen italienischer Vorbilder bekannt sind, erfreuten sich eines grossen Rufs. Treffliche Contrabässe von ihm befinden sich noch jetzt in vielen ungarischen Kirchen. Seine Hauptliebhaberei war das Studium alter Geigen und er hat darüber noch heute erhaltene werthvolle Aufzeichnungen hinterlassen.
7Patzelt, Ferdinand. — Dresden. Geb. 1854 in Wien.
8Schüler seines Vaters Johann Ferd. P. im Grimm'schen Atelier. Nachdem er ausgelernt hatte, wollte er, von besonderer Neigung getrieben, Maler werden und besuchte bereits die Berliner Kunstakademie, als er durch den frühzeitigen Tod seines Vaters veranlasst wurde, zum Geigenmachen zurückzukehren. Er eröffnete 1876 mit seinem Bruder eine eigene Werkstatt in Berlin und siedelte 1883 nach Dresden über. Er ist ein denkender Künstler, der nicht im sklavischen Copiren der italienischen Meister das einzige Heil des Geigenmachens sieht. Er ist der Ueberzeugung, dass das von den alten Meistern wohlerwogene Verhältniss aller Theile der Geige zu einander gestört wurde, als man wegen der jetzt üblichen höheren Stimmung und stärkeren Belastung die Hälse (Mensuren) verlängern und den Bassbalken vergrössern musste. Was bei alten Geigen den heutigen Anforderungen entsprechend mit Erfolg geändert werden kann und muss, darf nach seiner Ansicht bei neuen nicht zur Regel werden. Er befolgt die Grundsätze der grossen Meister insoferne, als er der erhöhten Spannung Rechnung trägt und Geigen herstellt, die vermöge ihrer Gesammtanlage der Hilfsmittel nicht bedürfen, die für die alten Meisterwerke unentbehrlich geworden sind. Er ist auch der erste deutsche Geigenmacher, der auf Veranlassung O. Lessmann's aus dem von Concertmeister Schradieck in Amerika
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