Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 635

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

8 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 613. See the scan on archive.org.

1Ueberzeugung gethan hätte; er bat nur um Aufschub gegen Bürgschaft, da er noch Geigen für das Kloster Rothenbuech in Bayern fertig zu machen hatte; man gestattete ihm aber nur, dass er diese im Gefängniss vollende. Er wurde über Jahr und Tag gefangen gehalten und hat sich dort wohl den Grund zu der Krankheit geholt, der er später erlag. Als man ihm die Freiheit wieder-gab, war er ein gebrochener Mann, sein Vermögen war in Verfall gerathen, und er konnte sich nicht mehr emporarbeiten. Er sass wohl noch fleissig in seiner Werkstatt, da er aber Alles mit der grössten Gewissenhaftigkeit ausführte und keine fremde Hilfe an seinen Werken duldete, arbeitete er nur sehr langsam und die Einnahmen standen dann in keinem Verhältniss dazu. Er hatte eine grosse Familie zu ernähren*) und so erdrückten ihn die Sorgen schliesslich, dass er in Geistesnacht verfiel. Sein Todestag ist unbekannt**), aber sein Andenken ist lebendig geblieben, und 1898 wurde ihm ein würdiges Denkmal gesetzt. Wie Stradivari war er vielseitig in seiner Kunst, und es giebt kaum ein zu seiner Zeit gebräuchliches Streichinstrument, das er nicht gemacht hätte. Er schlug neue Wege ein, wenn er sich auch dem Einfusse der Amati-Schule nicht entziehen konnte. Doch nahm er nur das an, was seinen Absichten entgegenkam. Er veränderte die Umrisse, die Stärkenverhältnisse des Holzes und die Wölbung, bei der auffällt, dass er die Decke höher als den Boden machte. Seine Geigen erhielten dadurch jene eigenthümliche, fast mehr an den Flöten- als an den Geigenton erinnernde Klangfarbe, die noch durch das ganze 18. Jahrhundert das Entzücken aller Musiker war. Das individuelle Gepräge aller Arbeiten Stainer's fällt sofort in die Augen. Auch seine kurzen F-Löcher mit ihren kreisrunden Endigungen sind charakteristisch. Dass er manchmal unter dem Griffbrett noch ein rundes oder öfter ein sternförmiges Schallloch und am Wirbelkasten gerne Löwenköpichen und dergl. angebracht hat, sei nur nebenbei erwähnt, da das auch andere unter seinen Zeitgenossen thaten. Sein Lack ist sehr schön und kommt dem italienischen sehr nahe. Wenn er in Venedig Materialien einkaufte*, so wird der Lack dabei sicher eine Hauptrolle gespielt haben, da er gewiss Holz, wie er es brauchte, in seiner Heimat selbst haben konnte***). In der Farbe ist der Lack gelbroth gewesen, zeigt aber jetzt oft einen an Mahagoni erinnernden Ton. Er hatte drei verschiedene Modelle, ein kleines, ein mittleres und ein grosses. Die technische Vollendung seiner Geigen blieb allen seinen Nachahmern unerreichbar, aber auch er dürfte von einem Grundgedanken ausgegangen sein, den er als Geheimniss mit in's Grab genommen hat. Man nennt u. A. Klotz und Albani seine Schüler; sie waren sehr geschickt, aber an den Meister reichten sie nicht hinan. Bald nach dem Tode Stainer's wurde sein Name so berühmt, seine Geigen so gesucht, dass zahlreiche Fälschungen vorkamen, und selbst Klotz soll in seinen besten Geigen den Namen Stainer's angebracht haben. In Deutschland und England wurde er von den Geigenmachern zum alleinigen Vorbild genommen; auch in Frankreich falschte man seine Arbeit, wie eine zweifellos französische Geige im
3*) Er hatte acht Töchter und einen Sohn, der als Kind starb.
5**) Der im Jahre 1842 von Seb. Ruf errichtete Grabstein fingirte nur ein wahrscheinliches Datum.
7***) Es wird erzählt, dass er sich Tage lang in Wäldern aufgehalten habe, um die Stämme abzuklopfen und auszusuchen, die er zum Geigenbau brauchen konnte. Weniger glaubwürdig ist die Erzählung, dass er in Italien das Holz eines abgebrochenen Altars gekauft und 7 Geigen daraus gemacht habe, die er den 7 Kurfürsten zum Geschenk machte, die dann unter dem Namen Kurfürstengeigen als seine besten Arbeiten gegolten haben sollen.

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