Scan 654
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1was ihm vorgeschwebt hatte. Er ist über seinen Vorarbeiten und Studien ein Fünfziger geworden, seine eigenste Schöpfung, das charakteristische, in jeder Beziehung vollkommene Stradivari-Modell, war jetzt fertig, und von nun an weichen seine Arbeiten in den Hauptsachen nur wenig von einander ab. Als nach 1720 die Sicherheit der Hand etwas nachlässt, will er durch einen neuen Versuch seine Arbeiten auf der alten Höhe erhalten, und er schafft das sogen. grosse Stradivari-Modell. Es ist das die kurze Zeit der Nachblüthe, dann aber macht sich das Greisenalter doch mehr und mehr fühlbar, er macht die Wölbung ohne sichtbaren Grund spitzer, die Geigen klingen weniger klar, selbst der
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5Lack ist nicht mehr so schön wie früher und zeigt jetzt vorzugsweise eine braune Farbe, während er früher Goldgelb oder Blassroth in verschiedenen Abstufungen, aber immer glänzend und feurig, angewendet hat. — Wenn man die Tätigkeit Stradivari's überblickt und auch davon ausgeht, dass Kunstwerke nicht auf wissenschaftlichem Wege hervorzubringen sind, so muss man doch bezweifeln, dass er zu seinen Ergebnissen rein empirisch gekommen sei und sich lediglich von Erfahrungsthatsachen und Schönheitsgefühl leiten liess. Die Geigenmacher in Cremona wurden als Künstler von ihren Zeitgenossen betrachtet, die Söhne vornehmer Familien wendeten sich dieser Kunst zu, und gewisse, auf wissen-
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