Scan 655
Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904
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1schaftlicher Grundlage beruhende, geheimgehaltene Werkstatttraditionen hat es zweifellos gegeben, die einem gebildeten und denkenden Künstler die Richtung für seine Versuche wiesen. Nur dadurch wird es erklärlich, dass es den neueren Geigenmachern, unter denen doch gewiss viele künstlerisch hochbegabte Meister waren oder sind, denen weder Erfahrung und Verständniss noch Schönheitssinn fehlte, noch nie gelang, eine Geige herzustellen, die einer tadellosen Stradivari wirklich gleichkäme. Es sind ihnen Copien gelungen, die bis in die letzte Kleinigkeit von bewunderungswürdiger Treue waren. — aber die eigentliche
3Antonius Stradivarius, Cremona 1691. (Hamma & Co.) Antonius Stradivarius, Cremona 1737. (Hamma & Co.)
5Seele fehlte doch. Bei dem heutigen Stande der Kunst des Geigenmachens ist es aber immer noch das Sicherste, so getreu als möglich zu copiren. Stradivari nahm zur Decke das leichteste, klarjährigste Holz. Die Wölbung bildete der Fuge entlang eine sogenannte Kettenlinie, wie auch die Querprofile der Decke Kettenlinien bilden. Die Deckenstärke beträgt in den Backen 2 1/2 mm, an der Stelle des Stegs (in der Brust) 4 mm. Der Durchmesser des kleinen Schallkreises misst 40 mm; sein Mittelpunkt befindet sich in der Fuge unter dem Steg; 3,5 mm davon entfernt nach oben ist der Mittelpunkt des grossen Schall-
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