Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 686

Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1904

12 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 664. See the scan on archive.org.

1Tiefenbrunner, Martin. — Mittenwald. Geb. 1687. 1720.
2Angeblich Sohn des Joachim T. (dessen Beruf nicht feststeht). Sein Taufpathe war (6. Nov. 1687) Math. Klotz, und er dürfte auch dessen Schüler gewesen sein. Sichere Arbeiten von ihm habe ich nicht kennen gelernt. Eine ihm zugeschriebene Viola war recht gut, doch fehlte ihr die alte Schnecke, und da sie auch neu lackirt war, kann sie zur Beurtheilung nicht gut herangezogen werden. Martin T. darf als der erste Geigenmacher der Familie gelten.
4Tielke, Gottfried. — Königsberg. 1633.
5Eine Geige von ihm führt der Auctionskatalog der Selhof'schen Sammlung auf. Gottfr. T. dürfte ein Bruder oder der Vater Johann's gewesen sein. Für die Verwandtschaft zu Joachim spricht auch der Umstand, dass Joachim's ältester Sohn (geb. 1668) gleichfalls Gottfried getauft wurde.
7Tielke, Joachim. — Hamburg. Geb. 14. Oct. 1641, † 19. Sept. 1719 in Hamburg.
8Einer der berühmtesten deutschen Lauten- und Geigenmacher seiner Zeit, der namentlich in der künstlerischen Ausschmückung das Höchste leistete, was überhaupt je geleistet worden ist. Er war der Sohn von Johann T., mit dem er schon in jungen Jahren nach Hamburg eingewandert war. Er entstammte zweifellos einer alten Lautenmacherfamilie, deren Heimath sich noch nicht feststellen liess. Der Name ist von ausgesprochen norddeutschem Klang, also dürfte der Stammsitz der Familie Tielke viel eher in Königsberg als in München zu suchen sein. Auf seinen Wanderfahrten scheint Joachim T. auch nach Italien gekommen zu sein, wofür sowohl seine Arbeit als auch der Umstand spricht, dass sich in der Sammlung Hammer in Stockholm eine reich eingelegte Laute von glockenförmigem Umriss mit der Inschrift: »Joachim Tielke in Fiorenza fecit«*) befand. Im Jahre 1669, am 9. Juli, erwarb er das Bürgerrecht, wobei er die Gebühr für Solche, die keine Bürgersöhne waren, bezahlte. Im selben Jahre, am 7. September, heirathete er Katharina Fleischer (geb. 10. April 1646, † 7. Dec. 1724), die wohl auch einer Lautenmacherfamilie entstammte. Joachim Tielke kam zu grossem Ansehen und übte seine Kunst als Freimeister aus, da die Lautenmacher in Hamburg keiner Zunft zugetheilt waren. Er wurde von Nah und Fern mit Aufträgen überhäuft, arbeitete für Fürstenhöfe und wurde von den bedeutendsten Künstlern aufgesucht. Baron, der ihn noch selbst gekannt haben könnte, schreibt in seiner »Untersuchung des Instruments der Lauten«: »Unter denen neuen Meistern, welche in Deutschland viel Renommée erworben, ist besonders Herr Joachim Tielke, welcher im Hamburg gelebet, zu remarquiren. Man hat Lauten von ihm gesehen, da das Corpus von lauter Elfenbein und Ebenholtz verfertiget, der Hals aber sehr künstlich mit allerley Gold, Silber und Perlen-Mutter ausgelegt gewesen. In der Holtz-Arbeit ist er auch glücklich gewesen, und klingen seine Instrumente nicht gar besonders stark, doch ganz delicat und angenehm.« Die reiche Einlage mag den Ton manchmal abgeschwächt haben, aber noch heute sind seine Arbeiten in fast allen bedeutenden Museen als kostbare Prunkstücke zu finden. Ein Verzeichniss einer grösseren Anzahl Tielke'scher Instrumente giebt De Wit in seiner Zeitschrift (Jahrg. 1899/1900). Nach dem Zeugniss Conrad's von Uffenbach**) erhielt Tielke für eine Laute »hundert Mark oder fünfzig Gulden schweren Geldes«, ein Preis, der auch 1790 von Lautenisten noch gerne bezahlt wurde. Er hatte sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne, von denen keiner Lautenmacher wurde; wohl aber scheinen sie ihm behilflich gewesen zu sein,
10*) Die im Katalog gegebene Jahreszahl 1547 kann nur auf einem Lesefehler beruhen.
11**) Merkwürdige Reisen durch Niedersachsen. Ulm 1753. S. 80 u. 88.

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