Scan 120
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1Rotterdamer Internationalen Musikfachausstellung erhielt er für ein Quartett usw. eine goldene Medaille und wurde 1909 in Mailand ebenso ausgezeichnet.
2Geigenzettel: Eugène Eberle, / Vioolmaker. / Fecit Rotterdam — Anno 19 (geschrieben).
4(Eberle, Johann Anton. — Mannheim)
5Da er bis 1780 »Hofinstrumentenmacher« war, geriet er in die Geigenliteratur, obwohl er keine Musikinstrumente machte, sondern Messer, und später als Münzwardein in Frankfurt a. M. starb. Er war vielleicht ein Verwandter des 1771 im Mannheimer Hoforchester vorkommenden Hoboisten Franz Eberhard Eberle, stand aber mit dem Prager Meister schwerlich in Beziehung.
7Eberle (Eberll), Johannes Udalricus. — Prag.
8Geb. 2. Juli 1699 in Vils, † 2. Juli 1768
9Sohn des Sebastian Eberle und der Ursula geb. Schonger. Er hat den Geigenbau jedenfalls in seiner Heimat erlernt und kam als Gehilfe nach Prag zu Thomas Edlinger, doch war er kein Verwandter dieses Meisters. Er machte sich dann dort selbständig und erwarb am 20. Februar 1726 das Prager Bürgerrecht. Auf manchem Zettel schreibt er den Namen Eberll; auch Ebberll soll vorkommen. Am 4. Mai 1727 heiratete er Klara Jordin, von der er fünf Söhne und vier Töchter bekam. Er hatte seine Werkstätte in der Altstadt, zuletzt in seinem eigenen Hause, das er 1736 erwarb, in der Konviktská ulice (Konviktgasse) Nr. 296, das noch heute »u Eberlu« genannt wird. In seiner Arbeit verrät er, daß er bei Edlinger eine gute Schule durchgemacht hat. Seine Violinen und Violoncelli sind nach Stainer gebaut, tadellos in der Form, prächtig im Holz und in der Ausführung. Sein Lack ist von sehr schöner roter Farbe und anscheinend auf gelbem Grunde aufgetragen. Die Einlage ist gut und breit, der Ton jedoch nicht ganz so groß, als man eigentlich erwarten könnte. Sehr schön ist auch die äußere Ausstattung seiner Geigen, die Schnitzerei am Hals und am Wirbelkasten. Am häufigsten kommen Violen, besonders Viola d’amore von ihm vor1). Er ist der erste charakteristische Vertreter der Prager Schule. Mehrere schöne Arbeiten von ihm befinden sich im Musikhistorischen Museum von W. Heyer in Köln, darunter eine prächtige fünfsaitige Viola (Quinton) von 1749 und zwei Liebesgeigen von 1743 und 1755. Eine Violine von 1746 besitzt Alb. Berr in Böhmischbruck. Eine ältere, schon aus dem Jahre 1731 stammende Viola d’amore von ihm und eine von 1749 besitzt das Stift Ossegg. Eine große Viola d’amore (sog. engl. Violet) von 1739 mit prachtvoll geschweiften Korpusumrissen, braunrotem Lack und hübschem Engelsköpfchen am Wirbelkasten befindet sich in der Sammlung Fritz Wildhagen in Halensee bei Berlin. Auf dem Chor der Braunauer Stiftskirche befindet sich eine Bratsche von ihm aus dem Jahre 1739. Eine Geige aus seinem letzten Lebensjahre (1768) besitzt das Bened.-Stift St. Mar-
11gareth bei Prag. In der fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Raudnitz sind zwei Violinen von 1739 und 1753 und eine von 1760. Ferner befinden sich eine Viola d’amore im Prager Nationaltheater, eine Viola von 1745 in der St. Katharinenkirche in Welwarn und eine von 1759 im Prager Konservatorium, Geigen von 1749, 1758, 1763, 1767 und 1768 in der Strahower Kirche, je eine in der Prager Kreuzherrenkirche, in der Kirche zu Nepomuk, in der Thomaskirche in Prag und in der Kirche zu Nevekllov, ein Violoncello bei St. Nikolaus in Prag, ein Kontrabass von 1753 auf dem Komotauer Kirchenchor.
12Geigenzettel: Joann. Udalricus Eberll / fecit Pragae 1748 (gedruckt). — Joannes Udalricus Eberle / Lauten- und Geigenmacher in Prag / Ao 1752 (gedruckt.) — Abb. 184 und 191.
14Eberle, Karl. — Innsbruck. 1829
15Vielleicht ein Sohn von Magnus Benedict E.1). — Ich kenne nur Reparaturen von ihm, und auch Dr. Fr. Waldner konnte nichts über ihn und seine (wahrscheinlich nur vorübergehende) Tätigkeit in Innsbruck ermitteln.
17Eberle, Magnus Benedict. — Wiener-Neustadt, Raab. 1803. 1835
18Er dürfte aus Vils stammen und läßt sich in Wiener-Neustadt von 1803 an nachweisen. Er war mit Anna Valentin verheiratet und wurde 1813 Viertelmeister, weshalb er seine Geigenmacherei wieder aufgab. Einer Geige nach zu urteilen, die aus Raab 1820 datiert ist, hielt er sich vorübergehend in Ungarn auf. Wenn er sein Geschäft auch aufgegeben hatte, so machte er doch nachträglich noch Geigen. Er hatte als Geigenmacher einen guten Ruf, und bis vor kurzer Zeit befanden sich noch eine Violine und ein Violoncello von ihm auf dem Chor der Neuklosterkirche in Wiener-Neustadt. Seine Arbeit erinnert an die Wiener Schule, ist jedoch weniger sorgfältig; auch der schwarze Lack sieht nicht schön aus. Am wenigsten gelangen ihm Violoncelli.
19Geigenzettel: Magnus Eberle fecit / Raabae 1820 (gedruckt) und Abb. 1982).
21Eberle (nicht Eberti), Tomaso. — Neapel. 1760. 1792
22Der Name läßt auf deutsche Abstammung schließen. Daß er aber »sans doute« ein Verwandter Joh. Ulr. Eberles gewesen sei, wie Grillet behauptet, ist um so mehr zu bezweifeln, als er seinen Namen auch »Thomas Heberl« schreibt und daher ebensogut mit der vogtländischen Familie Heberlein in Verbindung gebracht werden könnte. Um seine geschriebenen Zettel klebt er die gleiche Einfassung, die viele Mittenwalder haben. Eher glaube ich, daß er zu Heinrich Ebert oder Eberl in Venedig in Beziehung steht. Seine Geigen sind denen der Gagliano so ähnlich, daß man ihn wohl mit gutem Grund für einen Gaglianoschüler halten darf. Eberle macht aber die F-Löcher, die sich bei ihm
241) Einer der bedeutendsten Virtuosen auf der Viola d’amore, der Komponist Johann Joseph Eberle (geb. um 1735, † in Prag 1772), war kein Verwandter unseres Geigenbauers.
252) Daß dieser einen am 6. Dezember 1807 geborenen Sohn Karl Boromäus hatte, steht urkundlich fest.
263) Aus dem musikhistorischen Museum des Herrn Fr. Nicolas Manskopf in Frankfurt a. M.
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