Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 129

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

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1Kunst nicht recht erlernt« — weil er »einen Tonier Scharden«, einen Schulknecht, und Caspar Schuhmacher, einen Soldaten, in die Lehre genommen, »obwohl ein blinder dem andern den wegh nicht zeigen kann«. — Im Marientaufbuch findet man ihn 1646 und 1649 als Vater je eines Sohnes 1), im Wochenbuche der Marienkirche kommt er noch 1660 vor. Franz Tunder, Organist und Werkmeister, ließ, »weil in der ganzen Stadt keine Tenorviol zu bekommen, die etwas taugt«, für die Marienkirche zwei Tenorviolen, die 15 Mark kosteten, bei ihm anfertigen. Sonst ist nichts weiter über ihn bekannt geworden.
3Ernst, Franz Anton. — Gotha. Geb. zu Georgenthal an der sächs. Grenze in Böhmen 3. Dez. 1745, † 13. Jan. 1805 zu Gotha
4In Prag beendete er das Studium der Rechtswissenschaft, betrieb aber dabei eifrig Musik, besonders das Geigenspiel. Er wurde erst Syndikus in Georgenthal, trat dann in die Dienste des Grafen Salm und bildete sich nunmehr vollkommen zum Musiker aus. Als solcher kam er 1773 nach Prag zurück und erzielte große Erfolge. 1778 wurde er als Konzertmeister nach Gotha berufen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens trat er nicht mehr öffentlich auf, sondern beschäftigte sich ausschließlich mit dem Geigenbau, dem er sich, vielleicht durch Eberle angeregt, schon früher aus künstlerischem Interesse zugewendet hatte; ja er nahm jetzt noch besonderen Unterricht in der Mathematik, um noch Vollendeteres im Geigenbau leisten zu können. Er stellte dann eine auf mathematisch-physikalischer Grundlage beruhende Ausmessung der Violine auf und berechnete die Dickenverhältnisse des Holzes. Seine Geigen, die nach Stradivari gemacht sind, zeigen flache Wölbung und werden sehr gelobt; selbst Spohr benutzte sie gerne in seinen Konzerten. — Er komponierte sehr viel, doch ist nur wenig gedruckt erschienen. Sein bester Schüler im Geigenbau war J. A. Otto. Er veröffentlichte in der Leipziger »Allgemeinen Musikalischen Zeitung«, Band 8, 1804, S. 50, einen Aufsatz »Noch etwas über den Bau der Geige«, in welchem er erzählt, daß er »seit etlichen und zwanzig Jahren« zahlreiche Versuche mit Geigen gemacht habe, daß das Modell nicht verbessert werden könne, und daß er nun Geigen »nach den schönsten Formen des Stradivarii« zu vervollkommnen imstande sei, »so stark vom Tone, als ihn das Ohr des Spielers nur vertragen kann«, und zwar nach der von ihm »eigens erfundenen Ausmessung und Ausarbeitung, wodurch aller Zwang inwendig beseitigt ist«. Leider hat er seine Methode nicht beschrieben, so daß sie als verloren betrachtet werden muß. Vgl. u. a. Journal für Fabrik, 1800, Juni, S. 522. Eine Geige von ihm besitzt Zigarrenmacher Witzel in Gotha.
6Ernst, J. Carl. — Elberfeld. 1815
7Nur als Reparateur bekannt.
91) Sein gleichnamiger Sohn, ein Schüler Dietr. Buxtehudes, wirkte 1675—1679 als Regalist auf dem Chor der Marienkirche und wurde zu Michaelis 1679 als Organist nach Güstrow berufen. Er war als Klavier- und Orgelkomponist nicht ohne Bedeutung. Vgl. J. G. Walthers Lexikon, S. 229, K. Straube, Choralvorspiele alter Meister.
11Erritzoe, Jakob. — Hannover. 1880
12Als Wiederhersteller alter Geigen besaß er eine gewisse Geschicklichkeit; neue Geigen von ihm kenne ich nicht.
14Erthel, Leopold. — Venedig. 1710
15Diesen Namen mit Wohnort und Jahreszahl trug eine bei Puttick & Simpson in London vor einigen Jahren versteigerte Violine. Ein Fälscher würde vielleicht einen bekannteren Namen gewählt haben, man kann daher immerhin glauben, daß ein Deutscher im Anfang des 18. Jahrhunderts sein Glück als Geigenmacher in Venedig gesucht hat. Leider waren Nachforschungen an Ort und Stelle während des Krieges unmöglich.
17Ertl (Erdtl), Jakob. — Preßburg. Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts
18Er stammte aus Keiling in Mähren und erwarb am 2. April 1813 das Bürgerrecht in Preßburg. Er war der Vater von Karl und wahrscheinlich auch von Johann Anton Ertl. Eine Violine von ihm besitzt der Preßburger Domchor.
20Ertl, Johann Anton. — Wien. 1809. 1828
21Er soll zwar schon seit 1785 nachweisbar sein, doch legte er als Geigenmacher erst am 16. November 1810 den Bürgereid ab und wohnte Stadt Nr. 902. Schon 1811 erscheint er als Untervorsteher der Geigen- und Lautenmacherinnung in Wien. Seine Arbeit ist gut.
22Geigenzettel: Mit allerhöchstem Privilegium / Johann Ertl in Wien (gedruckt). [Österr. Adler] Johann Ertl / in Wien / 1809 (gedruckt).
24Ertl, Karl. — Preßburg. 1835. † um 1870
25Als Sohn von Jakob E. in Preßburg geboren, erwarb er am 15. Dezember 1835 das Bürgerrecht in seiner Vaterstadt. Er steht in seiner Arbeit Leeb und Schweitzer nahe und hat, wie der letztere, allerlei chemische Versuche angestellt, um den »Cremoneser Lack zu ergründen«, und dabei wenigstens so viel herausgebracht, daß sein Lack für seine Zeit sehr gut genannt werden kann. Seine Arbeit war sehr sauber, und besonders geschickt verstand er eingelegte Instrumente herzustellen. In Schillings Lexikon (1830) wird er den besten Geigenmachern zugezählt. Eine Geige, drei Violen, ein Violoncello und drei Bässe von ihm besitzt der Preßburger Domchor. Georg v. Scharitzer in Preßburg besitzt einen mit farbigen Hölzern eingelegten Kontrabaß von ihm.
26Geigenzettel: Abb. 199.
28Erwine, Robert. — Belfast. Geb. 1860 unweit von Belfast
29Er ist gelernter Zimmermann, hat sich aber bereits seit seinem zwölften Jahre mit dem Geigenmachen beschäftigt. Er erlangte eine besondere Geschicklichkeit im Reparieren und hat bis 1904 sieben neue Geigen gemacht, für die er 1895 in Belfast eine Bronzemedaille erhielt. Er baut nach Stradivari und Guarneri und verwendet Whitelaws Öllack von goldbrauner Farbe.
30Geigenzettel: Made by / Robert Erwine / in Belfast / 1893 No . . [Kreis mit Initialen] (gedruckt).

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