Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 147

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

25 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 143. See the scan on archive.org.

1vermengt oder umgestellt wurde. Da auch die Geigen häufig gut nachgeahmt sind, ist es oft schwer, die echten von den unechten zu unterscheiden. Die besten Kenner haben sich jetzt dahin geeinigt, einen Vater und einen Sohn des Familiennamens Floreno Guidante anzunehmen, andere halten dagegen das Wort Guidante für den Familiennamen, wozu die Zettel in der Tat auch verführen. Die Entscheidung könnte, abgesehen von der archivalischen Forschung, nur getroffen werden, wenn man möglichst viele zweifellos echte Arbeiten gleichzeitig miteinander zu vergleichen in der Lage wäre. Die Geigen, die dem Vater zuzuschreiben wären, verraten die Schule Amatis, die Arbeit ist manchmal ungenau, die Hohlkehle des Bodens ist tiefer als die der Decke, die F-Löcher sind nicht schwungvoll, die Schnecke plump, der bernsteinfarbige Lack und der Ton aber immer gut. Wenn man nicht annehmen will, daß er ein Alter von etwa 90 Jahren erreicht hat und Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1750 usw. für echt hält, so muß er außer seinem Sohne Guidante noch einen gleichnamigen Nachkommen gehabt haben; von diesem würde die Geige im musikhistorischen Museum von W. Heyer in Köln herstammen. Auch nach rückwärts findet man unmögliche Jahreszahlen angegeben, so wurde 1898 in Köln eine Baßlaute mit dem Zettel: »Joannes Florenus 1590 in Cremona« versteigert. Arbeiten von ihm finden sich in verschiedenen Sammlungen. Eine Laute in der Sammlung C. Claudius in Kopenhagen vermehrt durch ihre Inschrift noch die Rätsel, denn sie lautet »Joannes Florenus Guarneri fecit in Cremona 1590«. Eine sehr gute Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1757 (!) besitzt Dr. med. A. Kubicki jun. in Olmütz.
2Geigenzettel: Abb. 231.
4Floreno, Guidante. — Bologna. 1710. 1740
5Wenn das Wort Guidante ein Vorname sein kann und nicht etwa mit »unter der Leitung« übersetzt werden muß1), dann sind die Geigen, auf deren Zetteln der Taufname Joannes fehlt, als Arbeiten des Sohnes von Giovanni Fl. anzusehen. Dieser jüngere Floreno müßte ein fleißiger Meister gewesen sein, da ihm Geigen aller Art und Lauten zugeschrieben werden. Nach diesen hatte er sein eigenes, oft großes Modell, das an deutsche Vorbilder erinnert, aber flache Wölbung, scharf hervorstehende Ecken, schräge stehende ), wodurch die untere Hälfte des Geigenkörpers ungewöhnlich breit wird, und oft sehr breite, am Boden, der meist aus einem Stück ist, schmälere Einlage. Trefflicher, dick aufgetragener Lack von großer Feinheit und leuchtender Farbe (meist rotbraun auf gelbem Grund). Eine Baßgeige (oder Violoncello) von 1711 befand sich in der Selhofschen Sammlung. Ein Viola d’ amore von 1730 befindet sich in der Sammlung Savoye in Paris.
6Geigenzettel: Guidante Florenus / fecit Bononiae 17.. (gedruckt, Pergament). — Florinus Guidantus Fecit / Bononiae Anno 1710 (gedruckt).
8Florentin, N. — ? Anfang des 19. Jahrh.
9Eine gute Violine von flachem Modell und Orangelack trug diesen Namen ohne Ort und Datum. C. C. Snoeck
101) Vgl. guidare un negozio = ein Geschäft leiten.
12besaß eine Violine nach Chanots Modell mit der Brandmarke M. Florentin. Eine gleiche befindet sich bei C. Claudius in Kopenhagen, eine dritte besitzt Leon Pagnier in Haag. Diese ist von großem Patron mit besonders breitem Unterteil. Sie trägt eine Brandmarke, die der des D. Nicolas ainé in Mirecourt nachgeahmt erscheint, wie er auch den gleichen Werkstattnamen »à la ville de Cremone« geführt hat. Der Lack ist sehr dünn aufgetragen, so daß die Geige nur gebeizt erscheint. Sie klingt trotzdem recht gut und spricht sehr leicht an.
13Brandmarke: A la ville de Cremone N Florentin (dreieckig angeordnet, in der Mitte in einem Kreis N F).
15Floriani (Fioriani), Pietro. — Riva. Geb. in Albola bei Riva am Gardasee, getauft am 3. Juni 1787, † 17. Januar 1870
16Sohn des Müllers Francesco Ant. F. Ein vielseitiger, erfindungsreicher Mann, der ursprünglich das Tischlerhandwerk erlernt hatte und schließlich Mechaniker geworden war. Im Jahre 1829 konstruierte er das erste mechanisch bewegte Schiff auf dem Gardasee, dann für die Hauptkirche von Riva eine großartige Beleuchtungsmaschinerie als Aufbau über dem Hochaltar. Da er als Kind sehr schwach auf den Füßen war und auf allen Vieren kroch, bekam er den Spitznamen »Pero Gatt«, der ihm zeitlebens blieb. Seine Liebe zur Musik brachte ihn dazu, sich auch als Geigenmacher zu versuchen und der Erfolg, den er damit erzielte, veranlaßte ihn jedenfalls, verschiedene Instrumente zu bauen. Man sieht diesen freilich an, daß er kein gelernter Geigenmacher war; er war sorglos in der Arbeit und hatte auch keinen guten Lack, denn sein Hauptstreben war es, einen guten Ton zu erzielen, was ihm in einigen Fällen auch gut gelang. Rittmeister Picht in Ulm, dem ich die näheren Angaben über Floriani verdanke, besitzt eine Violine und eine Viola von ihm, in anderem Besitz befinden sich noch zwei Violoncelli, drei Geigen und eine Viola. — Einen Aufsatz über Fl. brachte die Trentiner »Libertà« 1921 Nr. 186.
17Geigenzettel: Pietro Floriani fecce, a / Riva di Trento 1858 (gedruckt).
19Floßmann, Georg. — Tölz. Geb. am 4. Dez. 1843 in Oberneuching bei Erding
20Schüler von Georg Tiefenbrunner in München von 1858—1865, arbeitete dann bei J. Hornsteiner in Passau und bei Georg Heidegger in Passau, dann wieder bei Tiefenbrunner und eröffnete am 17. Mai 1875 sein eigenes Geschäft in Tölz. Außer Streichinstrumenten, die er nach Amati, Stradivari und Guarneri baut und mit Spiritus- und Öllack versieht, baut er auch Mandolinen, Gitarren und hauptsächlich Zithern, an welch letzteren er mehrere Verbesserungen angebracht hat. Er besitzt Preise und Medaillen der Nürnberger Ausstellung von 1882 und der Kölner von 1889 usw.
21Geigenzettel: Abb. 224.
23Fluvain, Edouard. — ?
24Guter französischer Geigenmacher der Gegenwart.

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