Scan 181
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
36 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 177. See the scan on archive.org.
1Gramino (?). — Mailand. 1722. 1724
2Unten ist ein 1722 vorkommender Gramino Grancino nach einem geschriebenen Zettel erwähnt. Dr. Borne- man in Eisenach sah eine Geige mit dem schön gedruckten Zettel aus dem gleichen Jahre: »Gravi Gramino in Contrada / larga di Milano 1722«. Erscheint mir auch der Vorname ebenso seltsam wie der Zuname fragwürdig, so muß ich doch die Möglichkeit zugeben, daß ein Geigenmacher Gramino gelebt haben könnte, um so mehr, als H. Nicolai vom Wiesbadener Kur- orchester eine Violine besitzt, die den gedruckten Zettel: »Giovanni Gramino / Milano 1724« trägt. Hier ist der Taufname nicht mehr sonderbar. Ich vermute aber doch nach wie vor, daß der oder die Verfertiger Grancino gemeint haben, als sie Gramino schrieben oder drucken ließen.
4Gràmulolo (Gràmola). — 17. Jahrhundert
5Dieser Name wird von wenig glaubwürdiger Seite als der des Lieblingsgeigenmachers Tartinis überliefert. Es liegt wahrscheinlich eine Namensentstellung vor, bei der es freilich schwer ist, zu erraten, wer eigentlich gemeint ist. Aus derselben Quelle scheint auch E. T. A. Hoffmann geschöpft zu haben, der in der Erzählung »Der Schüler Tartinis« (Serapionsbrüder III) diesen Schüler sagen läßt: »Es ist ein wahrhafter Granuelo, und gegen den alten Meister ist sein Schüler, Euer Stradivari, nur ein Lump. Tartini mochte auf keinen andern Geigen spielen, als auf Granuelos«. — Der Name wird in der Form Hoffmanns auch nicht greifbarer, trotzdem er hier bis zum Lehrer Stradivaris emporgerückt ist.
7Grancino, Andrea. — Mailand. 1646
8Wahrscheinlich der Vater Paolos; Grillet veröffentlicht zuerst seinen Zettel, der in einer recht gewöhnlichen Geige gefunden wurde.
9Geigenzettel: Abb. 281.
11Grancino, Francesco. — Mailand. 1690. † 1746
12Jüngerer Sohn von Giovanni Gr. Er erreichte zwar ebensowenig wie sein Bruder Giov. Batt. (II), mit dem er zusammen arbeitete, die volle künstlerische Höhe, hat aber doch recht gute Instrumente gemacht. Meist ist das Holz sehr gewöhnlich, das Modell nach Amati und der Lack, wenn auch manchmal noch von klarer, gelblicher Farbe, nicht besonders, der Ton dagegen fast durchgängig edel und weich.
13Geigenzettel: Francesco Grancino Figlio / Giovanni fecit Mediolani 17 . . (gedruckt).
15Grancino, Giovanni I. — (Mailand?). 1645. 1682
16Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie Gr. Wahrscheinlich ein Bruder Andreas, der, einem Zettel nach zu urteilen, in Cremona gelernt hat, seiner Arbeit nach aber eher an die alttiroler Schule als an Amati erinnert. Sein Ladenschild lautete: »al segno delle due corone«, während die übrigen Grancini nur »della corona« haben. Eine Geige von ihm besitzt Holm Viertel in Aachen.
17Geigenzettel: Giovan Grancino / Di Cremona 1682 (gedruckt).
19Grancino, Giovanni II. — Mailand. Geb. um 1675, † nach 1737
20Zweiter Sohn und Schüler des Paolo G. Als Geigenmacher ist er einer der besten unter den Mailändern und seinem Bruder durchaus ähnlich und ebenbürtig, ja er nimmt gewöhnlich noch schöneres Holz. Die Wölbung ist weniger hoch, aber breiter als bei Paolo, der Lack von gelber oder braungelber Farbe. Er scheint eine Vorliebe für kleinere Modelle gehabt zu haben. Anfangs arbeitete er mit seinem Bruder gemeinschaftlich. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1737 befindet sich in der Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz. Ein ihm zugeschriebenes Violoncello aus dem Jahre 1702 (Korpuslänge 74,5) besitzt Alfr. Keil in Lissabon und eine Viola d’amore von 1696 die Sammlung Galpin (Hatfield). Eine gute und schön durchgeführte Violine mit besonders schöner Schnecke besitzt Bildhauer Heinrich Wirsing in Solln bei München.
21Geigenzettel: Gio. Grancino al Segno della Corona / in contrada larga di Milano fece 1699 (gedruckt). — Fratelli Grancini in Contrada / larga di Milano al Segno della / Corona 16 . . (gedruckt) und Abb. 299.
23Grancino, Giovanni Battista I. — Mailand, Ferrara. 1690. 1710
24Nach seiner eigenen Angabe Sohn des Paolo, den er in der Holzwahl übertrifft. Das Modell ist flacher, der Lack tiefgelb oder orangerot, der Ton groß und kräftig. Anfangs scheint er sich in Ferrara niedergelassen zu haben, kehrte aber später doch nach Mailand zurück. Für seine besten Arbeiten werden jetzt gute Preise erzielt.
25Geigenzettel: Giov. Bapt. Grancino, Filius / Paoli, fecit in Ferrara 16 . . (gedruckt) und Abb. 288.
27Grancino, Gio. Battista II. — Mailand. 1697. 1705
28Älterer Sohn von Giovanni I. Er arbeitete meist mit seinem Bruder Francesco Gr. zusammen. Beide setzten das väterliche Geschäft fort. Am besten gelangen ihnen Violoncelli und Bässe. Ihre Arbeit ist wenig sorgfältig und ihr Lack jetzt ziemlich nachgedunkelt.
29Geigenzettel: Gio. Battista & Francesco fra. Grancini/ In contrada larga di Milano 17 (gedruckt) und Abb. 286.
31Grancino, Giovanni Batt. III. — Mantua. 1727. (?)
32Vielleicht ein Sohn von Gio. B. II Gr., wenn er überhaupt gelebt hat. Eine Geige mit seinem Namen zeigte ein langgestrecktes Modell, war hochgewölbt und kastanienbraun lackiert. Die Einlagen waren breit und liederlich in der Ausführung, auch die F-Löcher unschön und wenig italienisch. Dagegen war die massige, flach gestochene Schnecke recht hübsch und originell (die rechte Seite war flacher gehalten als die linke).
34Grancino, Gramino. — Mailand. 1722
35Pfarrer M. Müller in Oberlahnstein besitzt eine zweifellos italienische Violine mit einem geschriebenen Zettel, wobei er den Taufnamen Gramino liest. Der
Makers on this page
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.