Scan 227
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1eintrat, ein Jugendfreund seines Vaters. Er verliebte sich dort in Anna Maria, die Tochter seines Meisters, und heiratete sie im Mai 1659, nachdem er beim Rate der Stadt den Nachweis erbracht hatte, daß er ein Vermögen von 150 fl. besaß, seine Braut 100 fl. hatte und er zum Bürger und Lautenmacher angenommen war. Er hatte seine Werkstatt in der Sendlinger Gasse unweit des Tores und kommt von 1659 bis 1680 in den Steuerbüchern vor. Daß er auch vom bayrischen Hof beschäftigt wurde, wie die Münchener Hofrechnungen (Kreisarchiv H. R. 468/577) ausweisen, spricht für das Ansehen, das er sich erworben hatte. Seine Frau dürfte die Werkstatt fortgeführt haben, da sie im Jahre 1681 als »Lautenmacherin« besteuert vorkommt. Er hinterließ acht Kinder, doch scheint sich keines davon der Lautenmacherei zugewendet zu haben.
3Hollmayr, Marcellus. — Wien. Geb. um 1594 in Füssen, † 12. Okt. 1681 in Wien.
4Sohn von Matthias H. Er hatte in Füssen ausgelernt und kam als Geselle zu Georg Epp, der gleich ihm aus Füssen stammte, nach Wien. Als sein Meister, der selbst noch jung war, vorzeitig starb, nahm ihn die Witwe Rosina als Werkführer an, und sie muß sehr zufrieden mit ihm gewesen sein, denn sie heiratete ihn am 8. Juni 1633. Sie paßten sehr gut zueinander, Marcellus H. war damals etwa 39 Jahre und Rosina 28 Jahre alt, er war ein tüchtiger Meister und sie hatte ein ganz ansehnliches Vermögen und ein gutes Geschäft, das nun das seine wurde. Trotzdem erwarb er erst im Mai 1638 das Wiener Bürgerrecht und im Februar 1647 konnte er sich im »Naglergässel« bereits ein Haus kaufen, freilich zumeist mit dem Gelde seiner Frau, mit der er in glücklichster und von 5 Kindern gesegneter Ehe lebte. Seine Geschicklichkeit und sein Fleiß fanden Anerkennung, sein Wohlstand wuchs und er war im Laufe der Zeit ein sehr angesehener Bürger geworden und als seine Frau am 26. April 1670 starb, konnte er sie in eigener Gruft in der St. Michaeliskirche beisetzen lassen. Er betrauerte sie aufrichtig, aber er fühlte sich einsam, seine erwachsenen Kinder waren längst verheiratet oder in der Fremde, sein Hauswesen kam in Unordnung und so ließ er sich bestimmen am 27. Februar 1672 die Sabina Groner zu heiraten. Er erkannte bald, daß er einen schweren Mißgriff getan hatte, die zweite Frau machte ihm das Leben zur Qual. Er sehnte den Tod herbei und errichtete schon 1677 sein Testament, in dem er seiner ersten Frau ebenso in Dankbarkeit und Treue gedenkt, wie er uns einen Einblick in sein unglückliches Leben mit der zweiten Frau tun läßt1). Sie war jedenfalls auch schuld, daß das Geschäft nicht mehr so gut ging, wie zu Lebzeiten der Rosina, denn wenn man von dem Meister, der sein achtzigstes Lebensjahr überschritten hatte, nicht mehr die gleiche Arbeitsleistung wie früher voraussetzen durfte, so hätte die Meisterin, wenn sie verständig gewesen wäre, mühelos tüchtige Gehilfen finden können. Eine hübsche Taschengeige von ihm von 1682 befindet sich in München in Privatbesitz.
5Geigenzettel: Marcellus Hollmayr / In Wienn Anno 1682 (geschrieben).
71) Näheres in E. K. Blümml’s mehrf. angef. Aufsatz.
9Hollmayr, Tobias. — Wien. Geb. nach 1595 in Füssen, † nach 1679
10Bruder von Marcellus H. Auch er hatte in Füssen ausgelernt und hoffte wie sein Bruder in Wien sein Glück machen zu können. Er wird anfangs als Geselle gearbeitet haben, bis er am 14. April 1652 die Anna Gabler heiratete und im Mai 1653 Bürger wurde. Er machte sich dann selbständig und hatte seine Werkstatt auf dem Kohlmarkt. Er kam aber nicht recht vorwärts und scheint auch als Meister noch hauptsächlich für seinen Bruder gearbeitet zu haben. Zuletzt zog er sogar in die Nähe seines Bruders »hinter St. Pankraz«. Es ist anzunehmen, daß die meisten seiner Lauten usw. ohne Zettel blieben oder durch Marcellus H. verkauft wurden und dann als dessen Arbeiten in die Welt gingen. Er hatte 8 Kinder, von denen jedoch keines bei der Lautenmacherei blieb.
12Holloway, John. — London. 1794
13Er wohnte 31 Gerard Street, Soho, und gehörte zu den unbedeutenderen englischen Meistern seiner Zeit.
15Holm, P. N. — Kopenhagen. 1824
16Er wohnte in Kristianshavn, jenem Stadtteil Kopenhagens, der zu König Christians IV. Tagen selbständig war und seit Friedrich III. mit der Hauptstadt vereinigt ist.
17Geigenzettel: Repareret af Violinmager P. N. Holm / Dronningensgade No. 18 Christianshavn 1824 (gedruckt).
19Holm & Co. haben ein Geschäft in Chicago
21Holmer (Helmer?), Leopold. — Nürnberg. 1717
22Sein Zettel fand sich in einer Viola.
23Geigenzettel: Leopold Holmer bürgerl. Lau- / ten und Geigenmacher in Nürn- / berg Anno 1717 (gedruckt).
25Holste, Heinrich. — Steinkirchen (im Altenlande). Geb. 17. Jan. 1865 in Steinkirchen. 1917
26Frühzeitig im Violinspiel ausgebildet, trat er mit 15 Jahren als Geiger in die Stader Stadtkapelle ein. Mit 18 Jahren erlernte er das Drechslerhandwerk und das Holzschnitzen. Als er auf den Gedanken kam, sich selbst eine Geige zu bauen, halfen ihm seine Vorkenntnisse so, daß er sich aus Büchern alle Belehrung holen konnte. Seine erste Geige baute er im Jahre 1895 und hat seitdem mit wachsendem Erfolg über 400 Geigen, 10 Violen, 20 Violoncelli und 9 Kontrabässe gebaut. Der ausgezeichnete Geiger Prof. Goby Eberhardt zollte seiner Arbeit das höchste Lob und hat wesentlich dazu beigetragen, daß weite Kreise auf ihn aufmerksam wurden. Durch unablässiges Streben vervollkommnete er sich immer mehr und so sind seine Geigen von tadelloser Durchführung und klingen bei sehr leichter Ansprache voll und edel. Sein am 15. August 1892 ge-
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