Scan 375
Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922
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1und ist vermutlich identisch mit dem J. Paterson in Glasgow, der um 1895 eine Violine mit Kinn- und Bruststütze erfand, die vibrierende Teile des Instruments nicht berührt.
2Geigenzettel: James Paterson / [Initialen im Kreis] Edinburgh 1893 (gedruckt).
4Pathan, Vincenz. — Wien. Geb. 1860 in Unter-Graupen b. Deutschbrod i. B., † 1894 in Wien
5Seine erste Lehrzeit machte er von 1874—1878 bei dem Instrumentenhändler Stark in Wien durch und hat dann als Gehilfe bei Bern. II Enzenberger, bei Placht und Stowasser in Budapest und bei Placht und Thom. Zach in Wien gearbeitet. Er war ein sehr talentvoller Geigenmacher und erhielt schon als Gehilfe auf der Budapester Milleniums-Ausstellung eine Medaille. Er arbeitete gerne nach Maggini doppelt eingelegte, mit Sternen und Ornamenten verzierte Geigen, aber auch nach Nik. Amati, Guarneri del Gesù und Stradivari. Seine letzte Violine (nach Guarneri) mit bordeauxrotem Öllack (im Besitz von Dr. Glowacki v. Prus in Wien) aus dem Jahre 1893 trägt die Nummer 115. Für billigere Geigen verwandte er einen schlechten bräunlichen Spirituslack, der häufig die im übrigen tadellose Arbeit in ihrem Äußeren beeinträchtigte. Er war als Geigenmacher ein Künstler, als Mensch aber ein sonderbarer Kauz, den seine Vorliebe für Katzenfleisch öfter vor Gericht brachte. Auch soll er den Spiritus, den er zur Arbeit brauchte, häufig, selbst in denaturiertem Zustande, getrunken haben.
6Geigenzettel: Abb. 625.
8Patočka, Benjamin. — Jičín (Böhmen). Geb. am 31. Aug. 1864 zu Pasek a. Iser
9Seit 1879 Schüler von Josef Metelka in Pasek, dann Gehilfe bei Vitáček, später bei Bina in Prag, bereiste Böhmen und Deutschland, übernahm am 18. Oktober 1888 das Geschäft seines Lehrmeisters Metelka und siedelte am 13. März 1894 nach Jičín über. Er macht vorzugsweise neue Instrumente (Geigen, Cellos und Kontrabässe) nach Stradivari und Guarneri und verwendet einen selbstbereiteten weichen Spirituslack. Seine Arbeiten fanden vielfache Anerkennung; er besitzt eine goldene, eine silberne, zwei bronzen Medaillen und verschiedene Diplome.
10Geigenzettel: Abb. 614 und 619.
12Patzelt, Ferdinand. — Budapest. 1820. † 1859
13Nach einer Familienüberlieferung soll er aus Bayern nach Ungarn eingewandert sein. Um 1820 war er bereits in Pest ansässig und wurde als tüchtiger Meister geschätzt. Auf Leiterwagen wurden ihm von weit und breit die der Wiederherstellung bedürftigen Geigen gebracht, und seine neuen Geigen, die als sehr gute Nachahmungen italienischer Vorbilder bekannt sind, erfreuten sich eines großen Rufs. Treffliche Kontrabässe von ihm befinden sich noch in vielen ungarischen Kirchen. Seine Hauptliebhaberei war das Studium alter Geigen, und er hat darüber noch heute wertvolle Aufzeichnungen hinterlassen.
14Geigenzettel: Patzelt Ferdinánd / Húros hangszer Készítő / Pesten / lakik Leopoldváros 2 Sas utcában 257 sz. (gedruckt).
16Patzelt, Ferdinand. — Dresden. Geb. 1854 in Wien
17Schüler seines Vaters Johann Ferd. P. im Grimmschen Atelier. Nachdem er ausgelernt hatte, wollte er, von besonderer Neigung getrieben, Maler werden und besuchte bereits die Berliner Kunstakademie, als er durch den frühzeitigen Tod seines Vaters veranlaßt wurde, zum Geigenmachen zurückzukehren. Er eröffnete 1876 mit seinem Bruder eine eigene Werkstatt in Berlin und siedelte 1883 nach Dresden über. Er ist ein denkender Künstler, der nicht im sklavischen Kopieren der italienischen Meister das einzige Heil des Geigenbaus sieht. Er ist der Überzeugung, daß das von den alten Meistern wohlerwogene Verhältnis aller Teile der Geige zueinander gestört wurde, als man wegen der jetzt üblichen höheren Stimmung und stärkeren Belastung die Hälse (Mensuren) verlängern und den Baßbalken vergrößern mußte. Was bei alten Geigen den heutigen Anforderungen entsprechend mit Erfolg geändert werden kann und muß, darf nach seiner Ansicht bei neuen nicht zur Regel werden. Er befolgt die Grundsätze der großen Meister insofern, als er der erhöhten Spannung Rechnung trägt und Geigen herstellt, die vermöge ihrer Gesamtanlage der Hilfsmittel nicht bedürfen, die für die alten Meisterwerke unentbehrlich geworden sind. Er ist auch der erste deutsche Geigenmacher, der auf Veranlassung O. Leßmanns aus dem von Konzertmeister Schradieck in Amerika entdeckten Holze der Balsamfichte Geigen gemacht hat. Er berücksichtigte dabei die leichtere und zartere Struktur dieser harzarmen Fichtenholzart, und der Erfolg war in jeder Beziehung zufriedenstellend. Ein Quartett mit Balsamfichtendecken von ihm erhielt in Bologna den ersten Preis. Er glaubt, daß die alten Meister dieses Holz auch verwendet haben dürften, wenn sie es gerade zur Hand hatten, und findet, daß man mit der jetzt zutage tretenden Mißachtung der Balsamfichte ebenso über das Ziel schießt wie vorher, als man sich den übertriebensten Hoffnungen hingab. Patzelt ist ein würdiger Sohn seines trefflichen Vaters; er sucht sich in seiner Kunst immer mehr zu vervollkommnen und hat die Freude, sein unermüdliches Streben von wachsendem Erfolg gekrönt zu sehen. Dazu ist er ein feiner Kenner und tüchtiger Geiger. Seine Arbeiten finden uneingeschränktes Lob. Er verwendet eine Brandmarke: F. Patzelt. / Dresden. / 1899.
19Patzelt, Gebrüder. — Berlin. 1876. 1887
20Nach dem Tode von Joh. Ferd. Patzelt begründeten seine Söhne die etwa ein Jahrzehnt bestehende Firma »Gebr. P.« Ferdinand P. siedelte jedoch nach Dresden über, sein Bruder führte das Geschäft noch bis 1887 in Berlin fort und ging dann auch nach Dresden, trat aber bald aus Unlust am Geigenmachen aus der Firma wieder aus und widmete sich seitdem »der Lösung automobiler Probleme«.
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