Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 482

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

27 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 478. See the scan on archive.org.

1Eine Viola di Bordone von 1750 besitzt Fürst Eszterházy in Eisenstadt (Ungarn), eine Viola d’amore von 1756 mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten die staatl. Sammlung in Berlin (Nr. 869).
2Geigenzettel: Abb. 732.
4Stadlmann, Joseph. — 1807
5Einen Beweis für den guten Klang des Namens Stadlmann liefern die vielen Geigenzettel mit fingierten Vornamen (wie Antoni, Joseph usw.), die sich in zwar alten, aber gewöhnlich wertlosen Instrumenten finden.
7Stadlmann, Michael Ignaz. — Wien. Geb. um 1756¹), † 10. März 1813 in Wien
8Sohn von Joh. Jos. St. Er legte am 9. Mai 1772 den Bürgereid ab, hatte seine Werkstatt im »großen Preuerhaus in der Dorotheergasse« und kommt in den Steuerlisten bis 1787 vor. Er war gleichfalls, wie sein Vater, Hoflautenmacher, und zwar seit 1784; vorher war er schon seit 1776 Adjunkt und wird als solcher im Hof- und Staatsschematismus bis 1781 geführt²). Er kommt seinem Vater und Großvater nicht nur gleich, sondern übertrifft sie in einzelnen Fällen. Er hat das Stainermodell aufgegeben und schon bald die Vorzüge einer flachen Wölbung erkannt und Stradivari zum Vorbild genommen. Er arbeitete sehr sorgfältig, und durch seinen durchsichtigen, rotbraunen Lack schimmert das Holz mit schönem Goldglanz. Zwei prächtige Geigen und eine Viola von 1787 (die den besten Arbeiten von Geissenhof gleichwertig sind) besitzt die ehemal. Hofkapelle in Wien, eine Gitarre die Gesellschaft der Musikfreunde. Ferner sind gute Arbeiten im Ferdinandeum in Innsbruck; auch waren solche in Wien gelegentlich der Musikausstellung zu sehen. S. war ein tüchtiger Musiker und von 1799—1813 als Violinist Mitglied der Kaiserl. Hofkapelle. Seine Werkzeuge und Ladeneinrichtung vermachte er seinem Gehilfen Math. Daum.
9Geigenzettel: Abb. 673 und 748.
11Stadlmayer, Georg und Simon. — Regensburg. 1603
12Beide werden in dem Verzeichnis der 12 Rotten »Mußgattierer und Schützen« der Regensburger Bürgerwehr als »Zithermacher« aufgeführt.
14Stäger. — Willisau (Luzern). 1910
15Erfinder eines Stimmstocks, der sich von dem üblichen nur dadurch unterscheidet, daß er zweimal horizontal durchbohrt ist.
17Staenz, lebt als »Luthier« in Chambéry
19Stainer, Andreas. — Absam. 1660. 1690
20Ein urkundlich nicht nachweisbares Mitglied der Familie des berühmten Meisters. Man will eine Viola di Baryton von ihm kennen.
22¹) Wenn der Katalog der Sammlung Crosby Brown in New York die Jahreszahl 1733 bei einer von Mich. Ign. St. verfertigten Viola d’amore angibt, so muß der Zettel entweder gefälscht oder die Jahreszahl falsch gelesen sein.
23²) Auf den älteren Zetteln findet sich daher auch an Stelle des Schnörkels das Wort Adjunkt.
25Stainer, Jakob. — Absam (Tirol). Geb. 14. Juli 1621 in Absam, † Ende 1683
26Sohn des Martin Stainer und der Sabina geb. Grafinger. Der größte Meister der deutschen Schule und ein Künstler, der, wenn er auch andere Wege einschlug, nur in Amati und Stradivari seinesgleichen findet. Es ist unbekannt, wessen Schüler er war; die Behauptung, daß er bei dem berühmten Orgelbauer Daniel Herz in dem seinem Geburtsorte nahen Wilten zuerst in der Lehre gewesen sei, erscheint schon deshalb hinfällig, weil Herz in der Jugendzeit Stainers noch gar nicht in Wilten lebte. Wahrscheinlicher ist es, daß er bei irgend-einem Absamer Bauern, der, wie viele andere in Tirol, im Winter sich mit der Bildschnitzerei und dem Geigenmachen beschäftigte, die erste Anleitung erhielt. In seiner frühesten Jugend wird er auch eine Zeitlang Hirtenknabe gewesen sein, und seine ersten Versuche, sich eine Fiedel zu schnitzen, mag er damals unter Gottes freiem Himmel gemacht haben. Eine immer wiederkehrende Sage macht ihn zu einem Amatischüler. Ein urkundlicher Beweis dafür fehlt aber leider. Die Möglichkeit, daß er in jungen Jahren nach Cremona gekommen sei, muß ohne weiteres zugegeben werden. Er könnte dort noch bei Antonius Amati gelernt haben, der erst nach 1640 starb, also zu einer Zeit, da Stainer das 19. Jahr erreicht hatte. Wahrscheinlicher ist, daß er während der üblichen Wanderjahre seiner Gesellenzeit auch in Cremona — vielleicht bei Nicolaus Amati — gearbeitet hat. Diese Annahme wird durch einen neuen Fund in überraschender Weise unterstützt. Der Geigenliebhaber Theodor Hämmerle in Wien erwarb von C. H. Voigt eine aus Vuillaumes Besitz stammende Violine mit einem Zettel der Brüder Amati. Trotz des italienischen Aussehens und des Zettels sprach doch so viel an dem Instrument für die Hand Stainers, daß Voigt die Geige von vornherein nur als eine Arbeit Stainers gelten lassen wollte. Zum Zwecke der Reparatur mußte sie geöffnet werden, und bei dieser Gelegenheit fand sich unter dem Hals am Klotz versteckt ein zweiter Zettel (in der ganzen Höhe der Zargen). [Siehe die Abbildung!] Leider ist die Jahreszahl verschwitzt. Der Zettel scheint echt zu sein. Dies vorausgesetzt, darf man annehmen, daß Stainer bei den Brüdern Amati als Gehilfe gearbeitet hat, und da er als solcher in eine in der Werkstatt der Amati und für diese gebaute Geige seinen Zettel nicht öffentlich anbringen durfte, brachte er ihn an einer Stelle an, wo ihn niemand sehen konnte. Glauben wir, daß er in Cremona bei den Brüdern Amati war, dann ist auch die Frage, wo er hinter das Geheimnis des italienischen Lacks gekommen ist und wo er seine alle andern deutschen Geigenmacher übertreffende letzte Ausbildung erfahren hat, leicht beantwortet. Er war aber viel zu sehr Künstler, als daß er ein bloßer Nachahmer hätte werden können. Er ging seine eigenen Wege, nahm die Wölbung höher und bevorzugte die deutsche Form der F-Löcher und der Schnecke; lediglich den Lack behielt er bei. Man muß seine Abweichung von seinen italienischen Vorbildern als das Ergebnis künstlerischer Erwägung ansehen, denn er entsprach mit seinem Modell tatsächlich den Anforderungen der damaligen Geiger besser als die Amati. Daß er seine Kunst gut verstand, hat er sein Leben lang bewiesen; er muß aber auch eine verhältnismäßig gute Schulbildung genossen haben,

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