Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 483

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

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1Außerdem war er ein vorzüglicher Geiger und soll sogar als Mechaniker durch merkwürdige Kenntnisse berühmt gewesen sein. Es wird stets erzählt, daß er schon 1639 seine ersten Geigen auf den Markt in Hall gebracht habe, was durchaus glaubwürdig ist. Im Jahre 1643 kam er nach Salzburg, mußte dort, wie das Zahlmeister-Kassejournal ausweist, »etliche Geigen bei der hochfürstl. Instrumentenstube« ausbessern und verkaufte eine schöne Viola. Weiter weiß man von ihm, daß er mit der blutarmen Kleinbürgerstochter Margarethe Holzhammer (geb. 1624, † 1693) ein Liebesverhältnis hatte, das nicht ohne Folgen blieb. Sobald er aber großjährig geworden war, heiratete er Margarethe am 26. November 1645. Im darauffolgenden Jahre finden wir ihn in Venedig, wo er sich aufhielt, um Materialien einzukaufen, und im gleichen Jahre überreichte er seinem Fürsten eine Bittschrift mit dem Anerbieten, die Instrumente für die Hofkapelle machen zu wollen, wobei er sich großherzig erbot, damit eine Schuld von 412 fl. seines Schwiegervaters Georg Holzhammer, »gewesten Bergmeisters bei dem Salzberg«, an das Pfannhausamt abtragen zu wollen. Der Erzherzog Ferdinand Karl willfahrt dieser Bitte1). Auf den Haller Märkten kam er mit allerlei Handelsleuten zusammen; dort mag er auch den jüdischen Händler Salomon Huebmer aus Kirchdorf in Oberösterreich kennen gelernt haben, der ihn überredete, mit nach Kirchdorf zu kommen. Huebmer wird ihm wohl goldene Berge versprochen haben, denn es ist nicht einzusehen, was einen Geigenmacher gerade nach diesem Orte hätte locken können. Stainer blieb bis zum Frühjahr 1648 in Kirchdorf und wohnte bei Salomon Huebmer. Er mußte gewiß sehr fleißig arbeiten, den Verdienst aber wird wohl der Händler eingesteckt haben, denn als Stainer wieder abreisen wollte, stellte sich bei der Abrechnung heraus, daß er nicht nur gar nichts erhielt, sondern noch 24 Gulden für Miete aufgerechnet bekam, die er schuldig bleiben mußte. Als er wieder nach Hause kam, mußte er sofort seiner Verpflichtung, die Instrumente der Hofkapelle instand zu halten, nachkommen, und damals hat er wohl den Erzherzog Ferdinand Karl und dessen Frau Anna, Großherzogin von Toskana, zuerst persönlich kennen gelernt. Der Erzherzog, dem Stainers seelenvolles Geigenspiel ungemein gefallen hatte, ließ ihn mehrfach nach Innsbruck kommen, was viel heißen will, denn am erzherzoglichen Hofe standen fortwährend italienische Virtuosen im Sold, aber auch bei diesen erfreute sich Stainer großer Wertschätzung; trotzdem währte es noch zehn Jahre, bis ihm der Landesfürst am 29. Oktober 1658 den Titel eines Hofmusikers und erzfürstlichen Dieners verlieh, womit das Recht verbunden war, mit »ehrsamer und fürnemher Herr« angeredet zu werden. Leider starb Ferdinand Karl schon 1662 und sein Bruder löste die italienische Hofkapelle auf, starb aber auch schon am 24. Juni 1665. Tirol kam nun an Kaiser Leopold, und an diesen richtete Stainer 1668 ein Gesuch um Bestätigung seines Titels. Der Vizekanzler Dr. Paul Hocher befürwortete dieses Gesuch wärmstens, und der Kaiser entsprach ihm auch laut Diplom vom 9. Januar 1669. Stainer hatte damals seine künstlerische Höhe erreicht und war bereits zu Ruf und Ansehen gekommen. Er war vielbeschäftigt, seine Violinen wurden ihm schon mit 40 fl. bezahlt und er hatte sonach die besten Aussichten, einen gewissen Wohlstand zu erreichen. Schon am 12. November 1666 hatte er von seinem Schwager Paul Holzhammer das Haus W. 39 in Absam gekauft, das, von hohen Linden umgeben, dem Krippschen Herrensitze gegenüber liegt. Und doch hatte er damals schon mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. 1667 erhielt er plötzlich vom Landgericht in Thaur eine Vorladung, und es wurde ihm mitgeteilt, daß der Jude Huebmer seine alte Forderung für die Mieteschuld eingecklagt hätte. Stainer hat die Berechtigung dieser Forderung wohl nie wirklich anerkannt, aber er zahlte zunächst 15 fl. und erklärte sich bereit, den Rest von 9 fl. gelegentlich des nächsten Haller Marktes zu bezahlen. Er unterließ dies jedoch und so wurde er 1669 gerichtlich gemahnt, und zwar, was ein eigentümliches Licht auf die Person des Gläubigers wirft, nochmals um die ganze Summe, ohne Anrechnung der bereits geleisteten Zahlung. Als Stainer sich dazu nicht verstand, ging Huebmer an das Gericht in Kirchdorf, welches der Stadt Hall die Eintreibung gebot. Es half ihm nichts, er mußte nochmals bezahlen, und vergeblich wandte er sich noch 1677 an den Kaiser, um das ihm widerrechtlich Abgenommene zurückzuerhalten. Mag er damit auch viel Ärger gehabt haben, das Unglück seines Lebens war sein Konflikt mit dem fürsterzbischöflichen Konsistorium in Brixen. Es war die böse Zeit der Gegenreformation, und Stainer wurde im Januar 1669 beschuldigt, gemeinschaftlich mit dem Schneider Jakob Meringer (Mehringer) lutherische Schriften gelesen und sogar ketzerische Redensarten geführt zu haben. Ob die Klage überhaupt berechtigt war, kann heute kaum entschieden werden, genug, das geistliche Gericht verurteilte beide. Sie sollten im Büßergewande mit Geißel und brennender Kerze in den Händen öffentlich abschwören, während die Bücher verbrannt wurden. Beide legten Berufung ein, und es spricht sehr für das, selbst von katholischem Standpunkt aus betrachtet, geringe Verschulden beider, daß das weltliche Gericht sie nach Möglichkeit in Schutz nahm, so daß die Geistlichkeit auf Geißel und Kerzen verzichten mußte. Die Bücher wurden verbrannt, aber Stainer sowohl als Meringer weigerten sich hartnäckig, abzuschwören. Nun zog das Konsistorium die Saiten straffer an und verlangte die Verhaftung beider, die leider wirklich verfügt wurde. Stainer fügte sich auch diesem Gewaltakt lieber, als daß er etwas gegen seine Überzeugung getan hätte; er bat nur um Aufschub gegen Bürgschaft, da er noch Geigen für das Kloster Rothenbuech in Bayern fertigzumachen hatte; man gestattete ihm aber nur, daß er diese im Gefängnis vollende. Er wurde ein halbes Jahr lang gefangengehalten und hat sich dabei wohl den Grund zu der Krankheit geholt, der er später erlag. Als man ihm die Freiheit wiedergab, war er ein gebrochener Mann, sein Vermögen war in Verfall geraten, und er konnte sich nicht mehr emporarbeiten. Er saß wohl noch fleißig in seiner Werkstatt, da er aber alles mit der größten Gewissenhaftigkeit ausführte und keine fremde Hilfe an seinen Werken duldet, arbeitete er nur sehr langsam und die Einnahmen standen dann in keinem Verhältnis dazu. Er hatte eine große Familie zu er-
31) Näheres hierüber und über den Hofmusiker J. Chr. Hegele, der schließlich die Restforderung an Stainer vom erzherzoglichen Hofe erbetelte, findet man in Dr. Fr. Waldners mehrfach erwähnter, trefflicher Schrift über die tirolischen Geigenmacher.

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