Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 562

Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 1922

19 lines. Read by computer on 27 September 2026. Printed page 558. See the scan on archive.org.

1Widhalm (Withalm), Johann Veit. — Wien, Nürnberg. 1768 (?). 1773
2Vermutlich ein Neffe von Leopold W. Er meldete am 14. Juni 1773 bei dem Pfarramt Wöhrd (Nürnberg) ein illegitimes, totgeborenes Kind an und wird als Geigenmacher aus Wien bezeichnet. Von ihm ist vielleicht eine Violine in der Sammlung Friedrich in Posen, ziemlich hochgewölbt, F-Löcher nach Stainer, schönes, engjähriges Deckenholz, Boden zweiteilig, geflammt, gelber, stellenweise rötlicher Lack, tiefausgestochene, mittelgroße Schnecke, Zettel von Arabesken umrahmt.
3Geigenzettel: I. Withalm in Nurnberg / me fecit 1768 (gedruckt).
5Widhalm (Wiedhalm), Joseph. — Nürnberg. 1737
6In einer zweifellos alten, sonst aber sehr mittelmäßigen Geige, deren Lack geradezu schlecht war, fand sich ein Zettel mit diesem Namen, doch könnte die Echtheit des Zettels angezweifelt werden. Irgendein urkundlicher Beleg für die Existenz dieses Widhalm ließ sich bisher nicht auffinden.
8Widhalm, Leopold. — Nürnberg. Geb. 2. Okt. 1722, † 10. Juni 1776 in Nürnberg (Gostenhof)
9Sein Geburtstag ergibt sich mit einiger Sicherheit aus seiner Sterbeurkunde. Er war vermutlich ein Schüler und wohl auch Schwiegersohn des Seb. Schelle oder der Mann seiner Witwe. Im Juli 1746 heiratete er Barbara Sibylla Schelle¹) und eröffnete im gleichen Jahre in der Vorstadt Gostenhof seine Werkstatt. Er war einer der allerbesten deutschen Lauten- und Geigenmacher seiner Zeit. Er nahm sich zwar Stainer zum Vorbild, doch wußte er dabei seine Originalität zu wahren und bevorzugte ein großes Modell. Die Wölbung ist elegant, das Holz sehr gut gewählt, die Eingriffe sind breit und sehr sauber angebracht, die Schnecken oder Köpfchen (meist aus Birnbaum) sind tadellos in ihrer Ausführung. Sein Lack beweist einerseits, daß er italienische Vorbilder gekannt hat, anderseits, daß er bemüht war, ihn immer mehr zu verbessern; so zeigen die Arbeiten aus seinem letzten Jahrzehnt entschieden einen besseren Lack als die früheren. Ich halte es für wahrscheinlich, daß er bei den regen Handelsbeziehungen Nürnbergs zu Italien den Lack, oder mindestens die Bestandteile dazu, von dorther bezog. Im allgemeinen bevorzugte er hierbei eine rotbraune Farbe, die er heller oder dunkler wählte, je nachdem es ihm besser gefiel, wie er auch den Lack dünner oder dicker auftrug, was in jedem Fall seine Ursachen gehabt haben wird, wenn wir diese auch nicht erraten können. Immer aber ist sein Lack von hohem Glanz. Bei seinen Violen behielt er das alte Modell mit flachem Boden bei. Er war ein vielseitiger Meister und hat außer Geigen auch alle Arten von Lauten gemacht und selbst Harfen, die sehr gut gewesen sein sollen. Er besaß einen weit über Nürnberg hinausgehenden Ruf und soll namentlich alle Klöster in der näheren und weiteren Umgebung zur Kundschaft gehabt haben. Er war ungemäss fleißig, und deshalb kommen Arbeiten von ihm noch ziemlich häufig vor, allerdings oft mit Jahreszahlen, die bis 1720 zurückgehen. Will man diese nicht ohne weiteres für Fälschungen erklären, so müßte man annehmen, daß er einen gleichnamigen Vorgänger (Vater?) gehabt hat, für den freilich bisher jeder urkundliche Beleg fehlt. Eher zu erklären sind seine Zettel mit Jahreszahlen, die bis 1825 reichen, da von seinen sechs Kindern drei Söhne, die ihn überlebten¹), Geigenmacher wurden und der älteste gleichfalls den Namen Leopold trug, ebenso ein Enkel. Die Söhne behielten kluger Weise die berühmte Firma bei, was sie mit um so größerem Rechte tun durften, als sie ja sicher zu Lebzeiten des Vaters als Gehilfen ihren nicht zu unterschätzenden Anteil an den Arbeiten der väterlichen Werkstatt gehabt haben werden. Außer seinen verschiedenen Zetteln verwendete W. auch eine Brandmarke L. W., der manchmal ein Reichsadler beigefügt erscheint. Eine Violine von ihm mit Elfenbeinrand vom Jahre 1763 und eine Viola von 1783 besitzt C. Stoeber in Würzburg. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befinden sich von ihm eine Violine von 1769, eine Theorbe von 1757 und eine Bratsche aus demselben Jahre²). Eine sehr schöne Violine von 1769 besitzt Mr. Boullée in L’Isle sur Serein (Yonne). Karl Rau hatte zwei sehr große Kontrabässe von ihm, die er als das Schönste und Beste bezeichnet, was er je an Bässen gesehen hat. W. wurde am 14. Juni 1776 bei St. Rochus begraben. Vgl. Ch. Boullée: Leopold Widhalm, Luthier allemand, in »L’Actualité musicale« (15. Juli 1910), ferner Meusels Künstlerlexikon usw. usw. Der Familie zu Ehren ist eine Straße in Nürnberg Widhalmstraße genannt. Leopold W.s Nachkommen leben in den Familien Fuchs und Krauß heute noch fort.
10Geigenzettel: Abb. 823, 831, 838.
12Widhalm, Martin Leopold. — Nürnberg. Geb. 3. Juni 1747 in Nürnberg (Gostenhof)³), † das. 16. März 1806
13Ältester Sohn und Schüler von Leopold W. Er übernahm nach dem Tode seines Vaters die Werkstatt und nannte sich in seinen Arbeiten kurzweg wie der Vater »Leopold Widhalm«. Ihm müßten daher die Geigen usw. mit den Jahreszahlen 1776—1806 zugeschrieben werden. Er ist dem Vater durchaus ebenbürtig, nur im Lack steht er ihm manchmal nach; seine besten Arbeiten haben prächtigen granatroten Lack, für billigere Geigen scheint er in Spiritus gelöste Harze verwendet und eine braune Farbe bevorzugt zu haben. Seine Schnecken haben gewöhnlich etwas breitere Ohren als die seines Vaters. Ein schöner großer Alto von 1777 befindet sich aus der Sammlung Snoeck in Berlin. W. starb unverheiratet und liegt bei St. Johannis begraben.
14Geigenzettel: Abb. 821.
16¹) Drei starben schon in früher Kindheit. Aus den Taufscheinen der Kinder geht hervor, daß Leopold W. u. a. Korporal der Bürgergarde war.
17²) Eine weitere Geige mit seinem Namen läßt die Jahreszahl nicht mehr erkennen.
18³) Sein Taufpate war der bekannte Kunsthändler Martin Tyroff.

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