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Scan 124
Die Violine, ihre Geschichte und ihr Bau, 1864
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1lassen, es stünde heute gewiß besser um den Geigenbau, wie nicht minder um die Künstler und Dilettanten, welche nach vorzüglichen Instrumenten Verlangen tragen. Es wäre dann nicht eine so große Anzahl ausgezeichnetener Instrumente auf so unverzeihliche, barbarische Weise verdorben worden,*) und es gäbe auch nicht eine Lücke von einem ganzen Jahrhundert, aus welchem so überaus seltene, wahreht gutte Instrumente der Mit- und Nachwelt überliefert worden sind. Die guten Instrumente hätten sich in der Zwischenzeit bereits längst erprobt und vielleicht einzelne spätere Meister einen eben so ehrenvollen Ruf erlangt, wie mancher der bedeutenderen Cremoneser. Die Künstler wären der Notwendigkeit entzogen geblieben, jahrelang nach einer ächten und wohlverdienten Stradivari oder Guarnerio zu fahnen und sie mit schwerem Gelde oder andern Opfern erkaufen zu müssen. Gewiß wären die italienischen Instrumente selbst im Preis, auf welchen die Seltenheit einen so großen Einfuß übt, nicht so hoch gestiegen. Wahrscheinlich würde aber auch die Instrumentenliebe daher nicht den heutigen Grad erreicht haben, wo wir bei einzelnen reichen Privaten seltene Mäuse an Prachtstücken und Seltenheiten antreffen.
3*) Hier ist die Verzugsstelle gegen Ende des vorigen und Anfang des gegenwärtigen Sächsensatzes eingesetzte Münze gemeint, die alten in Brust und Boden stark gebauten Instrumente durch Ausschaben, das sogenannte "Ausfacheln", in den Decken dünner und dadurch vollkommener zu machen. Durch dieses Verfahren raute man zahllosen Instrumenten recht eigentlich die Seele; der Ton verlor seinen Glanz, seine Fülle und Kraft und bekam einen dumpfen, hohen und röhrenden Klang.
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