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Scan 217
Die violine und ihre meister, 1904
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1lebte viel auf Reisen in Italien, Deutschland und Holland, und trat schließlich in die Dienste des Herzogs von Orleans. Seine Violin-Kompositionen, von denen Fétis 7 verschiedene Werke anführt, zeichnen sich durch prosaisches und ungemäss trockenes Wesen aus. Hervorragender war jedenfalls Puppo. Zwar kann auch er keine sonderliche Geltung als Tonsetzer beanspruchen, allein als Violinist muß er Bedeutendes geleistet haben. Man rühmt seinem Spiel vorzugsweise einen von sanfter Melancholie erfüllten Ausdruck nach. Dieser scheint eine Hauptseite seines ganzen Wesens gebildet zu haben, dem überdies ein unsteter, beinahe abenteuerlicher Zug eigen gewesen sein mag.
3Puppo gehörte zu jenen Naturen, denen es Bedürfnis ist, sich von Einbildungen beherrschen zu lassen. So glaubte er durch ein in London gegebenes Konzert ein reicher Mann geworden zu sein, der die Hände in den Schoß legen könne. Unbesorgt lebte er in den Tag hinein, so lange das Geld ausreichte. Dann erst kam er wieder zur Besinnung und griff aufs neue zur Violine, um für seine materiellen Bedürfnisse zu sorgen. Eine andere selbstgeschaffene, durch Lahoussaye widerlegte Fiktion war die, sich einen Schüler Tartinis zu nennen, obwohl er nicht einmal in Padua gewesen war. Biotti pflegte ihn öfters mit seinem angeblichen Lehrmeister Tartini zu necken. Rämentlich in Lahoussayes Gegenwart brachte er gern die Rede darauf und bat diesen dann, etwas in der Manier des Paduaner Meisters zu spielen, indem er hinzufügte: „Nun Freund, gib recht acht. Lahoussaye wird Dir eine Free von Tartinis Spiel geben“.
5Nirgend fand Puppo lange Ruhe; er wechselte ebenso oft Stellung wie Wohnort. 1775 ging er nach Paris; von hier trieb es ihn nach Madrid, Lissabon und London. In letzterer Stadt blieb er bis 1784. Sodann nahm er seinen Aufenthalt wieder in Paris, wohin er durch Biotti zum Nachfolger Mestrinos an die italienische Oper berufen worden war. Als dieses Unternehmen bald darauf infolge der Revolutionsstürme einging, trat er zum Théâtre Feydeau hinüber. Sodann war er am Théâtre français de la République bis 1799 tätig. Endlich sah er sich auf das Lehramt angewiesen. Diese Position mochte ihm indessen nicht behagen, denn er entfernte sich 1811 unter Zurücklassung seiner Familie heimlich von Paris und wandte sich
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