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Scan 253
Die violine und ihre meister, 1904
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1auf die italienische Violinsonate wesentlich im reproduktiven Stadium, während die Klaviersonate mit und ohne Begleitung nebst ihren Abarten in Deutschland zu höchster Blüte gelangte. Diese Tatsache ist für den deutschen Geist ebenso bezeichnend, wie der Umstand für die Italiener, in der Violinsonate epochemachend gewesen zu sein. Jede der beiden Nationen eignete sich mit Vorliebe als Organ für die schöpferische Tätigkeit dasjenige Instrument zu, welches zumeist der eigentümlichen Musikanlage entsprach. So griff der realistisch geartete, für das sinnlich schöne Tonelement empfänglichere Italiener zur Bioline, während der Deutsche in seinem Idealbestreben sich vorzugsweise des Klaviers bemächtigte. Es wiederholt sich hier somit genau dasselbe Verhältnis, welches wir bereits in betreff des Violin- und Klavierbaues beobachteten.
3Als in Deutschland allgemein die italienische Violinsonate adoptiert war, trat Tartini auf, dessen schöpferische Tätigkeit in diesem Kunstzweige unübertroffen, ja sogar unerreicht blieb. Sein Stil war der herrschende, solange noch die Spezialität der Violinsonate existierte. Konnten nun auch die Deutschen hierin, ebensowenig wie die Franzosen, eine durchaus selbständig hervorragende Bedeutung neben den Italienern erringen, so war doch mit Aufnahme und Nachbildung dieser Gattung nächst dem formellen Gewinn der unberechenbare Vor teil einer methodisch schönen Geigenbehandlung verbunden, die wohl aus den Kompositionen Corellis und seiner Nachfolger, keineswegs aber aus Walthers oder Vibers Arbeiten entnommen werden konnte.
5Selbst der große Händel, welcher eine Reihe von noch vorhandenen Violinsonaten und Konzerten setzte, vermochte in diesem Genre, die allgemeinen künstlerischen Vorzüge seines Stils zugegeben, kaum noch etwas von wahrhaft eigentümlicher und bedeutender Geltung zu schaffen, und nur ein Riesengeist wie der Bachsche wußte sich unter den Deutschen noch mit seinen sechs Violinsonaten 1) (ohne Bass) eine
71) Die Bezeichnung „Violinsonaten“ ist nicht unberechtigt. Bach hat zwar nur die Nummern 1, 3 und 5 des von Ferd. David bei Kistner in Leipzig neu herausgegebenen Werkes als „Sonaten“, die Nummern 2, 4 und 6 dagegen als „Partien“ (Partiten) bezeichnet. Das Wort „Partie“ (Partita) war aber gleich bedeutend mit der Bezeichnung „Suite“, für welche die Italiener zur Unter-
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