Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 254

Die violine und ihre meister, 1904

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1selbständige Position zu erobern. Indes unterscheiden sich diese Sonaten durchaus von den gleichartigen italienischen Erzeugnissen, zumal aber von denen Tartinis. Dieser gestaltet seine Gebilde mit eingehendster Berücksichtigung des Violincharakters, ja man darf sagen, seine Sonaten gingen aus dem Wesen der Violine hervor. Daher findet sich in seinen Kompositionen nichts, was einer echt violingemäßen Darstellung im Wege steht. Diese wird aber von Bach, indem er, die Grenzen des Möglichen berührend, wahrhafte Probleme der Violintechnik gibt, bisweilen in Frage gestellt. Seine Sonaten, die namentlich in den polyphon gehaltenen Sätzen den Sieg des Geistes über das beschränkte Material versinnlichen, sind keineswegs speziell für die violinspielerische Wirkung gedacht und geschaffen, sondern verdanken vielmehr ihr Dasein jener spiritualistisch idealen Richtung, die auf unvergleichliche Weise sich mehr oder minder in den allermeisten seiner Werke manifestiert. Bachs Violinsonaten erweisen sich vorzugsweise als musikalische Charakterstücke, über deren hohen künstlerischen Wert freilich kein Zweifel bestehen kann.1)
3Die vorhin erwähnte Einwirkung Italiens auf das musikalische Deutschland beruhte nicht allein in dem Studium der betreffenden, aus dem Süden eingesführten Kompositionen, sondern ebensosehr in wechselseitiger persönlicher Berührung. Schon Männer, wie Farina, Corelli, Torelli und Bivaldi hielten sich zeitweilig in Deutschland auf, und sicher nicht ohne wesentliche, wenngleich jetzt nicht in jedem Falle mehr speziell nachweisbare Beeinflussung der Kunstkreise, in denen sie sich bewegten. Weiterhin sehen wir dann Tartini, Nardini und andere italienische Violinmeister wirksam in Deutschland.
51) Bemerkenswert ist es, daß mehrere Stücke aus diesen Sonaten sich unter den Klavier- und Orgelkompositionen des Meisters wiederfinden. So z. B. die Fuge aus der ersten, das wundervolle Einleitungsadagio der fünften. Die a moll-Sonate existiert sogar ganz als Klaviersonate, nach d transponiert. Das Präludium der letzten (e dur) endlich ist, nach d dur versezt und für Orgel und Orchester eingerichtet, zu einer sehr wirkungsvollen Instrumentaleinleitung einer 1731 komponierten Ratswahlkantate geworden. Auch existiert diese ganze Sonate in einem Klavierarrangement.

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