Books › Die violine und ihre meister, 1904 › scan 258
Scan 258
Die violine und ihre meister, 1904
6 lines. Read by computer on 3 September 2026. No printed page number was found. See the scan on archive.org.
1formelle Gewandtheit, welche Telemann wohl zumeist einer durch massenhafte Produktion erworbenen Routine verdankte. Um einen Vorwand zum musikalischen Schaffen mochte er nie verlegen gewesen sein. Hat der fleißige und um seine Zeit sicher auch sehr verdiente Mann unter anderem doch sogar „Melodische Frühstunden beym Pyrmonter Wasser“, und zwar in Rücksicht auf „drei Kur-Wochen“, sowie „Moralische Cantaten“ und einen „Lustigen Mischmasch für Violine oder Flöte, nebst Generalbass“ komponieren müssen!
3Telemanns Instrumentalmusik ist bei aller Respektabilität durchweg von einer seltenen Sterilität und Trockenheit. Man könnte ihren Autor vergleichsweise den deutschen Bivaldi nennen, obwohl dieser in quantitativer Hinsicht des Produzieren weit hinter Telemann zurücksteht: er soll zuletzt selbst nicht mehr gewusst haben, wieviel und was er geschrieben. Freilich hat keine Note davon den Komponisten überlebt. Telemann bekleidete seit 1708 das Amt eines fürstl. Eisenachschen Konzertmeisters. Er widmete sich in dieser Stellung mit großem Eifer dem Violinspiel, wie man aus einer höchst originellen Mitteilung in Matthesons „Ehrenpforte“ entnehmen kann, wo es S. 361 heißt: „Er (Telemann) sey, so oft er mit Hebenstreiten ein Doppelkonzert auf der Violine zu spielen gehabt habe, genöthigt gewesen: um ihm einigermaßen an Stärke gleich zu kommen, sich etliche Tage vorher, mit der Geige in der Hand, mit aufgestreiftem Hemde am linken Arm, und mit stärkenden Beschmierungen der Nerven, einzusperren und sich auf diese Art zu diesen Kämpfen vorzubereiten.“
5Hebenstreit, der Erfinder eines hackbrettartigen Instruments, Pantaleon genannt, von dessen Komposition diese sogenannten „Doppelkonzerte“ nach Gerbers Angabe waren, wirkte zu jener Zeit gleichfalls in Eisenach als Kapelldirektor und Hofanzmeister, nachdem er schon zu Ende des 17. Jahrhunderts in Leipzig Tanzmeister gewesen. Infolge seiner Berufung nach Dresden als Kammermusikus (1708) trat Telemann in die von ihm bisher bekleidete Eisenacher Kapellmeisterstelle. 1712 wandte er sich nach Frankfurt a. M., wo er an zwei Kirchen Kapellmeister wurde, und ging 1721 als Musik-
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.