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Scan 286
Die violine und ihre meister, 1904
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1sondern auch sonsthin empfehlenswerter waren, als gerade die Erzeugnisse Stamißens 1). Die Gestaltung derselben hat allerdings etwas Normales, dabei sind sie aber so altväterisch philisterhaft, trocken und allen Inhaltes bar, daß es nicht jedermanns Sache wäre, sie als Muster, wenn auch nur in betreff der Bässe, aufzustellen 2). Offenbar nahm sich Stamiß als Tonsezer die Werke italienischer Meister, insbesondere diejenigen Tartinis, zur Richtschnur. Ein echt deutscher Zug ist indessen seinen Arbeiten nicht abzusprechen, und dies möchte die bemerkenswerteste Seite daran sein, die auch jedenfalls Veranlassung gegeben hat, ihn als den „Stammvater des deutschen Violinspiels“ zu bezeichnen. Allein man darf hierbei keineswegs an eine schon selbständig ausgebildete nationale Richtung denken, und muß sich vielmehr vergegenwärtigen, daß auch das Mannheimer Violinspiel zu jener Zeit noch ganz entschieden in dem Mutterboden der italienischen Kunst wurzelte. Und wenn auch die Mannheimer Schule für die Emanzipierung vom welschen Einfluß am geeignetsten sich erwies, weil in ihr hauptsächlich deutsche Geiger wirkten und gebildet wurden, so erfolgte eine völlige Befreiung von dem fremden Elemente doch erst mit Ende des 18. Jahrhunderts 3).
3Sind wir, wie erwähnt, über die amtliche Tätigkeit von Stamiß in Mannheim ziemlich wenig unterrichtet, so ist neuerdings durch Brenet (Les concerts en France) ein interessantes Licht auf einen Pariser Aufenthalt des Künstlers gefallen. Am 8. September 1754 trat er als ausübender Künstler sowie als Komponist vor das Publikum des Concert spirituel, indem er ein Violinkonzert und eine Sonate für viola d’amore, beide seiner Komposition, ausführte und außerdem eine eigene Symphonie „mit Hörnern und Oboen“ spielen ließ. Am 26. März 1755 gab es eine andere Symphonie von ihm „mit Klari-
51) Fétis gibt ein vollständiges Verzeichnis seiner Kompositionen.
62) Zwei „Divertimenti“ von Stamiß sind in D. Alards „Maîtres classiques du Violon“ neu abgedruckt.
73) In Hillers „Wöchentlichen Nachrichten“, Jahrg. 2, S. 167, findet sich ein Mitgliederverzeichnis der pfälzischen Kapelle vom Jahre 1767, in welchem Chr. Cannabich und Jos. Toeschi als Konzertmeister, Ignaz Fränzl und Danner als erste, und Wilh. Cramer, sowie Karl und Anton Stamiß als zweite Geiger aufgeführt sind.
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