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Scan 317
Die violine und ihre meister, 1904
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1der Kirche S. Paolo von dem Geiger Spagnoletto zwischen den Psalmen der Vesper ein Tartinisches Konzert spielen. „Die ganze Kirche," so berichtet er, „war voll von Kennern und Musikliebhabern, und man sah aus den Mienen aller Zuhörer, daß der Violinist allgemeinen Beifall fand. Gluck sagte zu mir: Nun können Sie auf den Beifall Ihrer Zuhörer morgen sichere Rechnung machen, da sowohl Ihre Compositionen als Ihr Vortrag viel moderner ist." Gluck hatte wahr gesprochen, denn als Dittersdorf am nächsten Tage sich beim Hochamt hören ließ, fand er alle Anerkennung.
3Obgleich Dittersdorfs kompositorische Tätigkeit hauptsächlich der komischen Oper, wie bekannt, gewidmet war, hat er auch eine Reihe Violincompositionen hinterlassen (Konzerte, Divertimenti und sechs Quartette). Von den letzteren wird auch jetzt hin und wieder eins gespielt, sie verdienten durch ihre anmutig naive Erfindung und ihren harmlosen Humor, nie gänzlich vergessen zu werden.
5War auch das Violinspiel, wie aus den vorstehenden Mitteilungen ersichtlich ist, in Wien um die Mitte des 18. Jahrhunderts sehr verbreitet, so zog doch hiervon, den Bedürfnissen gemäß, hauptsächlich die Kammermusik den Vorteil, während das eigentliche Solospiel dort im Vergleich zu andern deutschen Städten sich erst verhältnismäßig spät zu wirklicher Bedeutsamkeit und Geltung erhob. Der Schwerpunkt des Wiener Musiklebens lag eben infolge der von Joseph Haydn eingeschlagenen Richtung, die alle Herzen und Hände in Bewegung versetzte, zu entschieden in dem Bestreben nach gemeinsamer Kunstübung, um eine exklusive Pflege der Geige sogleich zu begünstigen. Deshalb tritt die letztere daselbst als Soloinstrument nicht viel vor dem Schlusse des 18. Jahrhunderts in das zeitgemäße Stadium der Spezialkunst.
7Als eine der ersten bemerkenswerten Erscheinungen in dieser Beziehung ist, wie schon bemerkt wurde, Anton Wranitsky zu betrachten. Geboren 1761 im mährischen Marktflecken Neureisch, gest. 1819 in Wien, wurde er ursprünglich für das Studium der Rechte bestimmt, welches er zu Brünn betrieb. Doch war er seit seinem Kindesalter mit Musik beschäftigt, und namentlich widmete er sich eifrig dem
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