Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 627

Die Violine und ihre Meister, 1910

10 lines. Read by computer on 3 September 2026. Printed page 607. See the scan on archive.org.

1in England, wie anderwärts, die weit leistungsfähigere, aufstrebende Violine ihre Rivalinnen — mit Ausnahme der Viola da Gamba — überflügelte. Wesentlich maßgebend war hierfür die Erscheinung Balzars. Mit seiner damals unerhörten Technik stellte er nicht nur alle Konkurrenten in Schatten, sondern verschaffte auch seinem Instrumente die Grundlage zu späterem gebührendem Ansehen. Aber auch von berufener produktiver Seite wurde die gleiche Richtung unterstützt: Purcell war den Violen abgeneigt, und sein Einfluß tat viel dazu, sie zu antiquieren.
3Obwohl nun hierdurch der endliche Sieg der Violine bald entschieden sein mußte, fehlte es doch, gleichwie wir es in Frankreich früher sahen, auch hier nicht an Gegnern, die die Violen, besonders aber auch die Laute, vor der schönen Feindin zu beschützen und über sie zu erheben bemüht waren.
5Als die Verkörperung dieser Bestrebungen in England kann der Lautenist Thomas Mace gelten, der 1613 geboren wurde und 1709 (nach Hawkins), also in dem respektablen Alter von 96 Jahren, starb. Dieser ehrwürdige Mann bemüßigte sich in seinem 1676 publizierten „Musicks Monument“, speziell die Laute gegenüber der „scolding violin“ auf den Schild zu heben. Natürlich blieb sein Schelten ohne Erfolg.
7Schließlich sei in diesem Zusammenhange noch an Nicola Matteis (vgl. S. 188 d. B.) erinnert, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts nach London kam. Wenngleich nicht als erster, wie wir sahen, so doch als der erste hervorragende Violinist aus dem damals in dieser Hinsicht führenden Italien, hat auch er seinen Anteil an der der Violine in England fortan zugewendeten Gunst.
9War somit von der Mitte, spätestens dem Ende des 17. Jahrhunderts ab durch meist fremde Bemühung die Bahn frei, so vermochte dies doch nicht aus dem spröden englischen Materiale eine Reihe hervorragender Violinisten herauszubilden. Nur wenige englische Geiger von Bedeutung machten sich seither geltend, sei es nun, daß der reichliche Zufluß fremder, namentlich aber italienischer und deutscher Spieler seit Beginn des 18. Jahrhunderts das berufsmäßige Studium der Violine entbehrlich erscheinen lassen mochte, oder daß es an ausgezeichneten einheimischen Talenten für dieses Instrument fehlte. Tatsache ist es, daß eine Erscheinung ersten Ranges unter den englischen Geigern bisher nicht existiert hat.

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