Scan 58
Musical Courier 1895-02-27: Vol 30 Iss 781, 1895
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1geld zu entrichten. Dies betrug ungefähr jährlich für den Einzelnen 1 Thaler 12 Groschen. Der Innungsapparat war zudem damals recht kostspielig, was für die Freiheit ihres Gewerbes gewiss mit in's Gewicht gefallen ist. Diese Freiheit musste oft schwer vertheidigt werden gegenüber dem zünftigen Handwerk. Schon Pfalz hat in seiner Studie „Ein Wort über den Urkundenschatz der Handwerksladen“, von den Streitigkeiten erzählt, welche zwischen dem Leipziger Tischlerhandwerk und den dortigen Instrumentenmachern sich zutrugen. Aber nicht allein die Schreiner, sondern auch die Schlosser und Drehstler glaubten sich durch sie beeinträchtigt. Die Verfertiger von Klavieren waren in erster Linie den Tischlern ein Dorn im Auge. Indem sie einerseits behaupteten, dass der äussere Bau dieser Instrumente ausschliesslich der Innung und keinem Instrumentenmacher zustehe, suchten sie anderweitig zu verhindern, dass Tischlergesellen von Instrumentenmachern beschäftigt wurden. Auch zwischen den Verfertigern von Blasinstrumenten und Tischlern kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen jedes mal, wenn sie sich einfallen liessen, die Futterale u. s. w. ohne Mitwirkung des ehernen Tischlerhandwerks herzustellen. Durch obrigkeitliche Vermittlung wurde mit den Tischlern paktirt. Die Instrumentenmacher bezahlten 20 bis 30 Thaler an die Lade und ausserdem den regelmässigen Vierteljahresbeitrag. Sie blieben dann von der Innung unbehelligt und erhielten ihre Gesellen vom Handwerk zugesendet. Sie dürften aber an der Quartalszusammenkunft nicht persönlich theilnehmen, was in der Gesellenfrage namentlich mit Rücksicht auf Unterstützungsberechtigungen auch gute Gründe hatte. Ein loses äusseres Band hat dessen ungeachtet die Leipziger Blasinstrumentenmacher umschlungen. Eine Art freier Vereinigung bestand unter ihnen, welche „ihr Quartal“ hielt, bestimmte Normen für das Lehrlingswesen hatte und dergleichen mehr. Es war 1792 üblich, dass ein Lehrling sechs Jahre, und wenn er dem Lehrherrn ein Bett mitbrachte, fünf Jahre in der Lehre stehen musste. Verhielt sich der Lehrling gut und lernte zeitig etwas, so stand es dem Lehrherrn frei, jenem ein halbes, auch wohl nach Beenden ein ganzes Jahr von der Zeit zu erlassen. Losgesprochen wurde der Lehrling nicht. Der Lehrherr pflegte ihn nur „los zu geben“ und darüber einen Lehrbrief zu unterzeichnen. Es stand jedoch im Belieben eines jeden sich als selbständiger Meister niederzulassen. Wer sich geschickt dafür hielt, mochte Tongeräth verfertigen. Der Leipziger Instrumentenbau des 18. Jahrhunderts bildet so eine völlig abgeschlossene Periode gewerbfeissigen Schaffens. Er ging aber wenig über die Form handwerkmaessigen Kleinbetriebs hinaus und ist mit geringen Ausnahmen, als Lokal- und Reparaturgewerbe zu bezeichnen. Die Verfertigung von Blasinstrumenten in Holz und Blech nahm dagegen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts grössere Dimensionen an. 1770 konnte bereits von einem beachtenswerthen fabrikindustriellen Betriebe gesprochen werden. In der 1763 erschienenen „L. R. A. II. S. No. 1 Acta die allernädigst anbefohlene Untersuchung des Nahrungszustandes der Stadt Leipzig betreffend“, beklagen sich die Posamentierer, das eine Frau Schwabe, Hausierhandel mit Band betreibt und führen weiter aus: „Was der Schwabin ihr Ehemann ist, so kann selbiger nicht als ein armer Instrumentenmacher ästimirt werden, indem er das Holz, so dazu verarbeitet wird, ganze Frachtkästen Weise aus fremden Ländern kommen lässt, verleget andere damit, hat auch etliche Gesellen in und ausser dem Hause, ist aber nicht Bürger und steht nur unter dem Schutz . . . . „Im Jahre 1784 wird sowohl das Geschäft jenes Schwabe, wie das des Instrumentenmachers Krone unter den „Fabriken“ genannt, welche in Leipzig vorhanden waren. Ein zeitgenössischer Schriftsteller sagt darüber: „Da Fabriken blasender Instrumente anhietzo nicht häufig sind, so können die hiesigen immerhin als beträchtlich gehalten werden, ob sie gleich nur etliche dreissig Leute beschäftigen, zehn bis zwölf Lehrbursche abgerechnet . . . . Es werden in denselben alle Arten blasender Instrumente verfertigt, sowohl metallene wie hölzerne . . . In Messing können wöchentlich auf jeden Arbeiter zwei Hörner gerechnet werden, in Holz ist es aber wegen der zu grossen Verschiedenheit der Instrumente nicht zu bestimmen . . . . Die hier verfertigten Instrumente gehen meistenteils ausser Landes, und zum Theil in die entferntesten Gegenden von Europa . . . .“
3Dass Leipzig in diesem Fabrikationszweige in der That um jene Zeit Her vorragendes leistete, geht auch aus einer Besprechung Walther’s über das „Deutsche Posaunenmachergewerbe“ hervor, als dessen Hauptsitz er neben Nürnberg und Berlin noch Leipzig nennt. Die Art des Vertriebes der musikalischen Instrumente war eine dreifache. Die besseren Sorten wurden meistens auf Bestellung gearbeitet. Der Absatz der geringeren Arten erfolgte mittels Markt- und Messbesuches, auf dem Wege des Hausirhandels, sowie durch den Grosshändler, der auch die Rohmaterialien beschaffte („Verleger“). Als die Production sich dann vergrösserte, gewann auch für sie das Verlagsgeschäft Bedeutung. Und insofern, als sie sich nicht auf den Verkauf ihrer eigenen Waaren beschränkten, sind als Leipziger Händler die schon erwähnten Instrumentenmacher Krone und Schwabe zu nennen. Sie besorgten den „auswärtigen Debit“ und werden ausdrücklich als Verleger bezeichnet, weshalb sie auch unter der Kaufmannschaft figuriren. Was den Geigenbau anbetrifft, so repräsentirten die städtischen Meister damals mehr das Künstlerthum in diesem Zweige. Sie suchten, da sie in direktem Contact mit der musikalischen Welt standen, höhere Ansprüche zu befriedigen. Ihre Production ging nicht in’s Grosse, indem die Zahl ihrer Abnehmer nur eine beschränkte sein konnte. Da war zunächst die Geigen- und Lautenmacher-Familie Hoffmann, die Nachkommen des Veit Hoffmann aus Ilmenau. Sein Sohn Martin galt als „berühmter Lautenmacher.“ Dieser hatte zwei Söhne hinterlassen, von denen der ältere wie der Vater sich als Lautenmacher auszeichnete; der jüngere als Verfertiger von Geigen und Bässen noch heute mit Anerkennung genannt wird. Der Erstere, Johann Christian Hoffmann, wurde durch den Titel eines könig-
5In the year 1784 the business of this Schwabe as well as that of the instrument maker Krone are mentioned as factories. A contemporaneous writer says in regard to this: “As factories of wind instruments are at present not frequent, those here may be accounted as important, inasmuch as they give work to about thirty workmen, including ten or twelve apprentices. In those factories are made wood and metal instruments of all kinds. In brass it may be calculated that the weekly average is two horns for each journeyman, but, owing to the great variety of wood instruments, the result cannot be computed as well. The instruments which are made here are mostly sent to other countries, even to the farthest part of Europe.”
7That Leipsic was prominent at this time in the manufacture of this branch of industry is corroborated by Walther in his discourse on “Deutsche Posaunenmachergewerbe,” when he mentions Leipsic, besides Nuremberg and Berlin, as a chief manufacturing city. The way business was consummated was threefold. The better class goods were chiefly made on orders. The lower class goods were sold on market days and at fairs and by peddling; also through wholesale dealers, who generally furnished the raw material. When the production became considerable the wholesale dealers of course had to extend their business facilities. Among those who did not confine trade to their own production are the Leipsic manufacturers and dealers mentioned before, Krone and Schwabe. They dealt with other countries and are mentioned expressly as wholesale dealers, and rank among the merchant class. The masters of the city of Leipsic represented the art in the making of violins. They sought to satisfy the increasing demands for high-class work, having come in direct contact with the musical world. This production did not come into the wholesale trade, as the number of buyers was limited. We may mention the violin and harp makers Hoffmann, the descendants of Veit Hoffmann, of Ilmenau. His son Martin was accounted as a “celebrated harp maker.” He left two sons; the elder distinguished himself as a harp maker, as his father did before him; the younger is still remembered as a maker of violins and basses. The elder brother, Johann Christian Hoffmann, received the title “Royal Polish and Electoral Saxon Court Instrument and Harp Maker.” Through his friendly relations with Johann Sebastian Bach he had become known beyond the frontier. After him are mentioned as esteemed masters Chr. Friedrich Hunger and Joh. Sam. Fritzche. Vidal speaks of the former with enthusiasm: “His violins and violoncellos are constructed in the Italian style and may be placed on a par with the best productions in Germany.”
9Favorite names, among others, were the makers of wind instruments, Sattler, Pörschmann and the flautist Trommlitz. The organ builders, Zach, Hildebrand, Joh. Scheibe and Chr. Immanuel Schweinefleisch, were promoters of Leipsic’s great reputation for church music. Their names are closely connected with that of J. S. Bach. These flourishing times for Leipsic’s musical industries did not last long, as the Napoleonic wars brought everything to a standstill. This is shown when the city asked those musical instrument makers under its protection to pay the city taxes, by their reply: “Our business, which takes a prominent place among luxuries, has suffered much from the fall of the prices of our products.” Only a few of the masters remained domiciled at Leipsic on account of this; the wind and string industries received a severe blow in consequence. It proved different with a branch of the industry which was at that time in short dresses, so to speak—we refer to the piano builders. The smaller keyed instruments had been usually made by organ builders. It was not thought to be a paying investment to make a separate branch of piano building. Hence we hear them speak of the organ builders Hildebrand, Scheibe and Schweinefleisch as being the best German piano makers of the eighteenth century. There were also piano makers among the instrument and flute makers. We find this in the Leipsic city directory of 1782. This is further corroborated in regard to the Joiner’s Act and in the price list (1794) of “Die Clavieres, Pianofortes, &c.,” of the instrument maker, F. G. Schulze. It was in those days less a matter of originality in piano making than a more or less successful imitation of the mechanic Silbermann.
11The invention of the piano dates from the second decade of the century. It was based on producing strong and soft tones in conjunction with hammers and the “claves” of the ordinary key instruments (clavecin, clavichord, spinet, virginal, &c.), which are played by pulling the strings by means of brass picks or goose quills to effect sound waves. This invention by the organist Johann Gottlieb Schröter was first realized by Gottfried Silbermann, in Freiberg a S., who was styled court and state organ builder. The subsequent improvements were made in the southern part of Germany and in Vienna. Leipsic had nothing to do with this worth mentioning. The piano trade was limited mostly to exchanges with Austrian instruments. Among the most noted traders belonged the well-known firm, Breitkopf & Härtel. This house added to its articles of trade musical instruments, especially pianos, at the beginning of the second half of last century. Its piano trade developed from 1789 so that in 1805 it sold eighty-eight instruments at a price total of 18,904 thalers. This gave the then proprietor of the firm, Gottfried Christof Härtel, the idea to go into the piano manufacturing business on his own account. At about the middle of the year 1806 the first steps were taken toward the realization of this plan. On October 11, 1806, Viennese journeymen received at the new factory the first wages. The first piano, a wing shaped instrument of fine mahogany with six octaves, was received in Reval, where it realized 250 thalers. The second and third instruments were finished in the same year, and thousands have been made since then. This trade, under the auspices of the wealth and power of the firm of Breitkopf & Härtel, has become of great
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