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Scan 404
Musik-Lexikon, 1884
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1zum Borgeiger, als Kreuzer die Direktion übernahm. Von 1806 bis zur vorübergehenden Schließung des Konservatoriums (1815) dirigierte H. beinahe allein die Konzerte des Konservatoriums, obgleich damals die mit dem ersten Preis ausgezeichneten Schüler alternieren sollten; bei der Neubildung der Konzertgesellschaft des Konservatoriums 1828 übernahm er definitiv die Direktion, und ihm danken die Konservatoriumskonzerte ihren Weitruß. 1821—24 fungierte er als Direktor der Großen Oper, wurde sodann zum Violinprofessor und Generalinspektor des Konservatoriums sowie unter Pensionierung Kreuzers zum Kapellmeister der Großen Oper ernannt, welche Stelle er bis 1846 bekleidete. H. war ein ebenso vortrefflicher Lehrer wie Dirigent; seine Schüler sind unter andern Alard und Léonard. Er publizierte nur wenige Kompositionen: 2 Violinkonzerte, 3 Duos concertants für zwei Violinen, je 1 Opus Variationen für Streichquartett und für Orchester, 1 Notturno für zwei Violinen über Motive der »Diebischen Geister«, 3 Kapricen für Violinsolo mit Bass, Polonäse für Violine und Orchester und Phantasie für Klavier und Violine.
3Haberbier, Ernst, ausgezeichneter Pianist, geb. 5. Okt. 1813 zu Königssberg, gest. 12. März 1869 in Bergen (Norwegen) während eines Konzerts am Klavier; ging 1832 nach Petersburg, wo er als Konzertspieler und Lehrer (unter andern der Großfürstin Alexandra) großen Erfolg hatte, unternahm von 1850 ab größere Konzertreisen, auf denen er durch eine seitdem sehr beliebt gewordene technische Eigentümlichkeit Aufsehen machte, nämlich durch das Verteilen von Passagen und Figuren an beide Hände; 1852 kehrte er nach Russland zurück, wo er abwechselnd zu Petersburg und Moskau lebte.
5Haberl, Franz Xaver, geb. 12. April 1840 zu Oberellenbach (Niederbayern), wo sein Vater Lehrer war, besuchte das bischöfliche Knabenseminar in Passau, empfing 1862 die Priesterselhe, war 1862—67 Musikpräfekt an den Seminaren zu Passau, 1867—70 Organist einer deutschen Kirche in Rom und ist jetzt seit 1871 Domkapellmeister zu Regensburg. H. ist einer der besten lebenden Kenner der katholischen Kirchenmusik und ihrer Geschichte und hat seinen dreijährigen Aufenthalt in Rom zu umfangreichen litterarischen und bibliographischen Studien benutzt. Er gab heraus: »Magister choralis« (theoretisch-praktisches Handbuch des Gregorianischen Kirchengesangs, seit 1863 in fünf Auflagen), besorgte die Redaktion der von der Congregation der Riten in Rom edierten Choralbücher des liturgischen Gesangs (Graduale und Antiphonarium romanum), begründete 1875 in Regensburg eine Schule für katholische Kirchenmusik, rebigiert seit 1876 den »Cäcilienkalender«, übernahm nach Proskess Tode die Fortsetzung der Herausgabe der »Musica divina« und seit 1879 diejenige der von de Witt und Espagne begonnenen Palestrina-Ausgabe von Breitkopf u. Härtel. Durch Gründung eines Palestrina-Bereins und vollständige Sammlung der bisher unbekannten Werke Palestrinas aus den römischen Archiven nimmt diese Ausgabe den Charakter einer monumentalen Gesamtausgabe an und wird etwa nach 10 Jahren in 30 Bänden vollendet sein. H. ist Mitarbeiter verschiedener kirchenmusikalischer Zeitschriften und lieferte bis 1876 auch den »Monatsheften für Musikgeschichte« Beiträge.
7Hadibrett (Cimbal, ital. Cembalo, franz. Tympanon, engl. Dulcimer), ein altes Saiteninstrument, wie es scheint deutschen Ursprungs, da es in Italien zeitweilig Salterio tedesco genannt wurde, was wohl zugleich darauf deutet, daß das frühmittelalterliche Psalterium (Saltirsanch, Rotta) wie das H. gespielt wurde. Mit seinem heutigen Namen finden wir aber das H. wenigstens schon zu Anfang des 16. Jahrh. bei Birdung und M. Agricola (s. d.), welche ihm freilich ebensowenig wie 100 Jahre später Praetorius irgend welche Bedeutung beilegen. Das H., ein platter, trapezförmiger Schallkasten, mit Stahlsaiten bezogen, die mit zwei Hämmerchen (für jede Hand eins) geschlagen werden, ist der Vorläufer unseres heutigen Piano-
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