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Scan 436

Musik-Lexikon, 1884

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1»Verlorenem Paradies« zusammengestellten Gebicht und die »Jahreszeiten« nach dem Gedicht Thomsons, beide übertragen von van Swieten. Die »Schöpfung« wurde 29. und 30. April 1798, die »Jahreszeiten« 24. April 1801 zuerst aufgeführt (im Palais des Fürsten Schwarzenberg). Allmählich stellten sich nun die Gebrechen des Alters bei H. ein; seine Arbeitskraft ließ nach, und er vermochte in den letzten Jahren nur selten sein Zimmer zu verlassen. Er starb wenige Tage nach dem Einrücken der Franzosen in Wien; für sein dem Kaiser und dem Vaterland treu ergebenes Gemüt war die feindliche Okkupation ein bitterer Schmerz. Haydns außerordentliche Bedeutung in der Geschichte der Musik ist die des Schöpfers der modernen Formen der Instrumentalmusik, für welche er freilich in Ph. E. Bach einen wackern Vorläufer hatte. Ein charakteristisches Moment seiner Musik ist der Humor, eine harmlose Fröhlichkeit, welche auch durch Tränen lächelt. Grausen und Entsetzen, weltschmerzliche Grübelei und andre unsehr neuesten Komponisten geläufige Nachbilder des menschlichen Empfindens suchen wir bei ihm vergebens. Sein Verdienst ist es ferner, die Orchesterinstrumente individualisiert und zum selbständigen Reden gebracht zu haben. Es sind nicht nur Töne, Akkorde, was wir in seinen Symphonien hören, sondern lebende Wesen von verschiedenartigem Charakter und Temperament, die eine lebhafte Konversation führen. Die Zahl der Werke Haydns ist eine sehr große; eine Gesamtausgabe existiert noch nicht. Symphonien schrieb H. nicht weniger als 125 (inkl. der Ouvertüren), die ersten außer dem Streichorchester nur für 2 Oboen und 2 Hörner, die großen englischen für Streichorchester, Flöte, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten und Pauken. Durch besondere Namen sind bekannter: die Symphonie »Mit dem Paukenschlag« (1791), die »Mit dem Paukenwirbel« (1795), die »Orford-Symphonie« (1788), die »Abschiedssymphonie« (1772), »La chasse« (1780), die »Kindersymphonie« u. a. Auch die Instrumentalpassion: »Die sieben Worte am Kreuze (für Madrid geschrieben) gehört ursprünglich zu den Symphonien (später für Streichquartett und von Michael H. auch als Oratorium arrangiert); ferner rechnete H. selbst zu den Symphonien die zahlreichen (66) Divertissements, Kassationen, Sextette &c. Dazu kommen 20 Klavierkonzerte und Divertissements mit Klavier, 9 Violinkonzerte, 6 Cellokonzerte und 16 Konzerte für andre Instrumente (Kontrabass, Bariton, Lyra, Flöte, Horn), 77 Streichquartette, 35 Trios für Klavier, Violine und Cello, 3 Trios für Klavier, Flöte und Cello, 30 Trios für Streichinstrumente und andre Kombinationen, 4 Violinsonaten, 175 Stücke für Bariton (s. d.), 6 Duette für Solovioline und Bratsche, 7 Notturnos für Lyra (s. d.), ferner Menuette, Allemanden, Märsche &c. An die Spitze der Vokalwerke sind die beiden Oratorien: »Die Schöpfung« und »Die Jahreszeiten« zu stellen; außerdem schrieb er noch ein Oratorium: »Il ritorno di Tobia«, 14 Messen, 2 Tebeums, 13 Offer- torien, ein Stabat Mater, mehrere Salve, Ave, geistliche Arien, Motetten &c., einige Gelegenheitskantaten, darunter »Deutschlands Klage auf den Tod Friedrichs d. Gr.«, für eine Solostimme mit Bariton. Am wenigsten bekannt ist noch, daß H. auch Opern komponierte; die meisten derselben waren freilich für die immerhin nur beschränkten Verhältnisse des Eisenstädter, resp. Esterhazer Marionettentheaters bestimmt, und H. selbst wünschte nicht, daß dieselben anderweit zur Aufführung gelangen. Nur eine: »La vera constanza«, war für das Wiener Hoftheater geschrieben, die Aufführung wurde aber hintertrieben; die verlorene geglaubte autographe Partitur hat sich 1879 unter den Manuskripten wiedergefunden, welche das Pariser Konser- vatorium bei der Auflösung des Théâtre italien erwarb. In London begann H. 1794 einen »Orfeo«, ließ ihn aber unbeendet. Außer den 24 Opern schrieb er noch eine Reihe einzelner Arien, eine Soloszene (»Ariadne auf Naxos«), 36 Lieder, je eine Sammlung schottischer und walisischer Lieder, breitstimmig mit Pla-

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