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Scan 536
Musik-Lexikon, 1884
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1gehen oft schon dem Studium der Harmonielehre und meist dem des Kontrapunkts Kompositionsversuche freierster Art voraus, und gar mancher kommt zu jenen gründlichen Schulstudien überhaupt nie, bleibt darum aber auch zeitlebens nur ein ungezügeltes Talent. Unsere großen Meister haben sehr ernsthafte Schulstudien gemacht, wenn auch nicht gerade streng nach dem jetzt gültigen Schema. Gewöhnlich versteht man unter Kompositionslehre die gesamte Lehre des musikalischen Satzes, so daß darunter die Harmonielehre, die Lehre von der Melodie und vom Rhythmus, der Kontrapunkt und die musikalische Formenlehre begriffen werden; im engern Sinn aber ist die Kompositionslehre im Gegensatz zu den mehr den früheren Stadien der musikalischen Ausbildung angehörigen theoretischen Einzeldisziplinen der höchste und letzte Schultursus, die Lehre vom Schaffen musikalischer Kunstwerke, dessen Ausgangspunkt die musikalische Formenlehre bildet. Die Vorschriften der Kompositionslehre sind weniger rein technischer als allgemein ästhetischer Natur. Nicht mit Unrecht unterscheidet man daher eine Grammatik der Tonkunst und eine musikalische Ästhetik; Teile jener sind Harmonielehre und Kontrapunkt, während die Kompositionslehre im engern Sinn angewandte Ästhetik ist. Vgl. Formen, Ästhetik, Harmonielehre, Kontrapunkt, Rhythmus &c. Die großen Lehrbücher der K. von Reicha, Fétis, Marx, Lobe u. a. umfassen die sämtlichen genannten Einzeldisziplinen in gesonderten Leihen.
3Kompositionslehre, s. Komposition.
5Kondakten heißen die Windführungen von der Windblase zu den auf besondere Pfeifenbänke gestellten größten Pfeifen, die auf der Lade nicht Platz haben. Die K. sind gewöhnlich zinnerner Röhren von geringem Durchmesser.
7Königslöw, Otto Friedrich von, geb. 14. Nov. 1824 zu Hamburg, ein vortrefflicher Violinvirtuose, erhielt die erste musikalische Ausbildung von seinem Vater, der aber nicht Fachmusiker war, sowie kurze Zeit von Fr. Pacius und Karl Hasner, besuchte 1844—46 das Leipziger Konservatorium als Schüler Davidß (Violine) und Hauptmannß (Theorie), machte 1846—58 Kunstreisen, ist seit April 1858 als Konzertmeister der Gürzenichkonzerte sowie als Violinlehrer an der Rheinischen Musikschule zu Köln angestellt und jetzt mit dem Titel königlicher Professor Vizebirektor der Anstalt.
9Koning, David, geb. 19. März 1820 zu Rotterdam, gest. 6. Nov. 1876 in Amsterdam; bemerkenswerter Komponist und Pianist, Schüler von Alois Schmitt in Frankfurt a. M. (1834—38), 1839 von der Niederländischen Musikgesellschaft für eine Ouvertüre (Op. 7) preisgekrönt, ließ sich 1840 zu Amsterdam nieder und übernahm die Direktion des Chorvereins Musae. Vorübergehend lebte er auch in London, Paris und Wien, kehrte aber immer nach Amsterdam zurück, wo er auch zehn Jahre lang Sekretär und später Präsident des Vereins Cæcilia war und als Musiklehrer sehr geschätzt wurde. Von seinen Kompositionen sind noch hervorzuheben: ein »Domine, salvum fac regem« mit Orchester (Op. 1), mehrere Streichquartette und Klaviersonaten, Etüden, Lieder (»Zuleika«), Chorgesänge für Männerstimmen, Frauenstimmen und gemischten Chor, Konzertsezen, eine komische Oper: »Das Fischemädchen« (preisgekrönt), die »Elegie auf den Tod eines Künstlers« (Op. 22), Choräle (vierstimmig) &c. Auch übersetzte er ein theoretisches Werk: »Beknopte handleiding tot de kenniss van de leerstellingen der toonkunst«, aus dem Englischen von C. C. Spandler.
11Konservatorium (ital. Conservatorio, franz. Conservatoire, engl. Conservatory) nennt man die größern Musikschulen, auf welchen die Schüler unentgeltlich oder gegen ein mäßiges Honorar eine große Anzahl Musikstunden erhalten und zu Komponisten, Lehrern, Virtuosen oder doch Orchesterspielern ausgebildet werden. Der Name K. stammt aus dem Italienischen, ist aber von Haus aus keineswegs darum gewählt, weil diese Anstalten die echte, wahre Kunst »konservieren« sollen, sondern conservatorio heißt im Italienischen »Bewahranstalt«, »Pflegehaus«, »Waisenhaus«; die ersten Konservatorien
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