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Scan 537
Musik-Lexikon, 1884
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1waren in der That nichts andres als Waisenhäuser, in denen die dafür beauftragten Kinder musikalisch ausgebildet wurden, so in dem 1537 gegründeten Conservatorio Santa Maria di Loreto zu Neapel, ferner den drei auch noch im 16. Jahrh. in Neapel entstandenen Sant'Onofrio, Della pietà und Dei poveri di Gesù Cristo. Die ältesten Musikschulen Benebigs hießen nicht Conservatorio, sondern Ospedale (Hospital) und zwar Della pietà, Dei mendicanti, Degl' incurabili und San Giovanni e Paolo (Ospedaletto, nur für Mädchen). Die drei ältesten neapolitanischen Musikschulen (die vierte ging bald ein) wurden gegen Anfang dieses Jahrhunderts vereinigt; 1813 wurde der Anstalt der Name Real collegio di musica beigelegt. In neuerer Zeit sind in Italien noch viele andre Konservatorien entstanden, deren wichtigstes das 1809 gegründete Mailänder (Real conservatorio di Milano) ist (andre zu Bologna, Florenz, Turin &c.). Unter als diese, überhaupt das älteste außeritalienische K. ist das Conservatoire de musique zu Paris, gegründet 1784 unter dem Namen Ecole royale de chant et de déclamation zur Heranbildung von Opernsängern, 1793 zum Institut national de musique erweitert, seit 1795 unter seinem heutigen Namen, nur in der Restaurationszeit vorübergehend wieder als Ecole royale de chant et de déclamation. Dieses K. ist der Organisation nach das großartigste aller existierenden und genießt eines ausgezeichneten Renommées. Die hervorragendsten Musiker Frankreichs schäzen es sich zur Ehre, als Professoren am K. zu fungieren; Direktoren waren seit der Gründung: Sarrette, Cherubini, Auber, Ambroise Thomas; derzeitige Professoren sind außer A. Thomas unter andern: Dubois, Bazin, Mathias, Palabilhe, Massenet &c. Eine Studienkommission (Comité des études), aus den bedeutendsten Professoren zusammengesetzt, regelt den Gang des Unterrichts und hat für jedes Fach eine sorgfältig ausgearbeitete Methode herausgegeben. Für Schüler, welche sich auszeichnen, existieren in den einzelnen Klassen Preise; der höchste Kompositionsspreis ist ein Staatspreis, der große Römerpreis (grand prix de Rome), das Stipendium für einen dreijährigen Aufenthalt in Italien, während dessen der Stipendiat von Zeit zu Zeit Kompositionen als die Zeugnisse seines fleißigen Studiums an die Akademie einzureichen hat. In den größern Provinzialhauptstädten Frankreichs sind sogen. Sukkursalen (Zweiginstitute, Filialen) des Konservatoriums errichtet (zu Marseille, Toulouse, Nantes, Dijon, Lyon, Rouen). Ein gleichfalls schon älteres Institut von vortrefflicher Tendenz und Organisation ist das K. zu Prag, eröffnet 1. Mai 1811 unter Direktion von Dionys Weber, später von Kittl und dann von Joseph Krejci geleitet (Instrumentalschule und Gesangschule; außer dem praktischen und theoretischen Musikunterricht werden gelehrt: Religion [katholisch], deutsche Grammatik, Geographie, Geschichte, Arithmetik und Kalligraphie, dazu noch in der Oberabteilung Stil und Litteratur, Mythologie, Metrik, Ästhetik, Geschichte der Musik, französische und italienische Sprache; der Instrumentalunterricht erstreckt sich auf alle Orchesterinstrumente; vgl. Ambros, Das K. in Prag, 1858). Das K. der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wurde als Singschule 1. Aug. 1817 unter Salieri eröffnet, 1819 kam eine Violinschule hinzu, und 1821 wurde die Anstalt zu einem wirklichen K. erweitert. Erster eigentlicher Direktor (vorher leitete ein Komitee die Anstalt) wurde G. Preyer 1844—48, sein Nachfolger ist bis heute J. Hellmesberger; von berühmten Lehrern seien noch genannt: J. Böhm, J. Merk, S. Sechter, Frau Marchesi, Herbed. Die Anstalt genießt eines vortrefflichen Rufs und ist sehr besucht (1879 742 Schüler; vgl. K. F. Pohl, Die Gesellschaft der Musikfreunde &c., 1871). Jahrzehntelang nahm unter allen deutschen Konservatorien die erste Stelle das von Mendelssohn gegründete K. zu Leipzig ein (eröffnet 2. April 1843). Die ersten Lehrer der Anstalt waren keine Geringern als Mendelssohn, Schumann, Ferd. David, M. Hauptmann, L. Plaiby,
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