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Scan 555
Musik-Lexikon, 1884
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1»Gradus ad Parnassum« (Präludien und Fugen als Vorschule für Bachs Orgel- und Klavierwerke) sowie seine zahlreichen Orgelwerke (Vorspiele, Nachspiele, Fugen, Konzert = Doppelfuge, Fantasia eroica &c.), seine »Kunst des Vorspiels für Orgel« (Op. 6) und die »Theoretisch-praktische Harmonie- und Ausweichungslehre« (1838, für den Selbstunterricht).
3Ruhnau, Johann, geboren im April 1667 zu Geising in Sachsen, gest. 5. Juni 1722 zu Leipzig; war Kreuzschüler und Ratsbiskantist in Dresden, floh aber 1680 vor der Pest in seine Heimat, war einige Zeit Kantor zu Zittau, 1684 Nachfolger Kühnels als Organist an der Thomaskirche in Leipzig und 1700 Universitätsmusikdirektor und Thomaskantor. J. S. Bach wurde sein Nachfolger. R. war nicht nur ein vortrefflicher Musiker, sondern hatte auch Sprachen und Jurisprudenz studiert und übersetzte aus dem Griechischen, Hebräischen &c. Seine erhaltenen Kompositionen sind: »Neue Klavierübung« (1689 u. 1695, 2 Teile); »Frische Klavierfrüchte oder sieben Sonaten von guter Invention &c.« (1699) und »Musikalische Vorstellungen einiger biblischen Historien in sechs Sonaten auf dem Klavier zu spielen« (1700). R. nimmt in der Klavierliteratur eine bedeutende Stellung ein als der erste, welcher den Titel Sonaten für Klavierwerke brauchte; der Stil derselben ist aber noch nicht der »galante« eines Ph. E. Bach. Die musikalischen Schriften Ruhnau's sind: »Jura circa musicos ecclesiasticos« (1688); »Der musikalische Quadralber« (1700, Satire auf die italienische Musik). Manuskript blieben: »Tractatus de tetra-chordo« und »Introductio ad compositionem musicalem«.
5Ruhreigen (Ruhreichen, franz. Ranz des vaches), schweizer. Nationalmelodie, ursprünglich Gesangs- oder Schalmeimelodie der Alpenhirten, die indes im Lauf der Zeit in den verschiedenen Kantonen verschiedene Gestalt angenommen hat. Charakteristisch ist das Hin- und Hergehen in den Lönen des selben Akkords, welches eine gute Wirkung bei der Vervielfachung durch das Echo ermöglicht.
7Rullat, 1) Theodor, geb. 12. Sept. 1818 zu Protoschin in Posen, wo sein Vater Landgerichtssekretär war, zeigte früh musikalisches Talent und erregte die Aufmerksamkeit des Fürsten A. Rabziwill (s. d.), welcher seine Ausbildung durch Agthe in Posen überwachte und auch vermittelte, daß R. mit elf Jahren in einem Hostouzert zu Berlin als Pianist auftrat. Der Tod des Fürsten zerstörte die musikalischen Zutunftspläne, R. besuchte das Gymnasium zu Züllichau und ging 1837 nach Berlin, um Medizin zu studieren. Hier fand er seinen alten Lehrer Agthe wieder als Inhaber eines Musikinstituts, und es dauerte nicht lange, so war er wieder ganz im musikalischen Jahrwasser, erteilte Klavierunterricht und studierte unter Dehn Harmonie. 1842 setzte er seine Musikstudien unter Czerny, Gedter und Nicolai in Wien fort, und 1843 wurde er nach einer erfolgreichen Konzerttour durch Österreich zu Berlin als Musiklehrer der Prinzessin Anna, Tochter des Prinzen Friedrich Karl, angestellt und nicht lange danach als Musiklehrer sämtlicher Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses. 1846 erfolgte seine Ernennung zum Hospianisten. 1850 begründete er mit J. Stern und A. B. Marx das Berliner (Sternsche) Konervatorium, trat aber 1855 von der Mitdirektion zurück und begründete die Neue Akademie der Tonkunst, welche 1880 ihr 25jähriges Bestehen mit 100 Lehrern und über 1000 Schülern feierte. R. ist nicht nur ein vorzüglicher Pianist, sondern auch ein Lehrer ersten Ranges; seine »Schule des Octavenspiels« (Op. 48) ist ein Werk, das heute kaum ein Pianist übergeht. Auch seine »Materialien für den Elementarklavierunterricht« (3 Hefte) und der »Praktische Teil zur Methode des Pianofortespiels von Moscheles und Fétis« (2 Hefte) sind vortreffliche Unterrichtswerke. Die Gesamtzahl seiner bisherigen Kompositionen (1880) ist 126 Werke, zumeist dem Genre der Salonmusik und der brillanten Paraphrasen, Phantasien &c. für Pianoforte angehörig; doch schrieb er auch eine Klaviersonate (Op. 7), eine »Symphonie de piano« (Op. 27), Klavierkonzert (Op.
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