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Scan 386
Musik-Lexikon, 1887
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1Zeit darin, G. alle Erfindungen abzusprechen, wie man ihm ehemal alles und jedes, auch die Erfindung des Klaviers, ja der Musik überhaupt zusprach. Seine Verbesserung der Notenschrift ist unbestreitbar; die Mensuralnote (s. d.) hat er freilich nicht erfunden, sondern setzte auf sein Linienystem entweder die (viel älteren) Tonbuchstaben selbst (so in seinen Traktaten) oder Reumen. Die Erfindung der Solmisation (s. d.) ist ihm gleichfalls abgesprochen worden; durch seinen Brief an den Mönch Michael ist aber verbirgt, daß er sich des Versus memorialis „Ut queant laxis etc.“ bediente, um die Intervalverhältnisse eines zu studierenden Gesangs klar zu machen; es liegt kein Grund vor, zu bezweifeln, daß er dieselbe auch auf die transponierte Skala von f aus (mit b) anwandte. Eine Erfindung von solcher Bedeutung wie die der Lehre von der Transposition (Mutation) würde ihren Schöpfer ebenso berühmt gemacht haben wie G., wenn nicht dieser selbst es gewesen wäre. Bereits der nicht viel über ein halbes Jahrhundert nach G. blühende Johannes Cotto schreibt G. sowohl die Mutation als die „harmonische Hand“ (s. Guidonische Hand) zu. Ganz bestimmt hat dagegen G. nicht daran gedacht, die Buchstabennamen der Töne durch die Silbennamen ut re mi etc. zu ersetzen. Das war zweifellos erst eine Folge der allgemeinen Gewöhnung an die Mutation. Guidos Schriften sind: „Micrologus de disciplina artis musicae“ nebst einem der Vorrede vorausgeschickten Brief an den Bischof von Arezzo (deutsch von Raym. Schlecht i. d. Monatsh. s. M.-G. V, 135 und von Hermesdorff); „Regulae de ignoto cantu“ (Prolog zu Guidos mit Linten notiertem Antiphonar); „Epistola Michaeli Monacho de ignoto cantu directa“ (samtlich abgedruckt bei Gerbert, „Script.“ II, 2—50). Nicht echt, aber nur wenig jünger als G. sind wahrscheinlich die „Musicae Guidonis regulae rhythmicae“, der „Tractatus correctorius multorum errorum, qui fiunt in cantu Gregoriano“ und „Quomodo de arithmetica procedit musica“ (dass.). Monographien über G. schrieben Angeloni, Ristori, Riefewetter u. a., sowie neuerdings: M. Falchi, Studi su Guido Monaco (1882), eine bedeutsame Arbeit, und J. A. Lans, Der Kongreß von Arezzo (1882). Ein Denkmal von Salvini wurde 2. Sept. 1882 in Arezzo enthüllt.
3Guido von Châlis (de Caroli loco), i. Gui de Châlis.
5Guidonische Hand (harmonische Hand), ein mechanisches Hilfsmittel für die Schüler der Solmisation (s. d.), das darin bestand, daß jedem Fingergelenk und auch den Spitzen der Finger die Bedeutung eines der 20 Töne des dermaligen Systems von Γ (Gamma, unserm groß G) bis e (unserm e“, vgl. Buchstabentonschrift) beigelegt wurde, von denen der 20. (e) über der Spitze des Mittelfingers schwebend gedacht wurde (er kam selten vor). Hatten die Schüler die Hand inne, so konnten sie im vollen Sinn des Wortes die Intervalle und Stälen an den Fingern abzählen. Vgl. Guido von Arezzo.
7Guilmant (spr. gil'mang), Alexandre, franz. Organist und Komponist, geb. 12. März 1837 zu Boulogne sur Mer, machte seine Studien zuerst bei seinem Vater, dann bei Carulli und später bei dem belgischen Orgelspieler Lemmens und wurde schon mit 16 Jahren als Organist, mit 20 als Kapellmeister und Lehrer am Konservatorium in seiner Vaterstadt angestellt. Bei der Einweihung der Orgeln von St.-Sulpice und Notre Dame in Paris erregte sein Spiel solches Aufsehen, daß er 1871 daselbst als Organist an Ste.-Trinité angestellt wurde. Außerordentliche Erfolge erzielte er durch seine Konzertreisen in England, Italien und Russland (Riga), ferner durch seine Konzerte im Trocadero während der Pariser Weltausstellung von 1878. Durch seine Kompositionen (Symphonie für Orgel und Orchester, vier Sonaten und viele Konzertstücke etc. für Orgel, ein Chorwerk: Belzazar u. a.) hat G. dem Orgelspiel neue Seiten abgewonnen; seine Werke sind geistvoll, und er entlockt den modernen Orgeln Klangwirkungen, die bisher vollständig unbekannt waren.
9Guiraud (spr. ghiro). Ernest, geb. 23. Juni 1837 zu New Orleans, wo sein Vater (Jean Baptiste G., 1827 Nö-
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