Books › Musik-Lexikon, 1887 › scan 404
Scan 404
Musik-Lexikon, 1887
8 lines. Read by computer on 10 September 2026. No printed page number was found. See the scan on archive.org.
1Bedeutung der Harmonien (Akkorde), d. h. die Erklärung der Entwörgänge beim musikalischen Hören; indem die H. die verschiedenen möglichen Arten von Zusammenklängen klassifiziert, ihren Beziehungen zu einander nachspürt und die natürlichen Gesetze der musikalischen Formgebung, speziell der harmonischen Satzbildung, zu entwickeln versucht, übt sie in systematischer Weise das musikalische Vorstellen und entwickelt die Fähigkeiten des Geistes sowohl für das schnellere Verstehen der Tonwerke als für das eigene produktive Denken in Tönen. Sofern das musikalische Denken (das Vorstellen oder Auffassen von Tönen) denselben Gesetzen unterliegt wie jedes andre Denken, und sofern ein mehr oder minder strenger Kausalnexus zwischen den erregenden Schallschwingungen und den Tonempfindungen und weiter zwischen den Tonempfindungen und musikalischen Vorstellungen statuiert werden muß, ist bis zu einem gewissen Grad eine exakte Theorie der Natur der Harmonie möglich; die Aufstellung eines sogen. Systems der H. ist deshalb nur in äußerlichen Dingen, in der Terminologie und Anordnung der Teile x., etwas von der Willkür Abhängiges. Wie aber die Erkenntnis der Natur der Harmonie allmählich wächst und sich vertieft, so muß auch die H. allmählich ihr Aussehen verändern, zumal das eigentliche Objekt der Betrachtung, die praktische Musikübung, in steter Fortentwicklung zu komplizierten Bildungen begriffen ist. — Von der hier definierten (spekulativen) H., die ein Stück Philosophie und Naturforschung ist, muß die durchaus für die Praxis berechnete Lehre des musikalischen Satzes unterschieden werden, welche gewöhnlich gleichfalls H. genannt wird. Die meisten Lehrbücher der Harmonie in diesem Sinn geben über die Natur der Harmonik gar keine oder nur sehr unzureichende Aufflüsse und dienen ausschließlich dem Zweck, in empirischer Weise die Kunst der Akkordverbindung und Stimmsführung weiter zu vererben. Bgl. Generalbas und Kontrapunkt. — Das Hauptproblem der spekulativen H. ist die Definition und Erklärung der Konsonanz und Dissonanz; hier hat schon das klassische Altertum wesentlich vorgearbeitet und die grundlegenden Bestimmungen der mathematischen Akustik endgültig aufgedeckt (s. Intervall). Die kontrapunktische und harmonische Musik führte allmählich zur Erkenntnis der Bedeutung der konsonanten Dreiklänge; Zarlino (1558) kannte bereits die gegensätzliche Bedeutung des Durakords und Mollakords und gibt keinen Anhalt dafür, daß er sie entdeckt. Rameau (1722) bemerkte zuerst, daß wir die einzelnen Töne im Sinn von Akkorden verstehen, und daß Akkorde umgekehrt einheitlich in ihrer Beziehung auf einen Ton aufgesetzt werden; dies Prinzip, in Rameaus »Lehre vom Fundamentalbass« noch etwas verworren, ist in neuerer Zeit zu völliger Klarheit entwickelt (Helmholtz' »Auffassung im Sinn der Klangvertretung«). Es ist nur ein kleiner Schritt weiter zu der Erkenntnis, daß alle Zusammenklänge im Sinn konsonanter Akkorde verstanden werden, so daß die dissonanten nicht als selbständige Gebilde, sondern als Modifikationen konsonanter Akkorde erscheinen (s. Dissonanz). Endlich sind auch tonleiterartige Gänge im Sinn von Akkorden aufzufassen (s. Tonleiter). Bgl. auch: Klang, Tonverwandtschaft, Klangschlüssel, Klangfolge, Tonalität, Modulation, Kadenz. Wirkliche »Harmonielehren« in dem hier skizzierten Sinn sind: Fétis' »Traité de l'harmonie« (11. Aufl. 1875), Hauptmanns »Natur der Harmonik und der Metrik« (2. Aufl. 1873), A. v. Ottingens »Harmoniesystem in dualer Entwicklung« (1866), Tiersch' »System und Methode der H.« (1868), Hostinskys »Lehre von den musikalischen Klängen« (1879), Riemanns »Musikalische Syntax« (1875), »Harmonielehre« (1880), »Neue Schule der Melodik« (1883) und »Systematische Modulationslehre« (1887)
3Harmoniemusik, s. Harmonie 4).
5Harmonietrompete, ein zu Anfang dieses Jahrhunderts gebautes, zwischen Horn und Trompete stehendes Instrument, das mit Erfolg die Anwendung gestopfter Töne gestattete. David Buhl schrieb eine Schule für H.
7Harmonika, Kinderspielzeug, bestehend aus einer Reihe Zungenpfeifen, die mit dem Mund angeblasen werden (Mundharmonika). Bgl. Glasharmonika, Ziehharmonika und Strohsiedel (Holzharmonika).
The computer misreads some letters and numbers. Where a name matters to you, read the scan.