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Scan 416
Musik-Lexikon, 1887
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1promotion in Oxford entging er nicht (8. Juli 1791); während der Zeremonie wurde die darum so genannte »Oxford-Symphonie« gespielt. Auch die zweite Saison verlief außerordentlich glänzend. Zu bemerken ist, daß auch die Professional-Konzerte sich 1791 wie 1792 am H.-Kultus auss lebhafteste beteiligten, indem sie ihnen zugängliche, bereits veröffentlichte Werke des Meisters aufführten und mit den Salomon-Konzerten bestens rivalisierten. 1792 zog man zwar Haydns Schüler Pleyel nach London, der H. Konkurrenz machen sollte; doch kam es nicht zu einem Konflikt. Ende Juni 1792 wandte sich H. endlich auf Drängen des Fürsten Esterhazy und seiner Frau, die in Wien durchaus ein Haus kaufen wollte, zur Heimreise; in Bonn, wo ihm die kurfürstliche Kapelle ein Frühstück gab, lernte er den jungen Beethoven kennen, der bald darauf sein Schüler wurde. Von Bonn reiste H. nach Frankfurt, wohin ihn sein Fürst zur Kaiserkrönung Franz II. befohlen hatte, und kehrte mit diesem Ende Juli nach Wien zurück; dort war unterdessen der mit H. befreundete Mozart gestorben (5. Dez. 1791). Beethoven langte im November 1792 an und genoß Haydns Kompositionsunterricht bis zur zweiten englischen Reise. Der im Ausland so gefeierte H. wurde nun auch in seinem Vaterland mit Ehren überhäuft. Am 19. Jan. 1794 trat er auf Salomons neues Zureden die zweite Reise nach London an und verbrachte wiederum zwei Konzertfaisons in der englischen Hauptstadt, die Zwischenzeit auf Landsitzen &c. und reiste im August 1795 über Hamburg, Berlin und Dresden nach Wien zurück. Unterdessen hatte ihm Graf Harraich in seinem Geburtsort Rohrau ein Denkmal mit seiner Büste errichten lassen. Haydns Rückkehr war übrigens beschleunigt worden durch Fürst Nikolaus Esterhazy (Fürst Paul Anton war 22. Jan. 1794 gestorben), welcher die Kapelle wieder einrichtete und H. die Kapellmeisterfunktionen wieder übertrug. Noch war dieser nicht auf dem Höhepunkt seines Künstlerruhms angelommen. Im Alter von über 65 Jahren schrieb er die »Schöpfung« und die »Jahreszeiten«, seine beiden größten Werke; beide sind auf Überzeugungen englischer Dichtungen komponiert, die »Schöpfung« nach einem für Händel von Lidley aus Miltons »Verlorenem Paradies« zusammengestellten Gedicht und die »Jahreszeiten« nach dem Gedicht Thomsons, beide übertragen von van Swieten. Die »Schöpfung« wurde 29. und 30. April 1798, die »Jahreszeiten« 24. April 1801 zuerst aufgeführt (im Palais des Fürsten Schwarzenberg). Allmählich stellten sich nun die Gebrechen des Alters bei H. ein; seine Arbeitskraft ließ nach, und er vermochte in den letzten Jahren nur selten sein Zimmer zu verlassen. Er starb wenige Tage nach dem Einrücken der Franzosen in Wien; für sein dem Kaiser und dem Vaterland treu ergebenes Gemüt war die feindliche Okkupation ein bitterer Schmerz. Haydns außerordentliche Bedeutung in der Geschichte der Musik ist die des Schöpfers der modernen Formen der Instrumentalmusik, für welche er freilich in Ph. G. Bach einen wackern Vorläufer hatte. Ein charakteristisches Moment seiner Musik ist der Humor, eine harmlose Fröhlichkeit, welche auch durch Tränen lächelt. Grausen und Entsetzen, weltschmerzliche Grübelei und andre unsern neuesten Komponisten geläufige Nachtbilder des menschlichen Empfindens suchen wir bei ihm vergebens. Sein Verdienst ist es ferner, die Orchesterinstrumente individualisiert und zum selbständigen Reden gebracht zu haben. Es sind nicht nur Töne, Akkorde, was wir in seinen Symphonien hören, sondern lebende Wesen von verschiedenartigem Charakter und Temperament, die eine lebhafte Konversation führen. Die Zahl der Werke Haydns ist eine sehr große; eine Gesamtausgabe existiert noch nicht. Symphonien schrieb H. nicht weniger als 125 (inkl. der Ouvertüren), die ersten außer dem Streichorchester nur für 2 Oboen und 2 Hörner, die großen englischen für Streichorchester, Flöte, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten und Pauken. Durch besondere Namen sind bekannter: die Symphonie »Mit dem Paukenschlag« (1791), die »Mit dem Paukenwirbel« (1795), die »Oxford-Symphonie« (1788), die »Abschiedssymphonie« (1772), »La chasse« (1780), die »Kindersymphonie« u. a. Auch die Instrumentalpaßion: »Die
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