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Scan 492

Musik-Lexikon, 1887

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1wurde = unserm d, d. h. der Grundton des 1. Kirchentones späterer Ordnung, die der abendländischen nachgebildet wurde. Bryennius hat auch eine Nomenklatur der byzantinischen Kirchentöne älterer Ordnung mit den Namen der antiken griechischen Tonarten überliefert; in demselben trägt der Kirchenton den Namen, der, wie die Abstände ausweisen, der antiken Transpositionstala entspricht, auf deren Grundtone er ruht (c—c' dorisch, d—d' phrygisch, e—e' lydisch, f—f' mixolydisch &c. Eine ähnliche nur schlechter motivierte Verschiebung der Bedeutung der Namen entstand nun auch im Abendlande (zu erst bei [Pseudo-] Rotker und [Pseudo-] Huc- bald) indem man eine Stelle des Ptolemaüs verkehrt verstand und was der selbe über die Tonhöhenlagendifferenzen der Transpositionstalens sagt, irrtümlich auf die Oktavengattungen bezog.
3Die abendländischen Kirchentöne sind: 1) Der erste Kirchenton oder der erste authentische (Authentus protus) DEFG abc'd (unser: defgahc'd'), seit Huchald der dorische Ton genannt (Dorius). 2) Der zweite oder plagale erste (Plagius proti, plagis proti, plaga proti; lateralis, subjugalis proti) ABCDEFGa (= AH cdefga), der hypodorische (Hypodorius). 3) Der dritte oder zweite authentische (Authentus deuterus) EFGabcde (= efgahc'd'e'), der phrygische (Phrygius). 4) Der vierte oder plagale zweite (Plagius etc. deuteri) BCDEFGa'b'c' (= Hcdefgah), der hypophrygische (Hypophrygus). 5) Der fünfte oder dritte authentische (Authentus tritus) FGabcdef (= fgahc'd'e'f'), der lydische (Lydius). 6) Der sechste oder plagale dritte (Plagius triti) CDEFGa'b'c' (= cdefgahc'), der hypolydische (Hypolydius). 7) Der siebente oder vierte authentische (Authentus tetartus) Gabcdefg (= gahec'd'e'f'g'), der mixolydische (Mixolydius). 8) Der achte oder plagale vierte (Plagius tetarti) DEFGabc'd'c' (= defgahc'd'), der hypomixolydische (Hypomixolydius, seit dem 11. Jahrh.). Die plagalen Töne (2., 4., 6., 8.) galten als bloße Verschiebungen der authentischen, sie hatten den Hauptton (Schlussston, Finalis) nicht als Grenzton der Oktave, sondern in der Mitte, als vier-
5ten Ton; Finalis des 1. und 2. Tons ist also D, des 3. und 4. E, des 5. und 6. F. des 7. und 8. G. Der 8. und 1. sind deshalb keineswegs identisch. Keiner der vier authentischen Töne hat den Schlusston C oder A; es fehlen daher die beiden Tongeschlechter, welche heute die einzigen sind, (C) Dur und (A) Moll. Das 16. Jahrh., welches zuerst die Prinzipien der Harmonie begriff (vgl. Bartino) und den Weg zu den modernen Tonarten fand, stellte deshalb zwei neue authentische Töne nebst ihren plagalen auf, den fünften authentischen ionischen edefgahc', und den sechsten authentischen äolischen abc'd'e'f'g'a'. (auch modos peregrinus genannt) sowie den plagalen fünften oder hypoionischen GAHcdefg und den plagalen sechsten oder hypoäolischen efgahc'd'e', so daß nun 12 R. existieren (vgl. Glareans »Dodekachordon«). Der siebente authentische Ton, der lotrische (s. d.), kam nie zu Bedeutung. Vgl. folgende Übersicht:
71. Dorisch. 2. Hypodorisch.
93. Phrygisch. 4. Hypophrygisch.
115. Lydisch. 6. Hypolydisch.
137. Mixolydisch. 8. Hypomixolydisch.
159. Ionisch. 10. Hypoionisch.
1711. Äolisch. 12. Hypoäolisch.

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