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Scan 554

Musik-Lexikon, 1887

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1drängt (vgl. Orchester). Was die L. von der Guitarre unterschied, war einmal die ganz abweichende Form des Schallkastens: die L. hatte keine Zargen, sondern war unterwärts gewölbt (etwa wie ein halber Kürbis, wie die heutige Mandoline); ferner hatte die L. eine weit größere Anzahl von Saiten, von denen 5 Paar und eine einzelne (die höchste, für die Melodie) über das Griffbrett lagen, die übrigen aber (die Basssaiten [zuletzt 5], welche nur als leere Saiten benutzt wurden) neben dem Griffbrett lagen. Diese Basschorden kamen zu Ende des 16. Jahrh. auf. Die Stimmung der L. variierte nach Zeit und Art sehr: die verbreitetsten Stimmungsarten im 16. Jahrh. waren: G c f a d' g', oder A d g h e' a', im 17.—18. Jahrh. A d f a d' f' und für die Basschorden (G) F E D C. Eine kleinere Art der L. war im 16. Jahrh. die Quinterne (Chiterna, d. h. Guitarre), welche im Bau der L. gleich war, aber nur vier Saitenchöre hatte: im 17. Jahrh. wurde die Quinterne bereits, wie die heutige Guitarre, flach gebaut. Das Bestreben, den Tonumfang der L. zu erweitern, führte zuerst zur Einführung der Basschorden, die von dem im stumpfen Winkel nach oben gebogenen Hals mit dem Wirbeltasten aus direkt nach dem auf dem Resonanzboden befestigten Saitenhalter lagen; um aber noch längere Saiten zu gewinnen, rügte man den Wirbeltasten für die Basschorden etwas über den für die Griffsaiten hinaus, so daß etwa in der Mitte des einen der andre anging (Theorbe), oder man bog erit jenseit des ersten Wirbeltastens den Hals nach oben zurück und brachte in seiner Verlängerung den zweiten für die Basssaiten an (Archiliuto, Erzlaute), oder man trennte endlich beide Wirbeltasten noch durch einen mehrere Fuß langen Hals (Chitarone). Man notierte für die L. und ihre Abarten nicht mit der gewöhnlichen (Mensural-) Notenschrift, sondern mit besonderer Buchstaben- oder Ziffernschrift, welche nicht die Tonhöhe, sondern den Griff bezeichnete (Lautentabulatur); doch waren die Lautentabulaturen Frankreichs, Italiens und Deutschlands verschieden: die Italiener, denen wir ja auch die Generalbassbezeichnung ver-
3danken, bedienten sich der Zahlen, die Franzosen und Deutschen der Buchstaben. Dabei rechneten Italiener und Franzosen zunächst immer halbtonweise auf der selben Saite weiter, die Deutschen dagegen ebenso quer über alle Saiten weg, d. h. die Italiener und Franzosen, welche auf Linien notierten, welche die Saiten vorstellten (die Italiener nahmen für die höchste Saite die tiefste von 6 Linien, die Franzosen die höchste von 5), bezeichneten mit 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 X X X (ital.), resp. a b c d e f g h i k l (franz.) eine jede leere Saite (0, a) und die nächstfolgenden zwölf, resp. zehn in Halbtonabständen auf der selben zu greifenden Töne, z. B. bei der Stimmung G c f a d' g':
5dagegen numerierten die Deutschen die leeren Saiten mit 1 1 2 3 4 5 (=Adghe'a') und sodann in derselben Weise querüberlaufend über die fünf höchsten Saiten mit a b c d e f g h i k l m n o p q r s t v x y z z 9 a b c d zc., also:
75 e k p v 9 e
84 d i o t z d
93 c h n s j o
102 b g m r y b etc.
111 a f l q x a f
13so daß die obige chromatische Tonfolge ausgedrückt wurde durch:
154 d i o t z
163 c h n s j o h n
17(2. Saite) g m r y b g m
19(Die übereinander stehenden Buchstaben und Zahlen bedeuten denselben Ton; vgl. übrigens die Beispiele unter »Tabulatur«).
21Für die tiefsten Saiten bedient man sich verschiedener Notierungsarten; Gerle (1545) notiert ähnlich wie die Italiener mit 1 2 3 4 5 6 7 8 9 (aber nicht 0, sondern 1 für die leere Saite) für die

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