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Scan 604
Musik-Lexikon, 1887
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1Militärmarsch zu siegen, wodurch er hohe Protektionen gewann und zum Offizier à la suite eines Husarenregiments ernannt wurde; die dadurch gewonnene Muße zum Komponieren benutzte er zunächst zu Arbeiten für Militärmusik, schrieb aber 1771 eine Oper: »L'amoureux de quinze ans«, die in der Italienischen Oper durchschlug. Er wurde Kapellmeister des Prinzen Condé, dann des Grafen von Artois und erkaufte sich die Anwartschaft auf die Stelle des königlichen Obermusikintendanten. Die Revolution vernichtete diese Aussichten, dagegen wurde M. 1794 in die Studienkommission des Konservatoriums und für eine der Inspektorstellen gewählt. 1802 verlor er bei der Reduktion der Lehrerzahl seine Stelle. Die Restauration (1814) brachte ihm endlich die Intendantenstelle ein. Martinis Kompositionen sind: 12 Opern, von denen 9 (darunter »L'amoureux etc.«, »La bataille d'Ivry«, »Droit du seigneur«, »Sappho« und »Zinéo« gebrucht) aufgeführt wurden, 2 Festmessen, 2 Requiem, 6 zweistimmige Psalmen mit Orgel und andre Kirchenstücke, 6 Quartette für Flöte mit Streichtrio, 12 Trios für zwei Violinen und Cello, 6 Streichquartette, Divertissements und Notturnen für Klavier, zwei Violinen und Cello &c. Auch seine Militärmusikstücke erschienen im Druck. — 3) M. lo Spagnuolo, s. Martin y Solar.
3Marx, Adolf Bernhard, berühmter Musiktheoretiker und Ästhetiker, geb. 15. Mai 1799 zu Halle, gest. 17. Mai 1866 in Berlin; war der Sohn eines Arztes, studierte Jurisprudenz, wurde auch als Referendar am Oberlandesgericht zu Naumburg angestellt, ging aber bald nach Berlin und widmete sich ganz der Musik, für welche er früh Talent gezeigt hatte. Bereits in Halle hatte er tüchtige theoretische Studien unter Türk (s. b.) gemacht und in Naumburg sogar zwei Opern gedichtet und komponiert. In Berlin studierte er unter Beier weiter, bestritt durch Privatunterricht seinen Unterhalt und begründete 1824 die »Berliner Allgemeine Musikalische Zeitung« (Schlesinger), die er bis zu ihrem Eingehen (Ende 1830) mit Umsicht und einretend für die großen deutschen Meister redigierte. 1827 promovierte er zum Dr. phil. an der Universität Marburg, hielt sodann Vorlesungen über Musik an der Berliner Universität und wurde 1830 zum Professor und 1832 auch zum Universitätsmusikdirektor ernannt. 1850 begründete er mit Kullak und Stern das noch heute bestehende (Sternsche) Konservatorium der Musik, erteilte Kompositionsunterricht an dieser Anstalt, zog sich aber 1856 zurück (Kullak war schon 1855 ausgetreten und hatte die »Neue Akademie der Tonkunst« gegründet) und beschränkte sich seitdem auf seine Tätigkeit an der Universität und als Privatlehrer der Komposition. M.'s Kompositionen haben sich nicht als lebensfähig erwiesen (Oper »Jery und Bately«, 1827 im Berliner Opernhaus; Melodram »Die Rache wartet«, Text von W. Alexis, im Königstädtischen Theater 1829; Oratorien: »Johannes der Täufer« und »Moses«, Liedercyklus »Nahid und Omar«, eine Symphonie, eine Klaviersonate, Lieder &c.). Auch sein Choral- und Orgelbuch, seine »Kunst des Gesangs« (1826) und seine Chorgesangschule haben wenig Effekt gemacht. Seine Bedeutung liegt in seinen Schriften zur Theorie und Ästhetik der Musik; dieselben verraten Logiers Einfluss, verarbeiten übrigens dessen Ideen in selbständiger Weise (Marx übersetzte Logiers Generalbassschule ins Deutsche): »Die Lehre von der musikalischen Komposition« (1837—47, 4 Bde.; bis jetzt in 8., 6., 5. und 4. Auflage erschienen. Eine Neubearbeitung durch H. Riemann ist unter der Presse); »Allgemeine Musiklehre« (1839, 9. Aufl. 1875); Über Malerei in der Tonkunst (1828); Über die Geltung Händelscher Sologesänge für unsre Zeit (1829); »Die alte Musiklehre im Streit mit unserer Zeit« (1842); »Die Musik des 19. Jahrhunderts und ihre Pflege« (1855); »Ludwig van Beethovens Leben und Schaffen« (1858, 3. Aufl. 1875); »Gluck und die Oper« (1863, 2 Bde.); »Anleitung zum Vortrag Beethovenscher Klavierwerke« (1863); »Erinnerungen aus meinem Leben« (1865, 2 Bde.).
5Marxsen, Eduard, geb. 23. Juli 1806 zu Rienstädt bei Altona, wo sein Vater Organist war, studierte unter die-
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