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Scan 617

Musik-Lexikon, 1887

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1nicht rechtzeitig zur Hochzeit seiner Schwester Fanny nach Berlin zurückkehren konnte und noch einige Zeit am Stöcke gehen musste. 1830 unternahm er eine längere Reise nach Italien, wandte sich von dort nach Paris (1832), wo er an der Cholera erkrankte, und nach London, wo er die unterdessen beendete Hebridenouvertüre dirigierte und das G moll-Konzert und H moll-Capriccio spielte. Auch gab er hier das erste Heft »Lieder ohne Worte« heraus. Während dieser Zeit starben ihm sein liebster Jugendsfreund Eduard Rieß, sein Lehrer Zelter und Goethe, den er noch auf der Reise nach Italien mehrere Wochen lang besucht hatte. Nach Berlin zurückgekehrt, arrangierte er Konzerte zum Besten des Orchesterpensionsfonds und führte die Sommernachtstraumouvertüre, Hebridenouvertüre, »Meeresstille und glückliche Fahrt«, die Reformationssymphonie, das G moll-Konzert und H moll-Capriccio vor. Seine Bewerbung um die Nachfolge Zelters als Dirigent der Singakademie blieb erfolglos (s. Rungenhagen). 1833 wurde ihm die Direktion des niederrheinischen Musikfestes zu Düsseldorf übertragen; von dort aus besuchte er London wieder, um bei Moscheles' Sohn Felix Pate zu stehen, und dirigierte seine »italienische« Symphonie, kehrte nach Düsseldorf zurück, wo er als städtischer Musikdirektor engagiert worden war und zwei Jahre blieb, und dirigierte 1835 noch das Musikfest in Köln. Unterdessen aber hatte er das Engagement als Kapellmeister der Gewandhauskonzerte in Leipzig angenommen, das er im August 1835 antrat. Seine seltene Direktionsbegabung, seine umfassende musikalische Bildung und seine Bedeutung als schaffender Künstler machten ihn schnell zum Zentrum des Leipziger musikalischen Lebens und Leipzig wiederum zum Zentrum des Musiklebens in ganz Deutschland, ja Europa. Das Institut der Gewandhauskonzerte stieg zu einer Höhe des Ruhms, die es vordem nie erreicht hatte und nach seinem Tod nur mit Mühe behaupten konnte. Kräftige Unterstützung fand er vor allem in Ferdinand David (s. d.), den er 1836 als Konzertmeister nach Leipzig zog. 1836 ernannte ihn die Universität zum Dr. phil. honoris causa. In diese Zeit fällt auch die erste Aufführung seines »Paulus« (Düsseldorf 22. Mai 1836). Das Jahr 1837 bezeichnete einen Markstein in seinem Leben, da er sich 28. März mit Cäcilie Charlotte Sophie Jeanrenaud, der Tochter eines hugenottischen Geistlichen, vermittelte, die mit ihrer Mutter in Frankfurt lebte. Die Ehe war eine glückliche, und ihr entsprochenen fünf Kinder: Karl, Marie, Paul, Felix und Lili. 1843 begründete er mit dem Kreisdirektor v. Falkenstein, Hofrat Keil, Musikalienhändler Kistner, Advokat Schleiniz und Stadtrat Seeburg als Direktoren und Moriz Hauptmann, Robert Schumann, F. David und Chr. A. Pohlenz als ersten Lehrkräften unter dem Protektorat des Königs von Sachsen das Konservatorium der Musik zu Leipzig, das bald zu einer Blüanzstätte ersten Ranges wurde. Die petuniäre Grundlage des Unternehmens bildete ein Legat (Blümner) von 20,000 Thlr., über das der König zu Kunstzwecken zu verfügen hatte. Wiederholt versuchte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, M. nach Berlin zu ziehen. 1841 nahm M. auf ein Jahr Engagement an und siedelte vorübergehend nach Berlin über, brachte die auf Wunsch des Königs komponierte Musik zu »Antigone« zur Aufführung, kehrte aber bald in seinen Leipziger Wirkungskreis zurück. Auch 1842, wo er zum königlichen Generalmusikdirektor ernannt wurde, und ebenso 1845 verweilte er nur kurze Zeit in Berlin und dirigierte Aufführungen der Musiken zu »Ödipus« und »Athalia«. Er verblieb, kurze Abwesenheiten zu Konzertzwecken abgerechnet (Winter 1844—45 in Frankfurt a. M.), in Leipzig; durch den unerwarteten Tod seiner geliebten Schwester Fanny erschüttert, starb er nur wenige Monate nach dieser. Die Verdienste Mendelssohns sind durch die Angriffe, welche nicht ohne eine gewisse Berechtigung auf eine Seite seines Schaffens gemacht wurden, nämlich auf die zum Sentimentalen hinneigende Melodiosität, welche seine Epigonen einseitig nachahmten, über Gebrühr in Schatten gestellt worden; M. war nicht nur ein gottbegnadeter schöpferischer Genius, dessen Werke noch heute den Zu-

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