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Scan 751

Musik-Lexikon, 1887

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1dingteste Anerkennung abzwang. P. hatte die Oper in drei Wochen geschrieben, und sie trägt den Stempel frischer, freier Erfindung. Eine Neuerung Piccinis war die Einführung ausgeführterer, aus mehreren Szenen zusammengesetzter Finales mit Tempo- und Tonartwechsel; auch die Form des Duett's erweiterte er und gestaltete dasselbe dramatischer. Das Publikum von Rom ist unberechenbar und manzelmütig; P. sollte das bitter erfahren, da ihn die Römer 1773 plötzlich fallen ließen und Anfossi, dem er bedeutend überlegen war, auf den Schild erhoben. Vor Aufregung darüber erkrankte P., und er gelobte sich, Rom nicht wieder zu betreten.
3Einen Wendepunkt in Piccinis Leben bildet seine Übersiedelung mit Weib und Kindern nach Paris (1776) auf spezielle Einladung der Königin Marie Antoinette durch La Borde und den neapolitanischen Gesandten Grafen Caraccioli; P. sollte dort französische Opern komponieren und erhielt einen Gehalt von 6000 Frank, Vergütung der Reisekosten und freies Logement. Marmontel bearbeitete für P. einige Quinault'sche Texte neu (reduzierte sie auf 3 Akte) und machte ihn nach Möglichkeit mit der Prosodie der französischen Sprache vertraut. Die erste Frucht dieser gewiß für P. peinvollen Arbeit war »Roland« (1778). P. war eine ehrliche, gutmütige Natur und lebte glücklich im Kreise seiner Familie; Intrige war ihm fremd, er wußte wohl kaum, daß der Eifer, mit dem eine starke Partei für seine Erfolge arbeitete, zum größten Teil der Bekämpfung der Reformen Gluds galt, wenigstens hat er sich persönlich in dem Streite der Gludisten und Piccinisten völlig passiv verhalten. Trotz aller Gegenbemühungen der Gludisten ging der »Roland« mit ausgezeichnetem Erfolg in Szene. Gesündere Triumphfeiern feierte P., als noch in demselben Jahr eine italienische Truppe engagiert wurde, welche in der Großer Oper abwechselnd mit der französischen spielte; P. wurde zum Direktor der Italiener ernannt und fand Gelegenheit, seine besten italienischen Opern: »Le finte gemelle«, »Cecchina«, »La buona figliuola maritata« und »Il vago disprezzato, aufzuführen, in denen nicht der Zwang einer fremden Sprache seine Phantasie gelähmt hatte. Doch der Kampf war noch nicht zu Ende. Die Verwaltung der Großen Oper schürte den Brand neu, als sie Glud und P. gleichzeitig beauftragte, die Oper »Iphigénie en Tauride« zu komponieren; Gluds Werk wurde schon 1779 gegeben, und P. war unklug genug, seine Komposition zu vollenden; er erlebte 1781 zwar keine Niederlage, aber doch eine sehr kühle Aufnahme. Dem Riesen Glud war er nicht gewachsen. Vorher hatte er noch die französischen Opern: »Phaon« (Choisy 1778, auf einer Reise des Hof's), »Le fat méprisé« (Comédie italienne 1779), »Atys« (Große Oper 1780) zur Aufführung gebracht. Ein neuer Rival erstand P. nach Gluds Rückkehr nach Wien in Sacchini: mit »Adèle de Ponthieu« (1781), »Didon« (1783; in neuer Ausgabe mit »Roland« bei Breitkopf u. Härtel, vgl. Cambert), »Le dormeur éveillé« und »Le faux lord« (sämtlich 1783) erhielt er sich noch auf der Höhe der Situation; dagegen hatte er mit »Lucette« (1784), »Diane et Endymion« (1784), »Pénélope« (1785) und »Le mensonge officieux« (1787) entschiedenen Mißerfolg und eine Neubearbeitung der »Adèle de Ponthieu« (1786), »L'enlèvement des Sabines« (1787) und »Clytemnestre« (1787) gelangten überhaupt gar nicht zur Aufführung.
5Der Charakter Piccinis zeigte sich darin im schönsten Lichte, daß der selbe keinerlei Bitterkeit gegen Sacchini wie Gluck empfand und nach des ersteren Tod 1786 an seiner Leiche eine Lobrede hielt, sowie nach Glucks Tod 1787 eine große Gedächtnisfeier zu veranstalten suchte, die leider nicht zustande kam. 1784 war P. zum Professor an der Ecole royale de chant et de déclamation (aus der 1794 das Konser-vatorium hervorging) ernannt worden. Diese Stellung verlor er durch die Revolution und kehrte schleunigst nach Neapel zurück, wo er vom Hof gut aufgenommen wurde und noch einige neue italienische Opern schrieb; aber die Verheiratung einer seiner Töchter mit einem republikanisch gesinnten Franzosen brachte ihn bei Hof in Ungnade, so daß er sogar Hausarrest bekam. 1798 kehrte er zunächst allein nach Paris zurück, ließ aber seine Familie bald nachkommen und fand zunächst wieder ein-

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