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Scan 383
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870
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1und starb ebendaselbst im J. 1506. Er war ein eben so berühmter und gefeierter Lautenspieler am Hofe des Herzogs Borsius zu Ferrara, als geschickter Arzt und gelehrter Naturforscher. Ihm zu Ehren dichtete Phil. Beroaldus ein Epigramm, in dem A. über Orpheus, Amphion, Arion u. s. w. gestellt wird, und goss der berühmte Maler Boldù 1457 eine Medaille, wohl die älteste auf Musiker. (Vgl. Echo 1868, Nr. 51 und Tonhalle 1869, Nr. 33.)
3Avondano, Pietro Antonio, um den Beginn des vorigen Jahrhunderts zu Neapel geboren und etwa 1786 gestorben, war ein tüchtiger Violoncellist und ein sehr angesehener, fruchtbarer Componist, dessen Werke noch zu Anfang unseres Jahrhunderts in Ansehen standen. Von ihm wurden in Deutschland die Opern »Berenice« und »Il mondo della luna«, so wie die Oratorien »Gioa, rè di Giuda« und »La morte d'Abele« aufgeführt, eben so waren seine Duette für Violine und Violoncell beliebt. Die Partituren beider eben genannten Oratorien befinden sich im Manuscript auf der königl. Bibliothek zu Berlin.
5Avesani, Orfeo, Organist zu Viadana, im Gebiete von Mantua, und zu seiner Zeit (im 17. Jahrhundert) berühmt als Contrapunktist und Kirchencomponist. Von ihm Messen, Psalme und fünfstimmige Kirchenconzerte.
7Ayrer, Jakob, ein aus Hans Sachs' Schule hervorgegangener Dramatiker und zugleich der älteste deutsche Singspieldichter. Wahrscheinlich in Bamberg geboren, verliess er der Religion wegen seine streng katholische Vaterstadt und wendete sich nach Nürnberg, wo er kaiserl. Notarius und der Gerichte Procurator wurde, als welcher er den 26. März 1605 starb. A.'s Fastnachtspiele gewinnen ihre Bedeutung dadurch, dass einige derselben zugleich die ersten Versuche im deutschen Singspiele sind. Diese »singets Spile« haben die Eigenthümlichkeit, dass sie durchgehends in einer und derselben Strophenform, meistens in »des Rolands Thon« gedichtet sind. Das beste und lebhafteste derselben ist das »Von dem Engellendischen Jann Posset, wie er sich in seinen Diensten verhalten«.
9Ayrton, Edmund, sehr angesehener englischer Kirchencomponist, wurde im J. 1734 zu Ripon in Yorkshire geboren, und, da er frühzeitig musikalische Talente bekundete, dem Dr. Nares, Organist an der Kathedrale zu York, zum Unterricht übergeben. Seine Fortschritte waren schnell und bedeutend, sodass er, noch sehr jung, bereits Organist und Chordirector zu Southwell wurde. Im J. 1764 ging er als Hilfsorganist an der Westminster-Abtei nach London, wurde darauf Mitglied der königl. Kapelle und Chordirector an der Paulskirche. Im J. 1784 erhielt er von der Universität zu Cambridge den musikalischen Doctorgrad und starb 1808. Seine zahlreichen Kirchencompositionen sind nur in England bekannter geworden.
11Azaïs, Pierre Hyacinth, geboren 1743 in einem Dorfe in Languedoc, lebte als Lehrer und Conzertdirector in Marseille und anderen Städten Frankreichs. Sein Werk »Méthode de musique sur un nouveau plan à l'usage des élèves de l'école royale militaire« (Paris, 1776) schaffte ihm einen grossen Ruf und die Stelle eines Musikmeisters an der königl. Militairschule zu Sorèze, in der er 17 Jahre lang verblieb. Er starb im J. 1796 zu Toulouse. In Deutschland waren von ihm Sonaten, Duos und Trios für Violoncell bekannt und beliebt.
13Azione sacra (ital.), geistliches Musikdrama, s. Oratorium.
15Azopardi, Francesco, italienischer Musikgelehrter des vorigen Jahrhunderts und eine Zeit lang Kapellmeister in Malta. Von ihm ein gediegenes Werk »Il musico pratico«, welches aber merkwürdiger Weise nicht im Original, sondern nur in einer französischen Uebersetzung von Fremery (Paris, 1786) bekannt geworden ist. A. soll auch eine Reihe Kirchencompositionen geliefert haben.
17Azpilcueta, Martinus, mit dem Beinamen Navarrus, geboren 13. Dec. 1491 zu Verasoin im Königreiche Navarra, war ein hervorragender Musikgelehrter, tüchtiger Jurist, so wie Priester und Canonicus. Er starb am 21. Juni 1586 zu Rom. In seinen gesammelten Werken befinden sich viele Aufsätze über Kirchenmusik, Instrumente und namentlich Orgel. Noch 1783 erschien zu Rom eine Schrift von A. »Il silenzio necessario nell'altare, nel coro ed altri luoghi, ove si cantano i divini uffizii«, ein unveränderter Abdruck der ersten, 1597 zu Venedig erschienenen Auflage.
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