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Scan 457
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für Gebildete aller Stände, unter Mitwirkung der Literarischen Commission des Berliner Tonkünstlervereins, so wie der Herren Musikdirector Billert, Concertmeister F. David … etc., 1870
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1bei Tacitus in der »Germania« vorkommende (corruptirte) Wort barditus (s. Barden), bei welchem man an den Schlachtgesang der keltischen Barden dachte und nun einen solchen auch bei den deutschen Barden annahm. Klopstock führte das Wort in die Dichtkunst ein und bezeichnete damit eine Gattung lyrischer, epischer und dramatischer Dichtungen, welche den wildkräftigen Ton germanischer Urzeit anschlugen. Die deutschen Dichter, welche nach Klopstock's Vorbild diese Art von B. bis zum Ueberdruss erschallen liessen, ahmten in affectirter Art meist auch die empfindsame Weichheit Ossian's nach, oder ihre Gesänge arteten in kunstloses Gebrüll aus, welches schon Hölty u. A. in Parodien verspotteten. Die ganze Gattung beruhte auf Unnatürlichkeit und Unwahrheit und stellte als Ideal die Zeiten deutscher Rohheit auf, welche bei ihrem Mangel an individuellen Zügen nicht interessiren konnten. Sie verschwand daher wieder so schnell, wie sie gekommen war.
3Bardin, ein geborener Franzose und Virtuose auf dem Serpent. Er war um 1790 Hofmusicus des Herzogs von Ossuna in Madrid und erregte Aufsehen und Bewunderung, indem er auf seinem nur mit einem Hornmundstück versehenen schwerfälligen Instrumente die schwierigsten Hornkonzerte eines Punto und Rosetti mit Leichtigkeit auszuführen verstand. Er starb im J. 1798 in Madrid.
5Bardon, Mr. d'Andri, ein französischer Tonkünstler oder Kunstfreund zu Paris, welcher eine Schrift, betitelt »L'impartialité« (Paris, 1753) veröffentlichte, durch die er vermittelnd in den damaligen Streit über die italienischen Buffonisten eintreten wollte.
7Bardone (ital.), s. Baryton. Auch ist B. die in Italien gebräuchliche Benennung für die Orgelstimme Bourdon (s. d.).
9Bardun, richtiger Bordun (s. d., so wie den Artikel Baryton).
11Bardus, der fingirte Name für den Urvater der Barden. Bei dem Unfug, welcher im 18. Jahrhundert mit der sogenannten Bardenpoesie (s. Barden und Bardiet) getrieben worden ist, kann es nicht Wunder nehmen, dass man auch auf die Abenteuerlichkeit und Abgeschmacktheit verfiel, Stammbäume des Bardengeschlechts aufstellen zu wollen.
13Baré, Leonhard, s. Barré.
15Barem nannte man in früherer Zeit eine sehr leise und weich intonirende, dabei angenehme Gedacktstimme der Orgel, die gewöhnlich von 2,5 Meter Länge gebaut wurde und ähnlich derjenigen erklang, welche jetzt Stillgedackt (s. d.) oder Musicirgedackt (s. d.) genannt wird.
17Bareta, Rodriano, geboren zu Cremona 1581, Sänger am Dome seiner Vaterstadt. Von ihm zwei Bücher fünfstimmiger Madrigale (Venedig, 1615).
19Barette, ein vorzüglicher französischer Gelehrter, dessen Lebenszeit in die Mitte des 18. Jahrhunderts fällt. Er hat Anmerkungen zu Plutarch's Dialog über die Musik (περὶ μουσικῆς) geschrieben, welche in den »Memoires de littérature de l'académie royale des inscript. et belles lettres P. IX« abgedruckt sind.
21Barettl, Antonio, Sohn des Architekten Luca B. und italienischer Kammermusikcomponist, wurde im J. 1720 zu Turin geboren. Von ihm gute Stücke für Klavier, Violine und Violoncell, Sonaten, Divertimente für zwei Violoncelle u. s. w. — Sein älterer Bruder Giuseppe B., geboren 22. März 1716 gleichfalls in Turin, war ein berühmter Dichter und Schriftsteller. Derselbe ging nach England und war 1772 Secretär der Akademie der bildenden Künste in London. Er starb daselbst am 5. Mai 1789. Sein Werk »Account of the manners and customs of Italy« (London, 1768, deutsch: Breslau, 1781, französisch: Genf, 1773) behandelt im 11. und 12. Capitel die italienische Oper. Auch in dem nicht minder interessanten Werke »Travels trough England, Portugal, Spain and France«, welches gleichfalls ins Deutsche (Leipzig, 1772) und Französische übersetzt ist, erörtert er vielfach musikalische Zu- und Gegenstände der durchreisten Länder.
23Bargaglia, Scipione, ein neapolitanischer Componist und Contrapunktist des 16. Jahrhunderts. Von ihm ein Instrumentalwerk mit dem Titel: »Trattimenti, ossia divertimenti da suonare« (Venedig, 1587), welches dadurch merkwürdig ist, dass man, wie Burney entdeckte, in demselben zum ersten Male das Wort »Concerto« angewendet findet.
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