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Scan 145
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1nicht übersehen werden, dass die Musik bei den Deutschen nur deshalb die grossartige künstlerische Pflege gewann, weil sie sich nicht an das nationale Bedürfniss einseitig anschloss, wie bei Italienern und Franzosen. Nur weil unsere deutschen Meister die Kunst als Selbstzweck betrachten und üben und nicht einseitig dem nationalen Bedürfniss der Massen unterordnen, gewinnt diese höchste Vollendung. Die altitalienische Kirchenmusik konnte deshalb keine höhere Bedeutung gewinnen, weil sie einseitig darauf gerichtet war, die geheimnissvolle Pracht des katholischen Kirchencultus zu erhöhen, und in derselben Weise diente und dient bis auf den heutigen Tag die französische und italienische profane Musik den niederen Zwecken des gemeinen Lebens. Unsere grossen deutschen Meister gestalteten dagegen in ihren Kunstwerken die höchsten und heiligsten Ideen, unbekümmert darum, ob sie damit auch einem Bedürfniss des Lebens genügten, und gewannen damit den einzig richtigen Kunststandpunkt. Dies hauptsächlich ist das charakteristische Merkmal der deutschen Musik, dass sie in ewig mustergültigen Formen ihre Ideale — worunter nicht das subjektive Gebilde einer überschwänglichen Phantasie, sondern die Gesammtsumme der Ideen zu verstehen ist, die zugleich die leitenden und wesentlichen des Lebens sind — darstellt. Die deutsche Musik ist von unseren Meistern immer nur in diesem Sinne als Kunst geübt worden, und deshalb ist sie nicht nationaler Beschränkung verfallen, mit Ausnahme einzelner einseitiger Bestrebungen, sondern sie ist universell geworden im besten Sinne.
3August Reissmann.
5Deutschmann, Jakob, berühmter deutscher Orgelbauer der neuesten Zeit, geboren am 25. Juni 1795 zu Wien, gestorben ebendaselbst am 11. März 1853 mit dem Titel eines kaiserl. königl. Hoforgelbauers und Physharmonicaerzeugers.
7Deuxième position (französ.), die zweite Fingerlage bei Behandlung von Saiteninstrumenten.
9Deux quarte (französ.), der Zweivierteltakt.
11Deuzinger, Johann Franz Peter, bairischer Tonkünstler, auch Deysinger geschrieben, welcher ein Buch, »Fundamenta partiturae, das ist: Unterricht für die Orgel und das Clavier« (Augsburg, 1788) veröffentlichte.
13Devasini, G., italienischer Componist der Gegenwart, der seine musikalischen Studien um 1840 auf dem Conservatorium zu Mailand vollendet und sich 1841 durch Musik zu Silvio Pellico’s Drama »Francesca da Rimini«, später durch die Oper »Un giorno di nozze«, sowie durch Ouvertüren (Sinfonien) und ein Sextett für Blasinstrumente vortheilhaft bekannt gemacht hat.
15Devadhâzi ist der indische Name für Bajadere (s. d.).
17Devecchi, geborene Cannabich, Sängerin bei der Oper zu Prag und Claviervirtuosin zu Ende des 18. Jahrhunderts, die nach ihrer Verheirathung im J. 1800 jedoch nur selten noch an die Oeffentlichkeit trat.
19Deventer, Matthys van, ein im Anfange des 18. Jahrhunderts in den Niederlanden ansässiger Orgelbauer, der 1726 zu Nymwegen in der lutherischen Kirche die Orgel, ein Werk mit 10 klingenden Stimmen und 3 Bälgen, baute. Dies Werk wurde 1756, um 2 Stimmen und 1 Balg vermehrt, neu ausgebaut.
21Devergie, François, Abt von Beauvais, veröffentlichte 1840 eine »Méthode du plain-chant.«
23Devicq, Eloy, trefflicher französischer Violinvirtuose, der Abkömmling einer altflandrischen Familie, wurde 1778 zu Douai geboren. Mit seinen Eltern musste er 1792 Frankreich verlassen und kam nach Hamburg, wo D. in das Theaterorchester trat, um die inzwischen mittellos gewordenen Seinigen zu unterstützen. Nebenbei ertheilte er Violin-Unterricht. Später ging er nach St. Petersburg und Moskau und vollendete die in Folge seiner stürmischen Jugendzeit versäumte letzte Ausbildung im künstlerischen Umgange mit Rode, Baillot und dem Violloncellisten Lamare. Im J. 1809 begab er sich in sein Vaterland zurück, verheirathete sich zu Abbeville und trieb seitdem die Musik nur noch zu seinem Vergnügen. Seine kunstfreundlichen Bestrebungen brachten die Pflege der Tonkuust in jener Stadt auf eine höhere Stufe und erwirkten die Gründung einer öffent-
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