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Scan 160
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1Flöte, später eine Geige angeschafft, auf welchen Instrumenten er Tag und Nacht unverdrossenübte. Als er 15 Jahr alt war, ging er mit einer Truppe von fahrenden böhmischen Musikanten auf die Wanderschaft und füllte als Tanzspieler die Stimme einer zweiten Violine aus. Bittere Noth zwang ihn, in der Schweiz diese Gesellschaft wieder zu verlassen, und er wäre vielleicht für die wirkliche Kunst verloren gewesen, wenn nicht damals ein edler jüdischer Gutsbesitzer sich seiner angenommen und erwirkt hätte, dass D. behufs höherer musikalischer Ausbildung das Conservatorium in München besuchen durfte. Dort wandte sich D. von der Violine zum Violoncello und bildete sich, hauptsächlich unter Müller’s Leitung, unterstützt von den seltensten musikalischen Anlagen und einem hellen Sinn, in kürzester Frist zum Virtuosen auf diesem Instrumente aus. Nach dreijährigem, von ausserordentlichem Erfolge gekrönten Studium gab er zuerst in Augsburg ein Concert, in dem er sofort Aufsehen erregte und wurde von einem kunstliebenden Nürnberger Fabrikherrn mit einem kostbaren Guarnerio-Violoncello beschenkt. Von dem Verlangen getrieben, es bis zum höchsten Gipfel auf seinem Instrumente zu bringen, ging er noch nach Weimar und liess sich von Bernh. Cossmann dem Ziele seines Strebens zuführen. Ein Artikel J. C. Lobe’s in der Gartenlaube (überschrieben »Ein Sennhirte« im Jahrg. 1870 No. 14) lenkte später die allgemeine Aufmerksamkeit auf D., der auf Empfehlung Cossmann’s hin vorerst 1866 einem Rufe als Professor an das Conservatorium in Moskau folgte und dort als Lehrer mit grossem Erfolg wirkte. Von Moskau aus unternahm er alljährlich grössere und kleinere Kunstreisen, namentlich nach Deutschland und England (1872 nach America) und hat sich den unbestrittenen Ruhmerworben, von den heutigen Violoncellovirtuosen einer der allerersten zu sein. Von einer Thätigkeit D.’s als Componist dagegen ist nichts bekannt geworden, und es dürfte nur anzuerkennen sein, wenn die Enthaltsamkeit auf dem Felde der Produktion aus einer richtigen Selbstbeurtheilung des Umfanges seiner Fähigkeiten hervorgegangen sein sollte.
3Diener, Ernst, berühmter deutscher Sänger, welcher um 1737 in der Hofkapelle zu Merseburg stand und sich auch als Componist grösserer Werke auszeichnete, von denen besonders eine Passionsmusik bekannt geblieben ist. — Ein Sänger der Gegenwart gleiches Namens, der noch in den Stadien der Entwicklung steht, scheint einer bedeutenden Zukunft entgegen zu gehen. Derselbe war in den Jahren 1869 und 1870 Violinist der Kroll’schen Theaterkapelle in Berlin, kam dann als Baritonsänger an das Hoftheater zu Dessau und bildete sich dort zum Tenoristen aus. Als solcher gastirte er 1871 in Berlin, ging dann nach Mainz und ist gegenwärtig in Köln engagirt. Trotzdem er mehrfach den Ruf an grosse Hofbühnen erhalten, hat er es vorgezogen, sich vorerst noch an kleineren Theatern Routine, Sicherheit und ein bedeutenderes Gesangsrepertoire zu erwerben.
5Diepaga heisst eine sehr geschätzte altindische einfache Râgina (s. d.), die eine nach unseren Begriffen unvollkommene Tonleiter verwerthet, indem ein Intervall ausfällt.
7Diepardhur ist die Benennung einer unregelmässigen Taktperiode der alten Inder, die sie durch die Zeichen oolSS andeuteten (s. Notation) und die mittelst Noten, wie folgt, versinnbildlicht werden kann:
9Diepvo, Anton Wilhelm, holländischer Trompetenvirtuose, geboren 1808 zu Amersfoort, liess sich, nachdem er sich mit grossem Erfolg auf Reisen öffentlich hatte hören lassen, in Paris nieder, wo er für das Orchester der Grossen Oper gewonnen wurde. Später wurde er zum Professor der Trompete am Conservatorium ernannt und schrieb als solcher eine brauchbare Trompetenschule.
11Dies, Albert Karl, ein deutscher Maler, geboren 1755 zu Hannover, machte sich auf musikalischen Gebiete dadurch bemerkbar, dass er zuerst »Haydn’s Biographie nach mündlichen Erzählungen« (Wien, 1810) veröffentlichte.
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