Bow & Bridge Violin and bow makers, as the old books printed them

Scan 306

Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870

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1der jüngere Sohn des Vorigen, geboren laut Taufschein am 22. März 1765 zu Čáslav in Böhmen, wurde von seinem Vater musikalisch ausgebildet und spielte bald vortrefflich Violine, Violoncello und Clavier. Während der Abwesenheit seines Vaters vertrat er oft dessen Stelle als Organist. Um sich in der Musik zu vervollkommnen, wurde er nach Prag geschickt, und als er dort seine Musikstudien beendet hatte, trat er als Musikmeister in die Dienste der Gräfin von Lützow, die er auch später auf einer Reise nach Italien begleitete. Hier gab er einige Concerte mit günstigem Erfolge und erhielt zu Mortara die Organisten- und Musikdirektorstelle. Später wurde er Accompagnateur am Theater San Benedetto in Venedig und zuletzt an der Scala zu Mailand. Im J. 1790 ging er nach Laibach als Musiklehrer und Organist an der Kathedrale und lebte dort einige Jahre in dieser Eigenschaft. Im J. 1808 nahm er eine Kapellmeisterstelle bei dem k. k. österr. Infanterie-Regimente Davidovič, das sich in Venedig befand, an. Während seines Aufenthaltes in Italien schrieb er eine bedeutende Anzahl Opern. Es sind: »La Cafettiera di spirito«, »La Feudataria«, L’Impostore«, »Voglia di dote e non di moglie«, »Il trombetta«, »Matrimonio e divorzio in un sol giorno«, sämmtlich komischen Genres; ferner: »Roma salvata«, ernste Oper, »Il fortunato successo«, L’Incantesimo senza magia«, »La ferita mortale«, »L’ombra ossia il ravedimenta«, welche letztere Farce er im J. 1815 für Venedig schrieb und dafür vielen Beifall erntete. Ausserdem componirte er ein Oratorium: »Gerusalemme distrutta«, ein Trio für 3 Flöten, 1 Sonate für Clavier und Violine, Violin- und Pianoforteconcerte, hübsche Canzonetten, sowie einige Kirchen- und Instrumentalmusiken. Er war überhaupt ein sehr talentvoller Componist und besass ein ausserordentliches musikalisches Gedächtniss. Ueber seine Compositionsweise sprach sich der italienische Operncomponist Orlandi folgendermassen aus: »D. hat Ouverturen am nämlichen Tage, wo die Oper gegeben wurde, ganz aus dem Stegreife geschrieben, und zwar ohne sie in Partitur zu setzen; sondern er hat sie gleich in Stimmen gesetzt und so dem Orchester übergeben«. Dies bestätigte auch Giov. Pacini im J. 1816 wie folgt:: Er (Dussek) hat in meiner Gegenwart ganze Arien für seine Oper so componirt, dass er sie gar nicht in Partitur, sondern gleich aus dem Stegreife in die Orchesterstimmen setzte.« Seit 1816 fehlen weitere Nachrichten über D. M—s.
3Dussek, Johann Ludwig, der ältere Bruder des Vorhergehenden, einer der berühmtesten Pianofortespieler und Componisten für sein Instrument, der in beiden Eigenschaften den Platz dicht neben Clementi und J. B. Cramer behauptet und in seinen Compositionen, die sich durch schöne Erfindung, Gemüthsreichthum und geistvolle Behandlung des Inhalts wie des Technischen auszeichnen, noch heute hochgeschätzt wird. Er wurde am 9. Febr. 1761 zu Czaslau (Čáslav) in Böhmen geboren und von seinem Vater sowohl wissenschaftlich wie musikalisch unterrichtet, so dass er in seinem fünften Lebensjahre ziemlich fertig Clavier und im neunten Orgel spielte. Hierauf Chorknabe zu Iglau in Mähren, unterrichtete ihn der Chordirektor Pater Spenar in dem wissenschaftlichen Theile der Musik, bis D. Organist in Kuttenberg wurde, woselbst er zwei Jahre lang blieb und dann in Prag Philosophie studirte. Von dort aus nahm ihn Graf Männer mit nach den Niederlanden, wo er in Mecheln und Berg-op-Zoom als Organist fungirte und in Concerten zu Amsterdam und im Haag seine ersten Lorbeeren als Claviervirtuose einerntete. In letzterer Stadt erschienen auch seine ersten Compositionen, bestehend in drei Concerten und 12 Sonaten im Drucke. Von ernstem Streben geleitet, begab er sich 1783 nach Hamburg, um von Philipp Emanuel Bach zu profitiren. Ein Jahr später feierte er in Berlin Triumphe sowohl als Pianoforteswie auch besonders als Harmonikavirtuose, welches letztere Instrument er schon seit längerer Zeit ebenfalls eifrig cultivirt und sogar auch verbessert hatte. Bemerkenswerth ist besonders, dass die Klaviaturharmonika, deren er sich bediente, sich von der gewöhnlichen dadurch unterschied, dass die Glocken durch einen Fussritt in Bewegung gesetzt wurden und an drei nebeneinander hefndlichen Wellen sich befanden. Von Berlin aus ging D. nach St. Petersburg, wo ihn der Fürst Karl von Radziwill engagirte und auf seine Güter nach Lithauen führte.

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