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Scan 307
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1Diese Stellung behielt D. bis 1786, verliess sodann Russland und trat gegen Ende desselben Jahres mit ausserordentlichem Beifall in Paris bei Hofe auf. Hierauf bereiste er Italien, kehrte aber 1788 wieder nach Paris zurück, um daselbst längere Zeit zu bleiben. Die ausbrechende Revolution trieb ihn jedoch nach London, wo er sich verheirathete und in Verbindung mit seinem Schwiegervater Domenico Corri (s. d.) eine Musikalienhandlung und Notenstecherei begründete, bei welchen Etablissements er nicht blos sein Vermögen zusetzte, sondern sich auch in Schulden stürzte, so dass er, um seinen Gläubigern zu entgehen, sich im J. 1800 heimlich nach Hamburg begeben musste. Dort lernte er eine hochgestellte Dame kennen, mit der er zwei Jahre lang in einem sehr intimen Verhältnisse auf einem Gute an der dänischen Gränze lebte. Nach Verlauf dieser Zeit reiste er nach seiner Heimat, um nach 25 Jahren der Trennung seinen Vater wieder zu sehen. Auf der Rückreise aus Böhmen wurde er in Magdeburg dem durch sein grosses Musiktalent, sowie später durch seinen Heldentod bekannten gewordenen Prinzen Louis Ferdinand von Preussen vorgestellt, der ihn mit sich nach Berlin nahm und als Lehrer, Vertrauten und Begleiter bei sich behielt. Nach dem Tode dieses Prinzen erhielt D. alsbald eine Anstellung als Hof- und Hausmusiker beim Fürsten von Isenburg, und ein Jahr später beim Fürsten von Talleyrand, mit dem er nach Paris ging. Er starb am 20. März 1812 zu St. Germain en Laye. — D. war nicht blos ein ausgezeichneter, allseitig anerkannter und gefeierter Künstler, sondern auch ein intelligenter, gemüthvoller und liebenswürdiger Mensch, allerdings voller Sorglosigkeit und Leichtsinn, wodurch er sich wiederholt in die ernstesten Verlegenheiten brachte. Mit zunehmendem Alter hatte sich bei ihm eine unförmliche körperliche Beleibtheit verbunden mit einer aussergewöhnlichen Schlaffheit entwickelt, die ihn bewog, nur wenige Stunden des Tages das Bett zu verlassen. Durch den übermässigen Genuss stimulirender geistiger Getränke beschleunigte er unter solchen Umständen seinen Tod. — Die Zahl seiner Clavierwerke ist sehr gross; auch wurden sie fast durchgehend mit dem grössten Beifall aufgenommen. Sie bestehen in einer concertirenden Sinfonie für zwei Claviere, 12 grossen Concerten, einem Quintett und Quartett für Pianoforte mit Streichinstrumenten, 10 Werken Trios, 30 Sonaten mit Violine, 9 vierhändigen Sonaten, 3 vierhändigen Fugen, 53 Sonaten für Pianoforte allein und einer grossen Menge von Rondos, Fantasien, Variationen und Tänzen. Eine Gesammtausgabe dieser Werke ist bei Breitkopf und Härtel in Leipzig erschienen. Als Componist zeigte er viel Eigenthümlichkeit, reiche Erfindung und ein Feuer des Gefühls, welches auch in seinem vorzüglichen, sicheren und eigentlich grossen Spiele unverkennbar war. Bekannt ist von ihm insbesondere noch die mit Pleyel herausgegebene »Méthode nouvelle pour le Piano et notamment pour le doigter« (London, 1796 und öfter). In England hat er ausserdem zwei seiner Opern aufführen lassen, die aber sehr geringen Erfolg hatten. Auch Kirchenwerke verschiedener Gattung, meist Jugendarbeiten, sollen sich noch in Böhmen von ihm vorfinden. — Seine Schwester war die Claviervirtuosin Veronica Cianchettini (s. d.) und seine Gattin die ältere Tochter des italienischen Gesanglehrers Domenico Corri, eine vorzügliche Concertsängerin, Pianistin und Harfenspielerin. Dieselbe war 1775 zu Edinburg geboren. Nach D.’s Tode verehelichte sie sich zum zweiten Male und zwar mit einem gewissen Moralt, mit dem sie nach Paddington zog, wo sie ein musikalisches Lehrinstitut errichtete. Sie ist auch als Componistin aufgetreten und hat verschiedene Clavier- und Harfenstücke veröffentlicht. — Auch ihre und D.’s Tochter, Olivia D., 1799 in London geboren, erwarb sich als Clavier- und Harfenvirtuosin grosse Achtung und hat Mehreres für diese Instrumente componirt und herausgegeben.
3Dustmann, Louise, geborene Meyer, weshalb sie auch unter dem Namen Meyer-Dustmann bekannt ist, eine berühmte und ausgezeichnete Opern und Concertsängerin, wurde 1832 zu Aachen geboren und erhielt ihren ersten Gesangunterricht von ihrer Mutter, die selbst eine geschätzte Bühnensängerin war. Ihre weitere Ausbildung genoss sie in Wien, wohin sie frühzeitig kam. Nach 1848
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