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Scan 422
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1nach: ces, des, eës (wofür es in Gebrauch), fes, ges, aës (wofür as in Anwendung), und hes. Die E. zweimal an den alphabetischen Klangnamen gehängt, kennzeichnet eine doppelte Erniedrigung: ceses, deses, eses (Ausnahme), feses, geses, asas (Ausnahme) und heses. Ueber die von der Regel abweichenden Benennungen belehrt der Artikel Alphabet (s. d.). Um die Erniedrigung eines Tones bei der Notirung zu vermerken, bedient man sich des
3Erniedrigungszeichens, des Be’s (♭) für die einfache und des zweifach gesetzten Be’s (♭♭) für die Doppelerniedrigung, welche Zeichen stets vor die Noten gestellt werden, auf die sie sich beziehen sollen.
5Ernst II., seit 1844 regierender Herzog zu Sachsen-Coburg-Gotha, im deutschen Reiche ebenso als patriotischer Förderer der Einheitsbestrebungen des Volkes, wie als Tondichter und Kunstkenner gerühmt, ist in jeder Beziehung eine in dem Herrscherstande, besonders was die musikalische Kunst anbetrifft, seltene Erscheinung. Am 21. Juni 1818 wurde dieser Fürst zu Coburg geboren als Sprosse eines Herrscherhauses, das seit langer Zeit schon zur Musik vor allen anderen Künsten sich hingezogen gefühlt hatte. Der Vater E.’s, dem die reiche musikalische Begabung seines Erben, die sich schon früh bemerkbar machte, nicht entging, wandte der Ausbildung derselben wie der wissenschaftlichen des Prinzen, die grösste Sorgfalt zu. Frühzeitiger Unterricht im Clavierspiel und in der Harmonielehre, die oft der Vater selbst controllirte, regelten das zum Schaffen drängende Talent des Prinzen, von dem selbstgedichtete und componirte Lieder noch heute Zeugniss ablegen; bei Colburn in London erschien eine Sammlung derselben, aus der »die Aeuglein« und »Lass’ mich nur einmal dich beschauen« gegenwärtig noch immer Verehrer finden. Auch in der ferneren Erziehung des Prinzen blieb die Musik ein hervorragender Faktor. In Bonn, während seiner akademischen Studien, vertraute sich E. dem Rathe des Professors Breidenstein an, und in der kunstsinigen Residenz Dresden, wo er vorzüglich seiner militärischen Ausbildung oblag, dem Kapellmeister Reissiger. Ausserdem ward ihm hier der Verkehr mit Männern wie Mendelssohn, Moscheles, Meyerbeer, Wagner, Liszt, Thalberg u. A., welcher auf seine musikalische Entwicklung in förderndster Weise mit einwirkte. Er befasste sich in dieser Zeit vielfach mit der Composition von kleineren, besonders der Kammermusik angehörigen Werken, die jedoch von der Zeit überfluthet worden sind, um so mehr, als der Drang, im Felde der dramatisch-musikalischen Schöpfung sein Talent zu offenbaren, ihn bald zu grösseren Thaten anspornte. Als erste Frucht dieses Dranges ist die Cantate für Gesang und Orchester: »Immer Liebe« zu verzeichnen, der bald eine zweite: »Aller Seelen« betitelt, folgte; beide erlebten wiederholte Aufführungen am Hofe zu Coburg. Auf Liszt’s mehrfache Anregung schuf E. dann sein erstes dramatisch-musikalisches Werk, die Oper »Zaire«, welche über viele Bühnen Deutschlands ging. Diesem ersten Werke folgten in kurzen Zeiträumen die Opern: »Toni«, »Casilda«, 1854 »Santa Chiara« und 1858 »Diana von Solange«. Wenn »Santa Chiara« besonders genaue Kenntniss und Einwirkung der wagner’schen Muse dokumentirt, so scheint die letztere Oper dazu bestimmt gewesen zu sein, einem den sich heftig befehdenden Extremen organisch entkeimten neuen Style Bahn zu brechen. Alle grösseren Werke E.’s, besonders letztgenanntes, befinden sich noch gegenwärtig auf dem Repertoire der Bühnen Deutschlands und der bedeutenderen des Auslandes. Gedruckt sind von E.’s Werken ausser sämtlichen Opern mehrere Hefte Lieder, wovon als sehr bekannte: »Wenn deine Lieben von dir gehen«, Quartett; »Heinrich«, Lied für Bariton; »In die Ferne«, Declamation mit Piano- und Violoncellbegleitung zu nennen sind; so wie viele Instrumentalcompositionen, von denen besonders die »Fantasie für Piano, Violoncell und Aeolodion;« und der »Fackeltanz« für grosses Orchester und Blechmusik zur Vermählungsfeier des Grossherzogs von Baden hervorzuheben sind. Am verbreitetsten und bekanntesten ist wohl die Hymne für Männerchor und Blechmusik: »Die deutsche Tricolore«, welche viele Auflagen erlebte und in neuester Zeit im Auslande mit anderem Texte sich Verehrer gewann, in Belgien und Frankreich kennt man sie als: »Hymne à la paix«, als welche sie bei dem Preisgesangsfest in
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