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Scan 436
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1Verhältnisse schon vorhin erwähnt sind, so dass nur wenig nachzutragen ist. In der Schlacht bei Collin erwarb er sich das Ritterkreuz des Maria Theresienordens; 1765 bei Stiftung des Commandeurkreuzes desselben Ordens wurde er zum Commandeur desselben ernannt. 1783 endlich erhielt er von Kaiser Joseph II. die Ausdehnung der fürstlichen Würde auf die gesammte männliche und weibliche Descendenz. Unter diesem Fürsten gewann nun die Musik eine weitaus grössere Bedeutung als unter seinem Bruder, und es wird schwer, über diesen Fürsten zu sprechen, ohne zugleich in die Biographie Haydns einzugreifen. Fürst Nicolaus Joseph war nicht bloss Musikliebhaber, sondern mehr Musikkennner, ja sogar ausübender Musiker. Er spielte ziemlich gut Violine und Bariton, ein Saiteninstrument, auch Viola di bordone genannt, das im vorigen Jahrhundert sehr beliebt war, später aber ganz aus der Reihe der Instrumente verschwand (vgl. Art. Bariton I. 468). Anfangs behielt der Fürst noch das Marionettentheater in der ursprünglichen Form bei, später wurde es allmählig zur geistlichen und weltlichen Operette umgewandelt, bis sich endlich der Fürst entschloss, ein eigenes Opernhaus zu bauen. Hier wurde denn tagtäglich sowohl italienische Opera seria und buffa, wie deutsche Comödie gespielt, denen der Fürst regelmässig beiwohnte. Auch die Kapelle, die unter seinem Bruder noch schwach war (sie wird 1762 höchstens 15—18 Mann betragen haben), wurde allmählig mit Ausnahme des Sängercorps auf 30 Köpfe gebracht, wie aus dem Verzeichniss hervorgeht, das Gerber als Bestand der Kapelle im J. 1790 beim Tode des Fürsten angibt. Die Vermehrung der Kapelle begann schon bald nach dem Regierungsantritt des Fürsten; denn schon 1770, bei dem später zu erwähnenden Feste in Kittsee wird die Zahl des fürstlichen Chors mit den Sängern auf 36 angegeben. Im nächsten Jahrzehnt erfährt die Kapelle keine weitere Vergrösserung. Aus dem J. 1782 ist uns nämlich in Forkels Musikalischem Almanach von 1783 p. 101. ein Verzeichniss der Mitglieder der Kapelle erhalten. Sie bestand danach ausser Haydn aus 22 Musikern und 12 Sängerinnen, zusammen also 35 Mann. Da 1790, wie vorher erwähnt, die Musikkapelle 30 Mann betrug, so ist dieselbe in den folgenden 8 Jahren nur um 8 Mann vermehrt worden. Es dürfte wohl nicht ohne Interesse sein, beide Verzeichnisse hier nebeneinanderzustellen. one of two readings
2Verhältnisse schon vorhin erwähnt sind, so dass nur wenig nachzutragen ist. In der Schlacht bei Collin erwarb er sich das Ritterkreuz des Maria Theresien-ordens; 1765 bei Stiftung des Commandeurkreuzes desselben Ordens wurde er zum Commandeur desselben ernannt. 1783 endlich erhielt er von Kaiser Joseph II. die Ausdehnung der fürstlichen Würde auf die gesammte männliche und weibliche Descendenz. Unter diesem Fürsten gewann nun die Musik eine weitaus grössere Bedeutung als unter seinem Bruder, und es wird schwer, über diesen Fürsten zu sprechen, ohne zugleich in die Biographie Haydns einzugreifen. Fürst Nicolaus Joseph war nicht bloss Musikliebhaber, sondern mehr Musikkennner, ja sogar ausübender Musiker. Er spielte ziemlich gut Violine und Bariton, ein Saiteninstrument, auch Viola di bordone genannt, das im vorigen Jahrhundert sehr beliebt war, später aber ganz aus der Reihe der Instrumente verschwand (vgl. Art. Bariton I. 468). Anfangs behielt der Fürst noch das Marionettentheater in der ursprünglichen Form bei, später wurde es allmählig zur geistlichen und weltlichen Operette umgewandelt, bis sich endlich der Fürst entschloss, ein eigenes Opernhaus zu bauen. Hier wurde denn tagtäglich sowohl italienische Opera seria und buffa, wie deutsche Comödie gespielt, denen der Fürst regelmässig beiwohnte. Auch die Kapelle, die unter seinem Bruder noch schwach war (sie wird 1762 höchstens 15—18 Mann betragen haben), wurde allmählig mit Ausnahme des Sängercorps auf 30 Köpfe gebracht, wie aus dem Verzeichniss hervorgeht, das Gerber als Bestand der Kapelle im J. 1790 beim Tode des Fürsten angibt. Die Vermehrung der Kapelle begann schon bald nach dem Regierungsantritt des Fürsten; denn schon 1770, bei dem später zu erwähnenden Feste in Kittsee wird die Zahl des fürstlichen Chors mit den Sängern auf 36 angegeben. Im nächsten Jahrzehnt erfährt die Kapelle keine weitere Vergrösserung. Aus dem J. 1782 ist uns nämlich in Forkels Musikalischem Almanach von 1783 p. 101. ein Verzeichniss der Mitglieder der Kapelle erhalten. Sie bestand danach ausser Haydn aus 22 Musikern und 12 Sängerinnen, zusammen also 35 Mann. Da 1790, wie vorher erwähnt, die Musikkapelle 30 Mann betrug, so ist dieselbe in den folgenden 8 Jahren nur um 8 Mann vermehrt worden. Es dürfte wohl nicht ohne Interesse sein, beide Verzeichnisse hier nebeneinanderzustellen. one of two readings
4Forkel (1782).
5Violini: Tomasini, Panur, Mestrino, Ungricht, Hirsch, Fux, Menzl, Hofmann, Oliva, Polzelli,
6Viole: Speck, Burgsteiner,
7Violoncelli: Kraft, Pertoja,
8Contrabassi: Schiringer, Diezel,
9Oboi: Schaudick, Mayer,
10Fagotti: Perzival, Stainer,
11Corni: Rupp, Makoweiz.
13Gerber (1790).
141. Violini: Tomasini, Panur, Ungricht, Leopold und Zacharias Hirsch, Weber.
152. Violini: Griso, Oliva, Czervenka, Polzelli, Fux,
16Viole: Burgsteiner, Speck.
17Violoncelli: Kraft, Tauber,
18Contrabassi: Schiringer, Diezel,
19Oboi: Czervenka, Majer,
20Fagotti: Perzival, Heiner,
21Corni: Chiesa, Richl.
22Außerdem: 1 Pauker, 2 Trompeter, 2 Clarinettisten und 2 Fagotti.
24Mitglieder der Kapelle liessen sich sogar öffentlich hören. Aus einem Verzeichnisse von Virtuosen, die in den Jahren 1768—1792 in Leipzig auftraten, findet sich am 4. Februar 1788 Carl Franz aus der E.'schen Kapelle auf dem Bariton, auf welchem er die von Joseph Haydn für dies Instrument gesetzte Musik zu dem Gedicht: Deutschlands Klage über den Tod Friedrich des Grossen vortrug. Die Unterhaltung der Musik und der Opern kostete dem Fürsten jährlich 40,000 Fl., wobei in Betracht zu ziehen ist, dass der Eintritt in beide Theater Jedermann frei stand. Daneben verschlangen die Bauten des Fürsten und die grossen Festlichkeiten ungeheure Summen. Noch im Anfange der Regierung des Fürsten Nicolaus Joseph
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