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Scan 65
Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände, 1870
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1Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Erzkanzler, später Fürst Primas des Rheinbundes und Grossherzog von Frankfurt, endlich Erzbischof von Regensburg und Bischof von Worms und Konstanz, ein für Kunst und Wissenschaft begeisterter Mann, geboren am 8. Februar 1744 zu Hernsheim, starb am 10. Februar 1817 zu Regensburg. Unter seinen Schriften, die sich durch eine gründliche Forschung und durch eine gewinnende Dialektik auszeichnen, empfehlen sich dem wissenschaftlich gebildeten Musiker: »Die Grundsätze der Aesthetik« (Frankfurt, 1791), »Perikles, über den Einfluss der schönen Künste auf das öffentliche Glück« (Erfurt, 1806) und ein Aufsatz »Ueber Kunstschulen« in den Horen. — Musikalisch noch bedeutender ist sein jüngerer Bruder: Johann Friedrich Hugo von D., Domkapitular zu Trier, Worms und Speier, geboren am 17. Mai 1752, und gestorben am 26. Juli 1812 zu Aschaffenburg. Er war nicht allein, wie Karl Theodor, Freund und Beschützer der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein fertiger Klavierspieler und geschmackvoller Componist, in welchen Fächern er Holzbauer zum Lehrer gehabt hatte. Von seinen Compositionen kennt man: Quartette für Klavier, Oboe, Horn und Fagott, Trio's für Klavier, Violine und Violoncello, Duo's für zwei Klaviere, Sonaten, Variationen, Polonaisen für Klavier, Gesänge und Lieder, ein Melodram für Declamation und Blasinstrumente nach Klopstock's »Todesscenen des Erlösers«, die englische Cantate »Beatrice« u. s. w. Von seinen musikalischen Schriften sind zu nennen: »Blicke eines Tonkünstlers in die Musik der Geister« (Mannheim, 1787), »Vom Erkennen und Erfinden« (Frankfurt, 1791), »Untersuchungen über den Ursprung der Harmonie und ihre allmähliche Ausbildung« (Erfurt, 1801) und »Ueber die Musik der Indier, aus dem Englischen des William Jones, mit Zusätzen, Anmerkungen u. s. w.« (Erfurt, 1802). Ausserdem finden sich Aufsätze von ihm, meist kunstästhetischen Inhalts, in den damaligen Jahrgängen der »Leipziger allgemeinen musikalischen Zeitung«. one of two readings
2Worms, letzter Kurfürst von Mainz und Erzkanzler, später Fürst Primas des Rheinbundes und Grossherzog von Frankfurt, endlich Erzbischof von Regensburg und Bischof von Worms und Konstanz, ein für Kunst und Wissenschaft begeisterter Mann, geboren am 8. Februar 1744 zu Hernsheim, starb am 10. Februar 1817 zu Regensburg. Unter seinen Schriften, die sich durch eine gründliche Forschung und durch eine gewinnende Dialektik auszeichnen, empfehlen sich dem wissenschaftlich gebildeten Musiker: »Die Grundsätze der Aesthetik« (Frankfurt, 1791), »Perikles, über den Einfluss der schönen Künste auf das öffentliche Glück« (Erfurt, 1806) und ein Aufsatz »Ueber Kunstschulen« in den Horen. — Musikalisch noch bedeutender ist sein jüngerer Bruder: Johann Friedrich Hugo von D., Domkapitular zu Trier, Worms und Speier, geboren am 17. Mai 1752, und gestorben am 26. Juli 1812 zu Aschaffenburg. Er war nicht allein, wie Karl Theodor, Freund und Beschützer der Wissenschaften und Künste, sondern auch ein fertiger Klavierspieler und geschmackvoller Componist, in welchen Fächern er Holzbauer zum Lehrer gehabt hatte. Von seinen Compositionen kennt man: Quartette für Klavier, Oboe, Horn und Fagott, Trio's für Klavier, Violine und Violoncello, Duo's für zwei Klaviere, Sonaten, Variationen, Polonaisen für Klavier, Gesänge und Lieder, ein Melodram für Declamation und Blasinstrumente nach Klopstock's »Todesscenen des Erlösers«, die englische Cantate »Beatrice« u. s. w. Von seinen musikalischen Schriften sind zu nennen: »Blicke eines Tonkünstlers in die Musik der Geister« (Mannheim, 1787), »Vom Erkennen und Erfinden« (Frankfurt, 1791), »Untersuchungen über den Ursprung der Harmonie und ihre allmäliche Ausbildung« (Erfurt, 1801) und »Ueber die Musik der Indier, aus dem Englischen des William Jones, mit Zusätzen, Anmerkungen u. s. w.« (Erfurt, 1802). Ausserdem finden sich Aufsätze von ihm, meist kunstästhetischen Inhalts, in den damaligen Jahrgängen der »Leipziger allgemeinen musikalischen Zeitung«. one of two readings
4Dalibor von Konojed, böhmischer Ritter zur Zeit des Königs Vladislav II. in der letzten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Den Langmuth und die Unthätigkeit des Königs benutzend, suchte er das Schloss Ploskovic, das dem Adam von Drahonic gehörte, zu erobern. D. spornte die Untergebenen Adam's zum Aufruhr gegen ihren Herrn, nahm Adam gefangen und zwang ihn, dass er ihm eine Urkunde auf Abtretung von Ploskovic ausstellte. Hierauf liess ihn D. zwar frei, aber Adam verklagte ihn beim Gerichte; D. wurde verhaftet und in den neu renovirten Thurm am Hradčin, der nachher »Daliborka« genannt wurde, geworfen. Dort, von Langweile geplagt, verschaffte er sich eine Geige, lernte ganz von selbst, ohne je einen Begriff von Musik gehabt zu haben, dieses Instrument spielen und brachte es darauf durch fleissiges Ueben zu einer solchen Geschicklichkeit, dass sich täglich eine Menge Menschen in der Nähe seines Gefängnisses versammelte, um ihn zu hören, und er so zu sagen zum Orpheus Böhmens erklärt wurde. Nach einem langwierigen Processe wurde er im J. 1498 auf dem Hofe vor dem Thurme enthauptet. Von ihm schreibt sich das in Böhmen bekannte und übliche Sprüchwort her: »Mistr nouze naučila Dalibora housti« (»Meister Elend lehrte dem Dalibor die Violine spielen«). Die Geschichte von D. wurde von böhmischen Dichtern auch als Stoff zu Opern vielfach benutzt. Der Organist Kott in Brünn componirte vor vielen Jahren die Oper »Dalibor«, die aber niemals aufgeführt wurde. Adolph Pozděna schrieb ebenfalls eine gleichnamige Oper (Text von K. Sabina), die jedoch unvollendet blieb. Im J. 1868 wurde die Oper »Dalibor« (Text von Wenzig) von Frdr. Smetana auf der böhmischen Bühne in Prag mit Erfolg aufgeführt. Der Name »Dalibor« dient auch als Titel einer böhmischen, unter der Redaction von Em. Meliš stehenden musikalischen Zeitschrift, die seit 1858 in Prag erscheint und namentlich die slavischen Musikzustände pflegt. M-s.
6Dall, Roderick, ist als letzter der sogenannten wandernden Harfner Schottlands weithin bekannt geworden. Er lebte ums Jahr 1740 und soll in geschmackvollster Weise Compositionen im damaligen Zeitgeschmack verfertigt haben, welche sich noch heute als Melodien und Lieder im Volke beliebt erhalten haben. Leider jedoch kann Niemand D.'sche Compositionen angeben und dürfte es für seine Landsleute verdienstvoll sein, gewissenhaft nach Schöpfungen D.'s zu suchen und dieselben zu sammeln.
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